Steinbock: 100 Jahre Wiederansiedlung
Am 8. Mai 1911 sind im Weisstannental die ersten Steinböcke wieder angesiedelt worden. Heute leben in den Schweizer Alpen rund 14 000 Steinböcke. Das ist drei St.
Am 8. Mai 1911 sind im Weisstannental die ersten Steinböcke wieder angesiedelt worden. Heute leben in den Schweizer Alpen rund 14 000 Steinböcke. Das ist drei St.
Gallern zu verdanken, die am 6. Juni 1906 drei Kitze aus dem Aostatal nach St. Gallen schmuggelten.
Das waren der Arzt Albert Girtanner (1839–1907), der Hotelier Robert Mäder (1847–1936) und der Konservator Emil Bächler (1868–1950). Mäder war der Mäzen. Er finanzierte den Kauf dreier Kitze. Die Männer bezahlten einem Wilderer 800 Franken pro Tier. Das entspräche heute etwa dem Preis eines Mittelklassewagens.
Im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen wurden die Kitze von Hand aufgezogen. Später kamen auf diesem illegalen Weg weitere Steinböcke hinzu. Der Bundesrat deckte die Aktion, ja finanzierte später auch den Kauf der Tiere, die im privaten Jagdgebiet des italienischen Königs am Gran Paradiso im Aostatal gelebt hatten.
Dort lebte die einzige Steinbock-Population, die sich in den Alpen hatte halten können. In den Zentral- und Ostalpen war der Steinbock ansonsten schon im 16. und 17. Jahrhundert ausgerottet worden, in den Westalpen im 19. Jahrhundert. Zum Steinbock-Schmuggel kam es, weil der italienische König partout keine Tiere exportieren wollte.
Der Steinbock wurde früher gejagt wegen seines Fleisches, seines Felles und seiner Hörner, aber auch im Glauben, verschiedene seiner Körperteile besässen heilende oder mythische Kräfte. Gemahlenes Horn des Steinbocks galt früher als Potenzmittel; Steinbockhorn-Pulver war sozusagen das Viagra des Mittelalters.
Im Wildpark Peter und Paul wuchs eine Herde heran. Sodass am 8. Mai 1911 im Jagdbanngebiet Graue Hörner ganz hinten im Weisstannental drei Weibchen und zwei Böcke in die Freiheit entlassen werden konnten. Sämtliche rund 14 000 in der Schweiz lebenden Steinböcke stammen von dem aus dem Aostatal geschmuggelten Steinwild ab.
Die genetische Basis des Steinwilds im gesamten Alpenraum ist sehr schmal; die Tiere sind wegen der Inzucht anfällig auf vielerlei Krankheiten. Darum machen Ansiedlungen auch heutzutage noch Sinn, vor allem zur Blutauffrischung der Alpensteinbock-Population.
Am kommenden Sonntag, auf den Tag genau 100 Jahre nach der ersten Wiederansiedlung, werden im Weisstannental bei einem Festakt im Beisein des St. Galler Regierungspräsidenten erneut Steinböcke ausgesetzt. Das Naturmuseum St. Gallen erinnert mit einer spannenden Sonderausstellung an die Steinbock-Wiederansiedlung. Sie trägt den Titel «Der Steinbock – ein wunderlich, verwegenes Thier» und dauert vom 7. Mai bis zum 16. Oktober. Daniel Wirth
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