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St. Moritz ist jetzt auch bei den Jugis top

Siebeneinhalb Monate und 7,3 Millionen Franken hat die Sanierung der Jugendherberge St. Moritz gekostet. Das Ergebnis ist ein attraktives Angebot im niedrigen Preissektor.

Südostschweiz
09.12.10 - 01:00 Uhr

Von Fadrina Hofmann

St. Moritz. – Die erste Jugendherberge in St. Moritz wurde 1924 eröffnet. Damals schliefen die Gäste mit kleinem Geldbeutel noch auf Strohlager. Heute können Familien, Schulklassen und Individualreisende in Zimmern übernachten, die dem Hotelkomfort in nichts nachstehen. Am 1. Dezember konnten die ersten Gäste in der sanierten Jugendherberge St. Moritz übernachten. Die am Waldrand von St. Moritz gelegene Jugi bietet neu Platz für 300 Gäste, ist behindertengerecht eingerichtet und entspricht den höchsten ökologischen Standards.

Energiestadt mit Minergie-Jugi

An einer Medienorientierung wurden gestern die Ergebnisse des Umbaus und der Erweiterung präsentiert. «Wir konnten verschiedene Massnahmen umsetzen – ökologische, soziale und ökonomische», sagte Fredi Gmür, CEO der Schweizer Jugendherbergen. Grosses Lob seitens der Gemeinde und der Tourismusdestination Engadin St. Moritz erhielt die sanierte Jugendherberge für das Umweltkonzept. Im Rahmen eines Jugendsolarprojekts von Greenpeace hatten im Sommer 24 Jugendliche aus Kenia, Polen, den USA und der Schweiz eine thermische Solaranlage auf dem Dach installiert. Die Photovoltaik-Anlage deckt einen Sechstel des Stromverbrauchs der Jugendherberge ab. Für die Heizung kommen jetzt durchwegs erneuerbare Energien zum Einsatz, nämlich Holzschnitzel. Alle Baumaterialien richten sich nach den ECO-Baurichtlinien, und der Neubau wurde im Minergie-Standard umgesetzt. «Die Jugendherberge passt zum Gesamtangebot der St. Moritzer Hotellerie und zur Energiestadt St. Moritz», meinte Ariane Ehrat, CEO von Engadin St. Moritz.

Ambiente statt «Sportkaserne»

Für Umbau und Erweiterung waren die Architekten Bosch & Heim aus Chur verantwortlich. Neu gibt es eine Holzfassade in verschiedenen Farben, einen Eingangsbereich mit Lounge-Atmosphäre und ein zusätzliches Stockwerk mit modernen Doppel- und Familienzimmern mit Bad. Die grösste Herausforderung beim Umbau war gemäss Architekt Gian-Carlo Bosch, dass Bau und Betrieb parallel laufen mussten. Von Juli bis Oktober war die Jugendherberge nämlich geöffnet. Laut Bosch war eine zentrale Zielsetzung, aus der grossen «Sportkaserne» ein Haus mit Ambiente zu machen. Entstanden ist eine Jugi mit mehr Licht, weniger Siebzigerjahre-Stil und einer neuen Raumstruktur im Foyer – um hier nur einige der Neuerungen zu nennen.

Logiernächte sollen jetzt steigen

Die Jugendherberge St. Moritz befindet sich seit 1977 am jetzigen Standort am Rande des Siedlungsgebietes. Eine eigene Bushaltestelle macht allfällige Standortnachteile jetzt aber wett. Mit der Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist die Jugendherberge für Gäste – nebst den Preisen zwischen 70 und 100 Franken pro Nacht und Halbpension – noch attraktiver. Die Schweizer Jugendherbergen jedenfalls wollen das neue Potenzial ausschöpfen. Laut Gmür sollen bereits im nächsten Jahr 60 000 statt wie bisher 40 000 Logiernächte erreicht werden. Offen ist die Jugi an 365 Tagen im Jahr.

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