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Unruhige Beine stören den nächtlichen Schlaf

Wenn man es sich abends ins Bett kuschelt, entspannt sich der Körper in der Regel. Bei rund zehn Prozent der Bevölkerung ist das aber anders: Sobald sie sich ausruhen, bekommen sie Gefühlsstörungen in den Beinen und spüren einen unnatürlichen Bewegungsdrang.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

«Das Beschwerdebild, unter dem die Betroffenen leiden, nennt man in der Fachsprache Restless Legs-Syndrom, was so viel wie Syndrom der unruhigen Beine heisst», erklärt Lilo Habersack. Die Frau leidet selbst unter der Erkrankung, kurz RLS genannt.

Linderung durch Bewegung

RLS sei ein relativ häufiges Krankheitsbild, das bereits vor über 300 Jahren erstmals beschrieben wurde, erklärt Habersack. Die Symptome sind prägnant. Die Betroffenen leiden unter Missempfindungen in den Beinen und in seltenen Fällen auch in den Armen. Diese Empfindungen sind neurologischer Art, treten stets in körperlicher Ruhe und vor allem in den Abend- und Nachtstunden auf. «Meist ist von einem Unruhegefühl die Rede, wobei einige es als Kribbeln oder Zucken empfinden, während andere etwa von Ziehen, Jucken oder Brennen sprechen», erklärt Habersack. Bewegungsdrang gehört auch zu den Symptomen, denn die Beschwerden lassen sich durch Bewegung lindern.

Daneben seien bei Betroffenen oft Beinbewegungen in regelmässigen Abständen zu beobachten, erklärt Schlafmediziner Werner Cassel. «Das sind unwillkürliche Zuckungen, die alle 20 bis 40 Sekunden auftreten. Da das vorwiegend im Schlaf passiert, wissen die Betroffenen oft nichts davon.» Jede Zuckung führt aber zu einer unwillkürlichen Weckreaktion (Arousal), die den Schlaf stört.

Gefährliche Schlafstörungen

Anfangs fallen die Symptome tendenziell leicht aus und treten in Schüben auf. Im Grossteil der Fälle nehmen die Beschwerden dann im Laufe der Zeit an Intensität zu, erklärt der Neurologe Wolfgang Oertel. Das bedeutet nicht nur einen hohen Leidensdruck, sondern kann in der Folge durchaus auch gefährlich werden. Denn die unruhigen Beine verursachen oft starke Schlafstörungen. «Bei Schlafmangel kann der Organismus sich nicht ausreichend regenerieren, was zum Beispiel zu Depressionen führen und das Immunsystem schwächen kann», sagt Cassel.

Richtige Anlaufstelle beim Verdacht auf RLS ist ein Neurologe oder Schlafmediziner. Nach aktuellem Forschungsstand entsteht RLS durch eine Störung in der Übertragung gewisser Botenstoffe – insbesondere des sogenannten Dopamins – in Gehirn und Rückenmark. «Diese kann genetisch bedingt sein oder durch Faktoren wie einen Eisenmangel, Nierenfunktionsstörungen oder Medikamente wie Antidepressiva ausgelöst werden», erklärt Neurologin Claudia Trenkwalder.

Wenn eine externe Ursache vorliegt, die unruhigen Beine zum Beispiel durch Medikamente ausgelöst wurden, verschwindet RLS wieder, sobald man den Faktor ausschaltet. Wo das nicht so ist, kann man nur symptomatisch behandeln. Möglich ist das etwa durch äussere Anwendungen wie Massagen oder kalte Fussbäder und bestimmte Bewegungsübungen. Manchmal müssen Betroffene auch eine Medikamententherapie erwägen.

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