US-Kriegsfilm «Fury»: Brad Pitt ballert auf Nazi-Schergen
Der Vormarsch der US-Truppen in Nazi-Deutschland ist unaufhaltsam, der Krieg fast vorbei – doch das Töten dauert im US-Film an. Brad Pitt rollt im amerikanischen Panzer durch eine Kriegsapokalypse, in der Soldaten völlig verrohen.
Der Vormarsch der US-Truppen in Nazi-Deutschland ist unaufhaltsam, der Krieg fast vorbei – doch das Töten dauert im US-Film an. Brad Pitt rollt im amerikanischen Panzer durch eine Kriegsapokalypse, in der Soldaten völlig verrohen.
Von Annina Hasler (sda)
Berlin. – Deutschen Mythengestalten geht es an den Kragen. Inszeniert wie eine Mischung aus «Schimmelreiter» und «Erlkönig» reitet ein Soldat zu Beginn des Films «Fury» über das Schlachtfeld. Aus dem Nichts stürzt sich der US-amerikanische Schauspieler Brad Pitt als amerikanischer Elitesoldat auf den deutschen Gegner – und massakriert ihn mit dem Messer. Der Auftakt ist unmissverständlich: Es wird grausam, und Gnade gibt es nicht. Gut zwei Stunden dauert der bluttriefende Parforce-Ritt einer US-Panzereinheit durch Westdeutschland, in dem Nazi-Einheiten im April 1945 noch Widerstand leisten. Es ist ein archaischer Weltkriegs-Western mit ballernden Army-Cowboys.
Keine historische Abbildung
Action-Regisseur David Ayer («Street Kings») legt den Fokus auf die Kriegsszenen. Unerbittlich lässt er die Panzergeschosse niederprasseln auf Infanteriesoldaten, unerbittlich lässt er Lebendige und Tote von Panzern überrollen und zerquetschen. Soldaten verbrennen, Zivilisten werden im Bombenhagel zerfetzt. Das Filmteam konnte beim Dreh dieser abstossenden Kriegsapokalypse aus dem Vollen schöpfen – nur selten sieht man das Endkriegsdeutschland auf der Kinoleinwand in einer so detailreichen Präzision nachgestellt.
Der historische Hintergrund zählt dennoch nicht zu den Stärken des Films – dass «Fury» im Vorspann und in Werbefilmchen als authentisch präsentiert wird, ist eher ein Störfaktor, schliesslich wirkt es in seinem pathetischen Tonfall und den Schwarz-Weiss-Figuren eher wie ein guter halbfiktionaler Comic. Der historische Anstrich ist in dem Werk bloss bröckelnde Fassade. Dass fünf US-Soldaten so kurz vor Kriegsende in Westdeutschland auf verlorenem Posten stehen gegen eine Übermacht von 300 bestens ausgerüsteten Nazi-Schergen der Waffen-SS, passt in einen modernen Western-Plot, nicht aber in die Geschichtsbücher. Eine latente Vergewaltigung wandelt sich ruckzuck in eine zarte Liebesromanze – diese Darstellung dürfte nicht nur bei Historikern Sorgenfalten hervorrufen.
Entfesselte Wut
Die besten Momente entwickeln die Filmemacher dann, wenn die Kanonen schweigen. In sehr scharfem Kontrast zum tosenden Schlachtlärm herrscht in den Kampfpausen dazwischen eine geradezu gespenstische Stille.
Panzerkommandant Collier (Pitt) dringt mit seiner Truppe in eine Wohnung ein, wo ihnen Essen serviert wird. Nur mühsam hält er seine Truppe davor ab, den ängstlichen Zivilisten Gewalt anzutun. Das Schweigen während des Essens und die abgestumpften Blicke der physisch noch unversehrten, psychisch längst verkrüppelten Frontsoldaten sind eindringlich in Szene gesetzt. «Fury» heisst übersetzt Wut oder Rage. Es geht um Wut auf den Gegner, aber auch Wut auf sich selbst – um entfesselte Wut, mit der die Welt aus den Fugen gehoben wird.
«The Fury» kommt am 1. Januar 2015 in die Deutschschweizer Kinos.
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