Tempolimiten haben Sicherheit erhöht
Vor 30 Jahren wurden in der Schweiz die noch heute gültigen Tempolimiten eingeführt: 120 Kilometer pro Stunde auf den Autobahnen und 80 ausserorts.
Vor 30 Jahren wurden in der Schweiz die noch heute gültigen Tempolimiten eingeführt: 120 Kilometer pro Stunde auf den Autobahnen und 80 ausserorts.
Von Catherine Cattin (sda)
Bern. – In den Achtzigerjahren ging in Europa die Angst vor dem Waldsterben um. Als Hauptursachen wurden der saure Regen und die Belastung durch Luftschadstoffe identifiziert. Das Waldsterben sollte sich dann in der Schweiz aber weit weniger stark manifestieren als befürchtet. Doch die Debatte bewog den Bundesrat dazu, die Tempolimiten im Strassenverkehr im Jahr 1985 zu senken: Von 130 auf 120 km/h auf Autobahnen und von 100 auf 80 km/h ausserorts. Der Bundesrat sprach damals von einer provisorischen Massnahme.
Die Regierung stiess mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen bei einem Teil der Bevölkerung auf Widerstand. Ein Komitee um den Basler Automobiljournalisten Bernhard Böni lancierte die Initiative «pro Tempo 130/100», die die Rückkehr zu den alten Höchstgeschwindigkeiten forderte.
«Eine Möglichkeit zum Protest»
Das 1985 eingereichte Volksbegehren wurde zwar vier Jahre später mit 62 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Doch: «Die Initiative war ein grosser Erfolg», erinnert sich Rudolf Zumbühl, der beim Touring-Club der Schweiz (TCS) in der Geschäftsleitung sitzt und damals bereits für den Autoverband arbeitete. «Es war eine Möglichkeit zum Protest. Die Leute hatten das Gefühl, dass ihr Auto für alles Schlechte verantwortlich gemacht werde. Ausserdem wurde die Debatte über das Waldsterben sehr emotional geführt. Jene, die die These in Frage stellten, wurden beinahe gekreuzigt», sagt Zumbühl heute rückblickend.
Der TCS habe damals anfänglich weder die Initiative unterstützt noch sich an der Unterschriftensammlung beteiligt. Schliesslich setzte sich die Organisation dann aber im Abstimmungskampf für das Volksbegehren ein – dies, nachdem der Bundesrat entschieden hatte, auf den Autobahnen definitiv eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h einzuführen.
Effekt schwer messbar
«Bei der Einführung des Gesetzes dachte man nicht an die Sicherheit. Im Rückblick erweist sich die Reduktion der Tempolimiten aber als positive Massnahme», sagt Guido Bielmann vom Bundesamt für Strassen. Der tatsächliche Effekt der Massnahme lasse sich aber nur schwer messen, gibt Zumbühl zu bedenken: «Zur Geschwindigkeitsbeschränkung gesellten sich noch weitere Verbesserungen wie Airbags oder die Beseitigung von Hindernissen am Strassenrand.» Bei der Luftverschmutzung habe insbesondere die flächendeckene Einführung von Katalysatoren zu einem Rückgang der Schadstoffemissionen geführt.
Das von einer Privatperson lancierte Volksbegehren zur Anhebung der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen auf 140 km/h lehnen Zumbühl und Bielmann ab. «Das hätte mehr Staus und weniger Sicherheit zur Folge», sagt Bielmann. Und Zumbühl ergänzt: «Es gibt derzeit andere Probleme: Etwa die Überlastung der Strassen und der dadurch reduzierte Verkehrsfluss.»
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.