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Trouvaillen von Tumasch und Benedikt Dolf

Das Vokalschaffen der Komponisten Tumasch und Benedikt Dolf schien weitgehend erschlossen – nun sind bislang unbekannte Lieder aufgetaucht.

Südostschweiz
Freitag, 21. Oktober 2011, 02:00 Uhr

Von Carsten Michels

Savognin. – Auf bemerkenswerte Weise kreuzen sich die Geschichten zweier Bündner Familien: jene der Dolfs auf dem Schams und jene der Peterellis aus dem Oberhalbstein. Da die einen in erster Linie als Komponisten und die anderen vorwiegend sängerisch und chorleitend tätig waren beziehungsweise sind, war die Musik stets der Kitt zwischen den Sippen. Das musikalische Schaffen der Dolfs – beginnend mit Tumaschs frühen Liedern um 1910, endend mit den späten Kompositionen Benedikts aus den Achtzigerjahren – hat die Entwicklung der Bündner Chormusik wesentlich mitgeprägt. Die unwiderstehliche Mischung aus spätromantischem Gestus und rätoromanischem Volkston verhalf den Dolf-Liedern von Vater Tumasch und Sohn Benedikt zu solcher Beliebtheit, dass kaum ein einheimischer Chor wagt, sie zu ignorieren.

Nun aber erhält das bisher bekannte Vokalschaffen der beiden unerwartet Zuwachs – dank den Oberhalbsteiner Peterellis.

Im Archiv auf Schätze gestossen

Alice Peterelli (1909–1993), Gründerin der Singschule Savognin, bereicherte in den Vierziger- und Fünfzigerjahren mit ihrem Kinder- und Jugendchor Lodolas das lokale Musikleben. 1954 schuf die Gesangspädagogin ihren erwachsen gewordenen Schützlingen eine neue musikalische Heimat: den Chor «Las vouschs dalla Gelgia». Da vorwiegend romanisches Liedgut gesungen wurde, hielt die Chorleiterin engen Kontakt zu den einheimischen Komponisten – darunter vor allem zu Tumasch und Benedikt Dolf. Bis ins hohe Alter blieb Alice Peterelli aktiv, 1977 erhielt die damals 68-Jährige für ihr langjähriges musikalisches Wirken den Anerkennungspreis des Kantons Graubünden.

Sohn Rico Peterelli – selber Solosänger, Gesangspädagoge, Chorleiter und Komponist – stiess unlängst im Notenarchiv seiner Mutter auf eine Reihe von Liedern Benedikt Dolfs, die bislang niemals aufgeführt wurden: ein Chorliederzyklus nach Gedichten von Giatgen Uffer. Bereits vor einigen Jahren hatte Rico Peterelli in der hinterlassenen Notensammlung unveröffentlichte Sololieder aus der Feder Tumasch Dolfs gefunden. Auf einer neuen CD unter dem Titel «Nova veta» (Neues Leben) sind die Trouvaillen von Vater und Sohn nun erstmals vereint. Aufgenommen hat sie Rico Peterelli mit den «Vouschs dalla Gelgia» (deren Leiter er seit 1989 ist), dem Vokalensemble Cantarelli und nicht zuletzt seiner Tochter, der Sopranistin und Chorleiterin Alexandra Peterelli.

Am kommenden Sonntag wird die CD «Nova veta» öffentlich präsentiert – im Rahmen eines Konzerts in Savognin.

Konzert: Sonntag, 23. Oktober, 20 Uhr, reformierte Kirche, Veia Davos Tga, Savognin.

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