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Tierschützer wollen Einfuhrverbot von Hormonfleisch

Die Gegner von mit Hormonen behandeltem Fleisch schöpfen neue Hoffnung: Sie fordern ein Importverbot, wie es die EU bereits seit 25 Jahren kennt.

Südostschweiz
31.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Sebastian Gänger (sda)

Bern. – Die Schweizer Tierschützer lassen nicht locker: Zum wiederholten Mal fordern sie vom Bund ein Importverbot für Hormonfleisch. Anlass für die wieder aufkommende Kritik am Import von Hormonfleisch gibt die Revision von vier Verordnungen zur Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten, die noch bis morgen in der Anhörung sind. Der Import von Hormonfleisch ist in einer der Verordnungen geregelt.

Bis heute ist dieser in der Schweiz erlaubt – im Gegensatz zur EU. Seit 1989 ist dort nicht nur die Hormonbehandlung in der Rindermast verboten, sondern auch die Einfuhr von hormonbehandeltem Fleisch. Die EU sieht es als erwiesen an, dass der Verzehr von Hormonfleisch gesundheitsgefährdend ist. Deshalb will sie auch in den Verhandlungen mit den USA für eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP-Abkommen) am Importverbot festhalten. Dies, obschon sie 2008 einen Rechtsstreit verloren hat und der Welthandelsorganisation (WTO) deshalb Strafzölle entrichten muss.

Import von Hormonfleisch steigt

Anders der Bund: Er verbietet zwar seit dreissig Jahren die Rindermast in der Schweiz mit Hormonen wegen «ethischer und tierschutzrechtlicher Gründe». Den Import von Hormonfleisch will er mit der Verordnungsrevision aber weiterhin erlauben – wenn auch mit einer strengeren Deklarationspflicht. In Schweizer Läden und Restaurants muss Hormonfleisch schon heute gekennzeichnet sein. Dort steht jeweils der Vermerk: «Kann mit Hormonen als Leistungsförderer erzeugt worden sein.» Neu soll zusätzlich unterschieden werden zwischen hormonellen und nichthormonellen Leistungsförderern wie Antibiotika.

Diese Regelung geht dem Schweizer Tierschutz (STS) zu wenig weit. Er kritisiert den Hormoneinsatz in der Tiermast, der vor allem in Übersee praktiziert wird, scharf: «Tiere werden zu Leistungen gezwungen, zu welchen sie auf natürliche Weise nicht fähig sind», sagt STS-Geschäftsführer Hansuli Huber. Er beantragt die Streichung des Artikels, der die Einfuhr von Hormonfleisch unter gewissen Voraussetzungen erlaubt. Der Bund unterstütze tierschutzwidrige Zustände, moniert Huber – und verweist auf offizielle Zahlen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Demnach wurden im Jahr 2013 über 1177 Tonnen Rindfleisch importiert, «das von Rindern stammt, die möglicherweise mit Wachstumshormonen behandelt worden sind». Die Einfuhren von Hormonfleisch aus den USA, Australien und Kanada haben verglichen mit dem Jahr 2011 um gut 28 Prozent zugenommen.

Trotzdem kommt für den Bund ein Importverbot weiterhin nicht infrage. Dieses würde internationale Handelsverpflichtungen der WTO verletzen, heisst es in verschiedenen Antworten des Bundesrats auf parlamentarische Vorstösse in den vergangenen Jahren. Dieses Argument wurde auch von der Parlamentsmehrheit verschiedentlich genannt, wenn die Forderung zur Diskussion stand. Die Konsumenten hätten dank der Deklarationspflicht die Wahl, ob sie Hormonfleisch kaufen wollen oder nicht, lautete der Tenor der Gegner eines Verbots.

«Nicht mit gleichen Ellen gemessen»

Trotzdem schöpfen die Tierschützer Hoffnung, dass es nun doch klappen könnte. «Die Gelegenheit ist günstig», sagt Huber. Wegen der laufenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA stehe das Thema wieder auf der Tagesordnung. Und der STS kann auf breitere Unterstützung zählen als auch schon: «Die Stiftung für Konsumentenschutz, Grüne, Grünliberale und die SP teilen unser Anliegen», sagt Huber. Auch Teile der SVP und CVP hegten Sympathien. Die Vereinigung für Schweizer Qualitätsrindfleisch (Swiss Beef) ist ebenfalls für ein Importverbot, wie Präsident Urs Meier sagt. «In der Schweiz und im Ausland wird nicht mit gleichen Ellen gemessen.» Dies verzerre den Wettbewerb.

Martin Rufer, Produktionsleiter im Schweizer Bauernverband (SBV), bestätigt auf Anfrage, dass auch die Schweizer Landwirte die Idee prüfenswert fänden: «Wir können nicht nachvollziehen, dass die Schweiz als einziger Staat im EU-Raum Hormonfleisch zulässt.» Gleichzeitig glaubt Rufer, dass ein Importverbot weiterhin nicht mehrheitsfähig sei. Die drohenden Vergeltungsmassnahmen der WTO wiegten zu stark. «Wir müssen alles daran setzen, dass mindestens die korrekte Deklaration von Hormonfleisch durchgesetzt wird.»

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