Stell Dir vor, Ski fahren ist gratis – und keiner geht hin
Die Forderung nach staatlichen Massnahmen zur Förderung des Schneesports bei der Jugend ist verständlich. Auf der Lenzerheide etwa können Schülerinnen und Schüler gratis Ski fahren – tun es aber nicht.
Die Forderung nach staatlichen Massnahmen zur Förderung des Schneesports bei der Jugend ist verständlich. Auf der Lenzerheide etwa können Schülerinnen und Schüler gratis Ski fahren – tun es aber nicht.
Von Olivier Berger
Chur/Bern. – Marcel Friberg hat das Rad nicht neu erfunden. Seine Forderung nach obligatorischen Schneesportlagern für alle Bündner Kinder (Ausgabe von gestern) erntete zwar Applaus; neu ist sie aber nicht. Seit Jahren bemühen sich Tourismusregionen, Bergbahnen und Politik, der Jugend das Sportvergnügen im Schnee wieder näherzubringen. Gemündet haben die Anstrengungen unter anderem in die Gründung des Vereins Schneesportinitiative Schweiz im vergangenen Sommer.
Nicht einmal gratis auf die Piste
Ein Ski- und Snowboardobligatorium für Schülerinnen und Schüler ist zwar politisch kaum machbar (siehe Frontseite), würde aus touristischer Sicht aber durchaus Sinn machen. Allein mit preislichen Anreizen sind die Jungen kaum noch für den Schneesport zu begeistern. Das zeigt das Beispiel Lenzerheide: Gemeinde und Bergbahnen bieten dort allen Kindern bis zwölf Jahren ein Saisonabonnement an – gratis. «Bis November hatten 25 Prozent aller potenzieller Bezügerinnen und Bezüger ein solches Abo bestellt», erklärte der Heidner Tourismusdirektor Bruno Fläcklin gestern auf Anfrage der «Südostschweiz». «Anfang Saison waren es vielleicht 35 Prozent.»
Umgekehrt bedeutet das: Zwei Drittel der Heidner Kinder wollen selbst dann nicht auf die Piste, wenn sie das gratis tun könnten. Tourismusdirektor Fläcklin kann sich denn auch für die Forderung nach einem Obligatorium erwärmen, wie er betonte. Bis es allenfalls so weit ist, versuchen die Destinationen mit anderen Mitteln, Schulkinder aus dem Kanton und von ausserhalb in ihre jeweiligen Regionen zu locken. Lenzerheide Tourismus etwa bietet Pauschalangebote an – selbst die Anreise wird organisiert. «Das kommt gut an», sagte Fläcklin.
Sein Aroser Amtskollege Pascal Jenny erhofft sich viel von der Arbeit des Vereins Schneesportinitiative. Dieser habe auch das in Arosa lancierte Projekt «Schwups» übernommen, sagte er – auch mit diesem sollten Kinder und Jugendliche vermehrt wieder auf die Pisten gelockt werden. Fribergs Forderung sei übrigens zum richtigen Zeitpunkt gekommen, so Jenny. «Die Frage ist jetzt halt, was man daraus macht.»
Friberg will dranbleiben
Friberg selber will das Thema nach dem Neujahrsempfang von Graubünden Ferien nicht auf sich beruhen lassen, wie er gestern versicherte. «Ich kann ja nicht so etwas fordern und dann einfach nichts mehr tun.» Es hätten sich bereits Personen gemeldet, die seine Bestrebungen unterstützen möchten. «Ich werde auf jeden Fall an dem Thema dranbleiben und allenfalls auch die Politik dafür sensibilisieren.» Hoffen kann Friberg auch auf den Bund: Im Dezember hat der Ständerat eine Motion des Freiburger Nationalrats Dominique de Buman zurück an die zuständige Kommission geschickt – der Nationalrat hatte den Vorstoss für obligatorische Skilager zuvor aber überwiesen.
Ganz so düster, wie sie scheint, ist die Lage an der Lagerfront aber nicht, wie der Bündner Erziehungsdirektor Martin Jäger auf Anfrage betonte. Vor allem Schneesporttage der Kindergärten seien in letzter Zeit stark zunehmend, sagte Jäger.
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