Stefan Kraft: «Simon Ammann ist ein Vorbild für mich»
Der 21-jährige Skispringer Stefan Kraft steht kurz vor dem Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Es wäre der siebte in Serie für Österreich.
Der 21-jährige Skispringer Stefan Kraft steht kurz vor dem Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Es wäre der siebte in Serie für Österreich.
Von Simon Steiner
Skispringen. – Als Kind träumte Stefan Kraft davon, einmal wie Simon Ammann über die Schanzen zu springen. Dies erzählte der Österreicher dem vierfachen Olympiasieger aus der Schweiz, als sie kürzlich gemeinsam im Lift zur Schanze hoch fuhren. «Oh, dann bin ich aber schon alt», antwortete Ammann mit einem Lachen. «Eigentlich war es als Kompliment gemeint», sagt Kraft und grinst seinerseits, als er die Episode erzählt.
Von grossen Sprüngen braucht Kraft nicht mehr zu träumen – sie gelingen ihm. Wenn ihm heute beim abschliessenden Springen in Bischofshofen kein grobes Missgeschick passiert, wird der 21-Jährige die Vierschanzentournee gewinnen – ein Kunststück, das Ammann bis heute nicht geschafft hat. Dennoch hält Kraft nach wie vor grosse Stücke auf den Schweizer. «Simon ist ein Vorbild für mich», sagt er. «Ich mag seinen angriffigen Sprungstil. Zudem ist beeindruckend, wie er sich oft steigern kann, wenn es um etwas geht.»
«Zwei Bomben hinunterhauen»
Kraft scheint sich bei seinem Vorbild einiges abgeschaut zu haben. Wie Ammann gehört er zu jenen Springern, die beim Absprung extrem aggressiv ans Werk gehen und viel Geschwindigkeit in die Flugphase mitnehmen. In dieser Hinsicht will er sich auch heute nicht zurückhalten, obwohl er vor der letzten Tourneestation einen Vorsprung von 23,1 Punkten auf seinen Freund und Zimmerkollegen Michael Hayböck aufweist. «Ich werde nicht taktieren, sondern versuchen, nochmals zwei Bomben hinunterzuhauen.»
Dass die Tournee praktisch in seinem Wohnzimmer zu Ende geht, motiviert den Gesamtleader zusätzlich. Kraft wohnt nur wenige Kilometer von der Schanze in Bischofshofen entfernt, von der er vor zwei Jahren schon einmal als Dritter aufs Podest sprang. «Meine ganze Verwandtschaft wird im Stadion sein», sagt Österreichs jüngster Nationalheld, der ganz normal im Teamhotel übernachtet. «Ein wenig nervös bin ich schon», gibt er zu. In Innsbruck, wo er Zweiter wurde, habe ihm dies aber geholfen.
Die Grossmutter aus der Schweiz
Mit Kraft dürfte zum zweiten Mal in Folge ein Athlet die Tournee gewinnen, der zuvor in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt war. Im Unterschied zu Thomas Diethart, der vor einem Jahr praktisch aus dem Nichts kam, hat sich Krafts Entwicklung zum Topspringer allerdings schon länger abgezeichnet. Dennoch staunt selbst der österreichische Cheftrainer Heinz Kuttin darüber, wie sein Schützling bei dieser Tournee eingeschlagen hat: «Er springt derzeit wie in Trance.» Kraft selber bezeichnet sich als «aufgedrehten Jungen», der es nie länger als 24 Stunden in der Wohnung aushalte. Wenn nicht Skispringen auf dem Programm steht, dann tobt er sich unter anderem bei Skitouren oder beim Klettern aus.
Die Nachfolge von Simon Ammann in den Reihen von Swiss-Ski wird Kraft übrigens nicht antreten, obwohl seine Grossmutter aus der Schweiz stammt. Er besitzt nur den österreichischen Pass, so dass ein Nationenwechsel nie ein Thema war.
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