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«Talent ist auch eine Form des Glücks»

Dass Maximilian Janisch hochbegabt ist, wussten seine Eltern auch ohne IQ-Test. Der Neunjährige hat die Mathe-Matura am Gymnasium Immensee mit Bravour geschafft. Nun wünscht er sich einen Platz an der ETH, um Mathematik zu studieren. Doch das ist nicht so einfach.

Südostschweiz
26.06.13 - 02:00 Uhr

Von Edith Meyer

Immensee. – Das ist die Geschichte von Maximilian Janisch. Er hat bereits im Kindergarten gerne mit Zahlen jongliert. Der Junge aus Meierskappel brilliert darauf in der Primarschule als Rechenkünstler. Maximilian ist ein hochbegabtes Kind, das seinen Mitschülern in nahezu allen Fächern voraus ist.

Nur drei Jahre Primarschule

Heute besucht er die erste Klasse des Gymnasiums Immensee, die Primarschule absolvierte er in nur drei Jahren. Mit Songs von Justin Bieber hat Maximilian nichts am Hut: «Zum Einschlafen höre ich oft die ‹kleine Nachtmusik› von Mozart.» Der jüngste Gymischüler interessiert sich für Kosmologie und die Turing-Maschine, trommelt bei den Küssnachter Tambouren und betreibt Judo in Cham.

Und wie sieht es mit Lesestoff aus? «Meine Buchempfehlung ist ‹Gregs Tagebücher› von Jeff Kinney», sagt er in perfektem Hochdeutsch. Mitte Juni hat der Neunjährige die Mathematik-Maturaprüfungen mit Bestnoten bestanden. Im mündlichen Test gab es die Note 6, im schriftlichen eine 5,5. Sein erklärtes Ziel: «Ich wünsche mir, dass ich parallel zum Gymi Mathematikvorlesungen an der ETH in Zürich besuchen darf.» Diesen Wunsch unterstützen seine Eltern und Rektor Aldo Magno. Sein aussergewöhnliches Mathetalent wird übrigens von seinem Vater gefördert. Thomas Drisch war Mathematik-Professor an deutschen Universitäten und Direktor beim Schweizerischen Rückversicherer Swiss Re. Heute ist der 67-Jährige pensioniert. Für ihn ist die Förderung seines Sohnes nicht nur eine Herzensangelegenheit. Er kämpft dafür, dass Hochbegabte besser gefördert werden, und möchte die Altersdiskriminierung an den Universitäten infrage stellen.

Gegen Altersdiskriminierung

«Nachdem Frauen und Schwarze um das Recht gekämpft haben, studieren zu dürfen, wird es nun Zeit, dass Hochbegabte einen vorzeitigen Studienbeginn erhalten», betont Drisch. Heute Mittwoch hat Maximilian mit seinen Eltern ein Gespräch an der ETH Zürich. Es geht darum, dass er an der ETH die Prüfungen mitschreiben und gleichzeitig am Gymi die reguläre Matura abschliessen könnte. Die ganze Familie hofft nun, dass es Maximilian nicht aus Altersgründen verwehrt wird, sein Talent unter Beweis zu stellen. Doch da stellt sich eine Hürde: Wer an die ETH will, muss eine eidgenössisch anerkannte Matura mitbringen. Eine Maturaprüfung, die nur in einem Fach abgelegt wird, ist für eine Zulassung nicht ausreichend, und ein Gaststudent darf nicht an Prüfungen teilnehmen. Trotzdem lässt sich Maximilians Vater nicht beirren: «Falls die ETH doch einen Besuch erlaubt, wollen wir, dass unser Sohn wie ein echter Student behandelt wird und an den Prüfungen mit denselben Rechten und Pflichten teilnehmen kann.» Im September beginnt das neue Semester an der ETH. Maximilian sagt von sich selber, dass er sich schnell in Mathematik unterfordert und gelangweilt fühlt. Für ihn gibt der normale Schulunterricht in Mathematik zu wenig her. Es würde ihn auch nicht stören, dass die meisten seiner Kommilitonen doppelt so alt wie er wären. Auf die Frage, ob Maximilian Freunde am Gymi gefunden hat, antwortet er: «Ich habe keine Feinde und bin gut integriert. Einen besten Freund habe ich noch nicht gefunden. Wahrscheinlich, weil ich der Jüngste bin.» Maximilian lacht verschmitzt und erzählt, dass ihn schon Drittklässler um Matheunterstützung gebeten haben. «Ich weiss natürlich nicht, ob sie es ernst meinen.»

Chancengleichheit für Überflieger

Tatsache ist, dass der neunjährige Maximilian einen Hawik-IQ-Testwert von 149 hat. Als hochbegabt wird ein Kind dann bezeichnet, wenn es einen Intelligenzquotienten (IQ) von 130 und mehr erreicht, bei über 145 handelt es sich um eine Höchstbegabung.

Will gefördert werden

Das ist also die Geschichte eines Kindes, das wie ein Erwachsener spricht, dem regulären Mathe-Unterricht weit voraus ist und gefördert werden will. Maximilian Janisch ist überzeugt, dass er sein Talent mit der Mathe-Maturaarbeit zeigen konnte, und sagt dazu: «Das soll nicht aufgeblasen klingen. Glück muss der Mensch haben. Talent ist auch eine Form des Glücks.»

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