Tuchamid kehrt für kurze Zeit zu ihren Wurzeln zurück
Bestimmt haben viele sie in guter Erinnerung behalten: die Galerie Tuchamid in Klosters. Unmittelbar nach der Schliessung der Galerie 2012 hat Annalies Walter ein neues Galeriekonzept gewählt: «Tuchamid unterwegs».
Bestimmt haben viele sie in guter Erinnerung behalten: die Galerie Tuchamid in Klosters. Unmittelbar nach der Schliessung der Galerie 2012 hat Annalies Walter ein neues Galeriekonzept gewählt: «Tuchamid unterwegs».
Von Andrin Schütz
Klosters. – Galeriebetriebe haben heutzutage wider einen starken Gegenwind anzustehn: Der Verkauf über das Internet und direkt aus dem Atelier des Künstlers, die Wirtschaftskrise, die einfache Reproduzierbarkeit von Kunstwerken zu Dekora- tionszwecken, die Transparenz der Auktionspreise und vieles mehr haben eine erschwerte Situation für den klassischen Kunsthandel geschaffen.
Die leidenschaftliche Kunstliebhaberin, Sammlerin und Galeristin Annalies Walter will sich davon aber keineswegs entmutigen lassen und hat ein neues, zeitgemässes Galeriemodell gewählt: Anstelle der kapitalintensiven Betreuung eines fixen Standortes geht sie mit der Galerie Tuchamid auf Reisen. Mit punktuellen künstlerischen Interventionen vornehmlich im Raum Graubünden, aber hie und da auch ausserhalb des Kantons betreibt sie das Konzept «Tuchamid» mit ungebrochenem Enthusiasmus weiter. Zwischen 2006 und 2012 bot Walter zusammen mit Michel Beyeler in der Galerie Tuchamid in Klosters in insgesamt 17 Ausstellungen dem Schweizer Kunstschaffen eine professionelle Plattform.
Szenische Inszenierungen
Nach ersten Interventionen in Zürich und Graubünden macht «Tuchamid unterwegs» derzeit einen Zwischenhalt im Kulturschuppen in Klosters. Zu sehen sind noch bis zum 20. März Werke des Thurgauer Fotografen Roland Iselin, dessen szenisch inszenierte Fotografien sich hervorragend ins Foyer des Kulturschuppens fügen, der unter anderem eine Bar, einen Kinosaal und eine Theaterbühne beherbergt.
So lassen denn die Arbeiten von Iselin sogleich den Gedanken an einen Filmstill aufkommen: Die sphärisch erleuchtete nächtliche Szenerie vor einer alten Villa etwa, vor der ein Auto steht, dem eine junge Frau entsteigt, während der Mann – worauf auch immer – zu warten scheint. Die Szene aus der Serie «What We Do When We Think About Love», die auf Grundlage der Kurzgeschichtensammlung «What We Talk About When We Talk About Love» des amerikanischen Autors Raymond Carver entstanden ist, verlangt nach der Geschichte rund um die eigentümliche Szenerie herum. Überhaupt gelingt es dem in Zürich lebenden, 1958 geborenen Fotografen Iselin hervorragend, mit seinen narrativen Momentaufnahmen im Betrachter Assoziationen und Narrationen zu evozieren, die weit über die eigentliche Darstellung hinausgehen.
Intim und dennoch fremd
Poetisch und intim präsentiert sich eine Aufnahme aus der Serie «Waiting». Das Bekannte lässt den Betrachter sogleich Teil der Szene werden, lässt ihn sich selbst in der Situation des Wartens, des Hoffens und des Bangens wiederfinden.
Trotzdem aber: Irgendetwas bleibt fremd und unzugänglich, wenn man den Arbeiten von Iselin gegenübersteht. Die eigentümliche Schwebe von Teilnahme und Distanz, von fremder und eigener Geschichte gelingt hervorragend. So auch in einer Fotografie aus der Serie «In Our Times» aus dem Jahr 2009: Alleine, in sich gekehrt und still sitzt eine junge Frau am Fenster. Vielleicht wartet sie. Vielleicht auch wartet sie schon lange nicht mehr auf das, was noch kommen mag in diesem einsamen Raum verlorener Poesie.
«Tuchamid unterwegs». Bis 3. März. Kulturschuppen, Klosters. Die Öffnungszeiten richten sich nach den Öffnungzeiten des Kulturschuppens oder nach Vereinbarung.
Weitere Infos unter www.tuchamid.ch und www.kulturschuppen.ch.
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