Verfahren zum Brand hält «Alpenblick» in Warteschlaufe
Wie weiter mit dem Hotel «Alpenblick» in Braunwald? Die Untersuchungen zum Brandfall ziehen sich hin. Der Neubau lässt auf sich warten.
Wie weiter mit dem Hotel «Alpenblick» in Braunwald? Die Untersuchungen zum Brandfall ziehen sich hin. Der Neubau lässt auf sich warten.
Von Brigitte Tiefenauer
Braunwald. – Noch während das Hotel «Alpenblick» in Flammen stand, kündigte dessen Besitzer Serif Yildiz an, ein neues Hotel aufzubauen.
Das war vor zwei Jahren. Yildiz hatte das Hotel «Alpenblick» im August 2009 für 1,9 Millionen Franken ersteigert – bei einem Schätzpreis von 1,2 Millionen Franken viel zu teuer, heisst es. Keine drei Monate später, am 4. November, brannte der «Alpenblick» bis auf die Grundmauern ab – just als die Standseilbahn in Revision und der Zugang zum Brandplatz erschwert war.
Ein Urteil und ein Versprechen
In der Zwischenzeit hat Yildiz den Brandplatz räumen lassen, für weit über 100 000 Franken, wie sein Anwalt aus Laufen im Baselbiet weiss. Beweist der Immobilienhändler damit den Willen, sein Versprechen an die Braunwalder bald einzulösen?
Theoretisch stünde dem Projekt nichts im Weg, sagt Christian Bötschi. Der Appenzeller ist als ausserordentlicher Staatsanwalt von den Glarnern mit dem Fall betraut worden. Solange die Untersuchungen laufen, gibt es von der Staatsanwalt keine detaillierten Auskünfte. Die Ermittlungen seien aber relativ weit fortgeschritten, eine nochmalige Einvernahme von Yildiz und und dessen Vorgänger im Hotel «Alpenblick», einem deutschen Geranten, stehe noch an.
Offenbar geht es noch um die Klärung fahrlässiger Brandverursachung durch ungeschickten Umgang mit Gerätschaften, die für die sanfte Renovation im Einsatz waren. Für Brandstiftung fehlen scheinbar die Beweise.
Nicht in die Ermittlungen mit einbezogen hat Bötschi den Geschäftspartner von Yildiz, Conrad Krüsi, der innert zwölf Jahren drei Brandfälle beklagt. Er habe mit der Sache nichts zu tun, sagt Bötschi.
Kein «Freispruch 2. Klasse»
Wie weiter mit dem «Alpenblick»? Serif Yildiz verspricht, demnächst im Glarnerland vorzusprechen. Sein Verteidiger nimmt in seinem Namen schon einmal Stellung. «Schön wärs, wenn der Fall endlich zum Ende käme», meint er. Er sei überzeugt, dass Yildiz keine Schuld am Brand habe. Es seien Lösungsmittel für Renovationsarbeiten im Spiel gewesen – oder Zigaretten der Arbeiter.
Nun hätte Yildiz die Möglichkeit, ein vereinfachtes Verfahren zu beantragen – vorausgesetzt, er bekennt sich zu einer leichten Fahrlässigkeit, weil er die Arbeiter nicht zu genügend Vorsicht angehalten habe. Dies würde die strafrechtliche Beurteilung wesentlich beschleunigen.
«Ich kann mir aber vorstellen, dass mein Mandant auf dem ordentlichen Verfahren beharrt», sagt der Anwalt.
Da Yildiz von seiner Unschuld überzeugt sei, ziehe er den richterlichen Freispruch einem Freispruch 2. Klasse vor. «Für den Türken ist das Ehrensache.» Das Verfahren wird sich damit zeitlich hinziehen. Dem Bau eines neuen Hotels jedoch, sagt auch der Anwalt, stehe das laufende Verfahren an sich nicht im Weg. Die Versicherungen würden jedoch das Urteil abwarten, ist er überzeugt.
Nun auch noch Versicherungsbetrug
Unglücklicherweise habe Yildiz der Versicherung mangels einer aktuellen Inventarliste diejenige des Vorgängers zukommen lassen. Er habe nicht gewusst, dass ein Teil davon noch vor dem Brand veräussert worden war. «Als Folge dieses Missverständnisses wird meinem Mandanten nun auch noch Versicherungsbetrug vorgeworfen», so der Anwalt.
Ebenfalls verzögern dürften raumplanerische Hürden ein neues Projekt. Der Hang mit dem Bauplatz gelte laut Analysen als rutschgefährdet.
Ob Yildiz auch ohne Abgeltung der Versicherung für den Neubau gerüstet wäre, entziehe sich seiner Kenntnis. «Ich weiss aber von meinem Mandanten, dass er grundsätzlich hält, was er verspricht. Auch das ist Ehrensache.»
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