Team Canada: Dauerbrenner auf dem Weg zum Problemfall?
Seit 30 Jahren ist das Team Canada Dauerbrenner und Markenzeichen des Spengler Cups. Was lange ein Selbstläufer war, wird nun zum Problem: Ein kanadisches Team aus NLA-Spielern zusammenzustellen, ist nicht mehr möglich.
Seit 30 Jahren ist das Team Canada Dauerbrenner und Markenzeichen des Spengler Cups. Was lange ein Selbstläufer war, wird nun zum Problem: Ein kanadisches Team aus NLA-Spielern zusammenzustellen, ist nicht mehr möglich.
Von Kristian Kapp
Eishockey. – Ist ein Spengler Cup ohne das Team Canada überhaupt noch vorstellbar? Für die Fans der NLA-Klubs ausserhalb Davos, die seit Jahren ins Landwassertal pilgern, um «ihre» Kanadier in den Landesfarben anzufeuern, nicht. Und auch für Fredi Pargätzi nicht: «Das Team Canada ist eine ‘Benchmark’, ein Fixpunkt des Turniers», sagt der Spengler-Cup-Boss. 1984 gab die kanadische Auswahl ihr Turnierdebüt, zwölf Mal holte sie den Pokal, nur Gastgeber Davos ist mit 15 Titeln noch erfolgreicher.
Das Team Canada ist auch der Grund, warum das Schweizer Traditionsturnier auch im Mutterland des Eishockeys zumindest eine gewisse Beachtung erhält. TSN und seine Partnerstationen übertragen dieses Jahr sogar erstmals alle Spengler-Cup-Partien live, nicht mehr nur jene der Kanadier. Damit wird dem Eishockey-verrückten kanadischen Publikum in der Altjahreswoche am TV «Hockey total» geboten: Spengler Cup, U20-WM, NHL.
Die Sorgen Pargätzis …
Kein Wunder, steht das Team Canada zuoberst auf der Prioritätenliste der Spengler-Cup-Macher, praktisch jeder erdenkliche Sonderwunsch der Nordamerikaner wird in Davos erfüllt. Umso mehr steigt die Besorgnis auch bei Pargätzi, wenn er sieht, wie es immer schwieriger wird, ein würdiges Team Canada am Turnier präsentieren zu können. «Die immer kleinere Anzahl Kanadier in der NLA bereitet uns Sorgen», sagt der OK-Präsident. Dass in der NLA in dieser Saison eine stattliche Anzahl Schweden und Finnen die Liga bevölkern, hat damit auch einen Einfluss auf den Spengler Cup.
Was Pargätzi und andere Offizielle natürlich nicht sagen, aber ebenfalls erwähnt werden muss: Die Anzahl ist das eine, die Qualität das andere. Nicht wenige der nun am Spengler Cup im kanadischen Kader figurierenden Spieler gehören zu den «Sorgenkindern» ihrer NLA-Klubs. Zudem ist das Team Canada Ausgabe 2014 NLA-fremd wie seit Jahren nicht mehr: Die sechs in der zweitklassigen AHL sowie fünf anderen europäischen Ligen beschäfigten Spieler dürften dem gemeinen Spengler-Cup-Zuschauer nur teilweise, wenn überhaupt, bekannt sein. Es ist für das Team Canada mittlerweile kein Selbstläufer mehr, als Zuschauermagnet verkauft werden zu können.
… und Tambellinis
Steve Tambellini, bei Hockey Canada seit diesem Jahr für Kaderzusammenstellungen zuständig, sah sich vor seinem ersten Spengler Cup mit diversen Problemen konfrontiert. «Mit Genf und Zagreb haben wir zwei Turnierteilnehmenr, die zusammen über 20 Kanadier im Team haben. Also war die Auswahl für uns schon von Anfang an kleiner.» Zu wenige Kanadier in der NLA ist das eine. Spieler, die gar nicht an den Spengler Cup wollen, das andere. «Es gibt verletzte Spieler, Spieler mit Familienangelegenheiten. Und dann gibt es Teams, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie ihre Spieler wirklich für eine Teilnahme ermutigen…», sagt Tambellini. Die Zusammenarbeit mit den meisten NLA-Klubs sei hervorragend. «Es gib vielleicht zwei Teams, die nicht so happy sind, wenn ihre Spieler für den Spengler Cup aufgeboten werden.»
Auffallend bei der Ausgabe 2014 ist das Fernbleiben der Kanadier der ZSC Lions und des EV Zug. In beiden Klubs wird indes beteuert, nicht auf Konfrontationskurs mit dem Turnier zu sein. «Josh Holden und Pierre-Marc Bouchard haben aus freien Stücken verzichtet», sagt EVZ-Sportchef Reto Kläy. «Grundsätzlich steht es unseren Spielern frei, selber zu entscheiden.»
Ähnlich tönt es bei Kläys Amtskollegen beim ZSC, Edgar Salis: «Wir hatten nur eine Anfrage für Derek Smith, der nun aber verletzt ist. Ryan Keller und vor allem Marc-André Bergeron wollten selber nicht.»
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