Valser: Kristallklar oder «stark verunreinigt»?
Es ist ein Streit im Nanogrammbereich: Wie sauber ist Mineralwasser? Valser Classic hat in einem Test schlecht abgeschnitten. Die Valser Mineralquellen AG kontert.
Es ist ein Streit im Nanogrammbereich: Wie sauber ist Mineralwasser? Valser Classic hat in einem Test schlecht abgeschnitten. Die Valser Mineralquellen AG kontert.
Von Jano Felice Pajarola
Vals/Bern. – Was schenkt man sich mit einem Glas Mineralwasser alles ein? In der Valser-Werbung ist der Fall klar: Mineralstoffe, Spurenelemente, etwas Kohlensäure – und «reinstes Wasser», das «kristallklar» und «auf natürliche Weise geläutert» aus dem Berg sprudelt. Die Schweizer Vereinigung Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz allerdings hat zusammen mit der Umweltorganisation Pingwin Planet diese Woche die Resultate eines Tests veröffentlicht, für den zehn Mineralwässer in Flaschen auf ihre Inhaltsstoffe hin untersucht wurden – Valser Classic in der grünen Glasflasche schnitt dabei am zweitschlechtesten ab.
Acht unbekannte Fremdstoffe
«Stark verunreinigt»: So lautet das Fazit des Tests im Fall der Valser Classic-Flasche. 9100 Nanogramm Verunreinigungen pro Liter wurden von den beiden auswertenden Laboratorien in der Westschweiz festgestellt. Vier Substanzen konnten dabei eindeutig benannt werden, es sind chemische Stoffe, die zwar in der Industrie Verwendung finden, von denen aber nur vermutet werden kann, wie sie in ein Mineralwasser gelangt sind. Sie gelten gemäss Lebensmittelgesetzgebung als für den Menschen unkritisch. Was die Tester aber auch betonen: Es wurden noch acht weitere Fremdstoffe in der Valser-Flasche gefunden, sie machen drei Viertel der gut 9000 Nanogramm aus – eindeutig identifizierbar waren sie für das Labor nicht. Was auch bedeutet: Ob sie toxisch sind oder nicht, kann nicht gesagt werden.
«Irritierendes Sammelsurium»
Allerdings: Ein Nanogramm ist ein Milliardstel Gramm, die festgestellte Menge fremder Stoffe beträgt also pro Liter Valser Classic 0,01 Milligramm. Oder «2,3 Gramm auf ein Olympiaschwimmbecken», wie Patrick Bossart, der Schweizer Kommunikationschef von Valser-Besitzerin Coca-Cola, vorrechnet. Doch die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz finden trotzdem, das entdeckte «Stoff-Sammelsurium» sei «irritierend». Unabhängig von der Konzentration hätten solche Substanzen «im Mineralwasser nichts zu suchen». Wenn man schon mit «reinem» Wasser Werbung mache, sollten die Konsumenten auch von einem reinen Produkt ausgehen können. Notabene sei das auch machbar. Die Billiglinien-Mineralwasser von Migros und Coop jedenfalls haben den Test als total «sauber» bestanden. Wie das untersuchte Trinkwasser der Stadt Bern auch. «Hahnenburger» ist denn auch der «Konsumtipp» der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz.
Weit unter den Grenzwerten
Valser-Sprecher Bossart kann mit der Studie nicht viel anfangen; er sieht sie als «einseitige Attacke gegen abgefülltes Mineralwasser». Die internen Auflagen und Kontrollen bei Valser seien restriktiver als die gesetzlichen Vorlagen, betont er, und akkreditierte Labors würden das Wasser regelmässig analysieren. Es erfülle klar die Voraussetzungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sowie des Bundesamts für Gesundheit. Alle im Test detektierten Substanzen würden zudem deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen. «Wir nehmen aber selbstverständlich alle Hinweise ernst und klären die Faktenlage mit Analysen bei einem akkreditierten Labor.» Eine Substanzmigration aus Verpackungsmaterial oder aus der Umgebungsluft könne als Quelle von Spuren im Nanobereich infrage kommen. Man finde solche Spuren aber in allen Nahrungsmitteln. «Sollte sich zeigen, dass wir die Qualität unseres Produkts verbessern können, werden wir das sicherlich tun.»
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