Toleranz ist?keine Einbahnstrasse
Zur IS und?christlichen Fundamentalisten
Zur IS und?christlichen Fundamentalisten
Die Terrororganisation «Islamischer Staat», kurz «IS» genannt, hält seit Monaten den gesamten Nahen Osten in Atem. Jeder, der sich ihr in den Weg stellt, sei es Christ, Jude oder Muslim, wird umgebracht. Der Hass richtet sich damit nicht nur gegen die sogenannt «Ungläubigen», sondern auch gegen Muslime, die ihren radikalen Vorstellungen von Islam nicht entsprechen. Unter den Opfern sind auch Frauen und Kinder.
Ende Oktober kam es in Köln zu heftigen Ausschreitungen, als eine Demonstration von «Hooligans gegen Salafisten» ausser Kontrolle geriet. Demonstranten schleuderten Flaschen und Steine auf die Polizei, die mit Pfefferspray, Wasserwerfern und Schlagstöcken reagierte. Auch in Zürich kam es am ersten November bei einer Kundgebung von Kurden gegen den Terror der IS zu tätlichen Auseinandersetzungen. Auch hier griff die Polizei schliesslich mit Gummischrot und Pfefferspray ein. Damit stehe ich persönlich vor der Entscheidung, wie ich mich gegen Ideologien, welche die Intoleranz auf ihre Fahne geschrieben haben, verhalten soll. IS, aber auch jene, die sich zu Verteidigern der europäischen Kultur aufgeschwungen haben, Hooligans und Rechtsradikale, verlangen unbedingte, kritiklose Unterwerfung. Für mich ist klar: Solche Einstellungen, welche bedingungslose Unterwerfung verlangen und damit beabsichtigen, andere Menschen zu unterdrücken und ihre Freiheit einzuschränken, verdienen keine Toleranz. Respekt vor der Sichtweise anderer ist nun einmal eine Bedingung.
Dies gilt aber auch für uns selbst. Da wir in Europa in einer multikulturellen Gesellschaft leben, müssen wir lernen mit verschiedenen Meinungen, Konfessionen und Lebensstilen umzugehen. Nur wenn ich die Vielheit von Werten und Lebenshaltungen bejahe, ist ein friedliches Zusammenleben möglich. Ich zeige Respekt vor dem anderen und seinem Recht auf Entfaltung. Diese Haltung ist in der Einsicht begründet, dass ich mir bewusst bin, nicht im Besitz der letzten Wahrheit zu sein, mich also in meiner Überzeugung irren könnte. Diese Forderung nach Toleranz richtet sich also an jeden einzelnen Bürger. Aber nicht nur das einzelne Individuum, sondern auch Gruppen, Organisationen wie Parteien und Vereine und natürlich vor allem ganze Staaten müssen abweichende Auffassungen und Lebensstile gewähren lassen. Der Staat muss mittels Gesetzen dafür sorgen, dass der Respekt gegenüber kulturellen und religiösen Minderheiten gewährleistet ist.
Wenn jedoch Einzelne und Gruppierungen wichtige Interessen und Freiheiten, zentrale Werte und Einstellungen und das Streben nach Selbstverwirklichung von Individuen und Gemeinschaften verletzen, wie sie zum Beispiel in der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte» definiert sind, stösst das Recht auf Toleranz an Grenzen. Auch Meinungen und Auffassungen, die objektiv falsch sind, wie zum Beispiel die Leugnung des Holocaust, dürfen nicht toleriert werden. Der Bau von Moscheen muss zum Beispiel hingenommen werden, wenn jedoch durch überdimensionierte Minarette ein Machtanspruch gegenüber Andersdenkenden demonstriert wird, wäre die Grenze der Toleranz überschritten. Dasselbe gilt auch für christliche Fundamentalisten, die behaupten, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Fazit: Toleranz bedeutet nicht nur das Gelten- und Gewährenlassen von anderen Meinungen, Toleranz verlangt auch, dass intoleranten Haltungen Grenzen gesetzt werden.
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