«Tell»-Schliessung: Wirte geben Rauchverbot eine Mitschuld
Der «Tell» ist der letzte verbliebene Gasthof, der in Riedern Ende 2014 seine Türen geschlossen hat. Das Wirtepaar gibt das Rauchverbot als eine der Ursachen an.
Der «Tell» ist der letzte verbliebene Gasthof, der in Riedern Ende 2014 seine Türen geschlossen hat. Das Wirtepaar gibt das Rauchverbot als eine der Ursachen an.
Von Delia Landolt
Riedern. – Seit knapp vier Jahren kämpft das Gasthaus «Tell» in Riedern um seine Existenz. Seit Ende Dezember ist nun definitiv Schluss – das beschloss die Familie Heer bereits im Herbst zuvor. Betreiberin Susy Heer trat schon vor rund einem Jahr eine 100-Prozent-Anstellung in einem anderen Betrieb an. Nur wenn sie dort frei hatte, arbeitete die 44-Jährige noch im eigenen Restaurant. Als ihr Mann Peter nach langer Suche eine Festanstellung als Koch fand, stand der Zeitpunkt für die Schliessung definitiv fest. Es ist der letzte Gasthof, den Riedern verabschiedet. Denn bereits seit Anfang Dezember empfängt auch der «Staldengarten» keine Gäste mehr.
Vereine wollen rauchen
«Den grössten Knick hat uns das Rauchverbot im Jahr 2010 gegeben. Seither haben wir zwei neue Gäste gewonnen, dafür aber viele andere verloren», erzählt Susy Heer. «Vor allem Vereine wie die Guggenmusik und der Schützenverein gehen in die kleineren Lokale, wo man noch rauchen darf.» Der «Tell» hätte vor dem Rauchverbot mit abgetrennten Räumen eigentlich eine gute Lösung gehabt, findet das Wirtepaar.
Dazu komme das Konsumverhalten der Gäste, das sich im Laufe der Zeit verändert habe. Abendessen mit der Familie «à la carte» seien nicht mehr gross gefragt, so Susy Heer.
Pizza statt Kutteln und Kalbsleber
So wurden die Znüni- und Mittagsangebote zur Haupteinnahmequelle im «Tell». «Gab es in Riedern Baustellen, so hatten wir mehr Kunden», erzählt Susy Heer. Da aber die Mittagsangebote günstig sein sollen, verdiente die Familie Heer auch daran nicht viel. «Früher ging man noch ins Dorfrestaurant, um herauszufinden, was läuft», so Susy Heer. Mit den vielen Smartphones sei das heute nicht mehr nötig. «In den ersten Jahren sassen an zwei bis drei Tischen Stammgäste, später sei es noch ein Tisch gewesen». Die einen sind weggestorben, die anderen gingen ins Altersheim. Junge kommen keine nach. Der Pizzalieferservice sei heute beliebter als Kutteln und Kalbsleber im Dorfrestaurant.
«Geselligkeit werde ich vermissen»
Der Zeitpunkt für die Schliessung habe ganz gut gepasst. Denn etliche Maschinen im Küchen- und Buffetbereich müssten ersetzt werden.
15 Jahre führt die Familie den «Tell» in Riedern. Lange war die Motivation vorhanden. Immer wieder haben sie versucht, das Restaurant am Leben zu halten.
Die Geselligkeit wird Susy Heer vermissen – und auch die Stammgäste seien ihr sehr ans Herz gewachsen. Das frühere Gasthaus wird von der Familie nun vorerst als Wohnhaus genutzt. Ein gutes Angebot für das Gasthaus würde die Familie Heer aber nicht ausschlagen.
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