Verlagerung einmal andersrum
Die Bonaduzer Hamilton AG will Produktionen aus dem Ausland nach Graubünden verlagern. Im Januar soll die Geschäftsleitung über mögliche Standorte diskutieren. Neben einer Umnutzung ist auch ein Neubau denkbar..
Die Bonaduzer Hamilton AG will Produktionen aus dem Ausland nach Graubünden verlagern. Im Januar soll die Geschäftsleitung über mögliche Standorte diskutieren. Neben einer Umnutzung ist auch ein Neubau denkbar..
Die Hamilton AG in Bonaduz will nicht ins Emser Sägereigebäude – aber in die Region
Von Olivier Berger
Die Hamilton AG aus Bonaduz wird nicht in den Gebäuden der früheren Grosssägerei im benachbarten Domat/Ems produzieren. Firmenchef Andreas Wieland bestätigte gestern auf Anfrage, dass ein Entscheid gegen die Übernahme der Bauten auf dem brach liegenden Areal gefallen ist. Anfang Monat hatte Wieland das Sägerei-Areal besichtigt (Ausgabe vom 3. Dezember). «Es gibt viel Positives wie den Standort und die Erschliessung des Geländes», erklärte Wieland.
«Allerdings ist der bestehende Bau für unsere Zwecke nicht geeignet; die Investitionen für eine Umnutzung wären unverhältnismässig hoch, und ein Umbau wäre technisch vielleicht gar nicht möglich.» Die Räume in der Sägerei, so Wieland, seien «zwar lang, aber viel zu schmal für unsere Bedürfnisse». Ausserdem sei die Sägerei nicht isoliert. «Eine nachträgliche Isolation wäre insbesondere beim Dach statisch schwierig.»
<strong>Vom Tisch ist der Ausbau</strong> der Hamilton AG in der Region mit dem Entscheid gegen das Sägewerk allerdings nicht, wie Wieland versicherte. «Die Geschäftsleitung wird bereits im Januar darüber diskutieren, ob es in der Umgebung von Bonaduz mögliche Alternativen gibt, oder ob wir selber einen Neubau erstellen.» Wohin eine allfällige neue Produktionshalle zu stehen käme, ist laut Wieland noch offen. «Es sind verschiedene Gemeinden möglich, aber Graubünden hat für uns ganz klar erste Priorität.» Ein Neubau wäre laut Wieland auch auf dem Sägerei-Areal denkbar.
<strong>Das Zauberwort</strong> für den Standort heisst «vertikale Integration». Für diese habe sich die Hamilton AG entschieden, sagte Wieland gestern. Konkret bedeutet das, dass das Unternehmen Produktionen aus der übrigen Schweiz und dem europäischen Ausland nach Graubünden verlagert (siehe Frontseite). Dabei geht es um die Herstellung von Kunststoffkomponenten für die Medizinaltechnik-Geräte der Hamilton AG. Heute, so Wieland, würden diese ausserhalb von Graubünden gefertigt. «Neu wollen wir das selber machen.»
Das Risiko, im Zusammenhang mit den Kunststoffteilen in den Ausbau des Standorts Graubünden zu investieren, sei gering, betonte Wieland. «Wir haben sowohl das nötige Wissen wie auch die Verkaufskanäle.» Immerhin wäre die Hamilton AG bei den – bisher auswärts hergestellten Teilen – ihr eigener Hauptkunde. Ausbauen will Wieland auch die Entwicklung der Kunststoff-Komponenten. Auch diese soll neu in Graubünden erfolgen – vorzugsweise am gleichen Ort wie die spätere Produktion der Teile.
<strong>Die Produktion der Teile</strong> könnte laut Wieland ziemlich bald beginnen. «Wenn wir ein geeignetes Gebäude gefunden oder gebaut haben, können wir rasch loslegen.» Das liege daran, dass die auswärtigen Firmen die entsprechenden Teile schon heute auf Maschinen produzierten, die der Hamilton AG gehörten. «Diese Infrastrukturen könnten wir ohne grossen Verzug nach Graubünden verlagern und hier mit der Produktion starten.» Der Fokus liege deshalb derzeit ganz auf der Suche nach den notwendigen Gebäulichkeiten oder Bauland für einen eigenen Neubau.
<strong>Wielands Pläne</strong> enden aber keineswegs mit der Verlagerung der Kunststoffteil-Produktion in den Kanton Graubünden. Vielmehr will er in diesem Bereich auch neue Märkte erobern, wie er gestern erklärte. «Wir wollen in Zukunft mehr intelligente Verbrauchsmaterialien selber herstellen.» Als Beispiele nannte Wieland Sensoren und Befeuchter für Beatmungsgeräte. «Diese Verbrauchsteile sind ein grosser Markt», sagte Wieland. «Ich bin überzeugt, dass da für uns sehr viel machbar ist.»
Die Hamilton AG ist seit dem Jahr 1966 in Bonaduz tätig. Heute beschäftigt das Unternehmen in Graubünden rund 850 Personen – rund ein Drittel von ihnen mit Hochschulabschluss. Hamilton ist weltweit führend auf dem Gebiet von Labor-Automation, Sensorik und Medizinaltechnik.
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