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Tagesklinik in Glarus deckt Bedarf für psychisch Kranke

Die Tagesklinik Psychiatrie am Kantonsspital Glarus ist von Anfang an ausgelastet. Der Kanton Glarus hat nun den Vertrag mit den Psychiatrischen Diensten Graubünden besiegelt und damit die Betreuung von psychisch Kranken verbessert.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Fridolin Rast

Glarus. – Der Trend zeigt massiv nach oben. 2013 sind für den Kanton Glarus in der stationären Psychiatrie 516 Fälle gezählt worden, 29 Prozent mehr als 2012. Damals waren es 401 und 2010 sogar erst rund 300 Fälle, wie der Regierungsrat im jüngsten Bulletin schreibt. Für Patienten, die nach der Stationärklinik weitere Betreuung brauchen, bezahlte der Kanton Glarus während vier Jahren in einem Pilotversuch für ambulante Behandlungen in psychiatrischen Tageskliniken in Uznach und in Chur. Sie seien aber für viele schwer erreichbar.

Bedarf ausgewiesen

«Die Zunahme in der Statistik spricht für sich», sagt dazu Daniela de la Cruz, Leiterin Gesundheit beim zuständigen Departement. Ohne dieses Angebot blieben Patienten oft in der stationären Behandlung, weil sie (noch) nicht ohne Betreuung wieder heim könnten.

Seit Oktober können nun psychisch Kranke in der psychiatrischen Tagesklinik nach einem stationären Aufenthalt weiter betreut werden. Acht Plätze werden aktuell angeboten, und der Regierungsrat hat die Leistungsvereinbarung zwischen Kanton Glarus und den Psychiatrischen Diensten Graubünden genehmigt und rückwirkend in Kraft gesetzt.

Dabei geht es laut de la Cruz jeweils um lange Behandlungs-Sequenzen von zwei bis drei Monaten. Ob am Kantonsspital noch mehr Plätze aufgebaut werden müssten, werde die Erfahrung zeigen.

Kanton zahlt mehr als die Hälfte

Der Kanton beteiligt sich laut Bulletin mit 55 Prozent an den Kosten dieses teilstationären Angebots, und der Regierungsrat rechnet dafür mit maximal 390 000 Franken pro Jahr.

Nur 45 Prozent zahlen also die Krankenkassen, wobei man mit den beiden grossen Verbänden Tarifsuisse und HSK-Gruppe Tarife vereinbart habe. Obwohl es um Ambulant-Kosten geht, akzeptierten dies bisher die meisten Kantone, erklärt de la Cruz. Denn die Kassen argumentierten, ein Teil der Leistungen – etwa soziale Betreuung oder die Sorge um Strukturen daheim – seien nicht krankenkassenpflichtig. «Und es geht dem Kanton darum, diese Leistungen zu sichern.»

Komplizierter und stressiger

«Wir haben uns die Förderung der psychischen Versorgung und die dafür nötige Stärkung der ambulanten Gesundheitsversorgung auf die Fahne geschrieben», so de la Cruz. Mit gutem Grund, haben doch neben den Fallzahlen auch die Pflegetage massiv zugenommen. Als Gründe für den steigenden Bedarf an teilstationären und ambulanten Leistungen nennt das Bulletin:

• den Trend zu kürzeren Aufenthalten in der stationären Psychiatrie;

• mehr psychische Störungen in komplexen Familienstrukturen und einem stärkeren beruflichen Spannungsfeld respektive einen erschwerten Umgang mit diesen Faktoren in der heutigen Gesellschaft.

Die Tagesklinik bietet nun geeignete Nachsorge: die nötige Pflege, Tages- oder Nachtstruktur und Therapie, damit die Patienten in den familiären und beruflichen Alltag zurückfinden.

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