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Spital: «Das Arztgeheimnis gilt»

Zug Im Blut der Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin wurden keine K.-o.-Tropfen nachgewiesen. Nun greift sie das Spital an. Dort steht aber noch eine Haaranalyse aus.

Südostschweiz
06.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Vorwürfe kk. Jolanda Spiess-Hegglin zeigt sich irritiert, über die Behandlung, die sie am 21. Dezember im Kantonsspital Zug erfuhr. In ihrer Medienmitteilung lässt sie sich wie folgt zitieren: «Ich war nach meiner Erinnerung am Sonntagmorgen um zirka 11 Uhr im Kantonsspital, wurde dann erst von einer Stelle zur nächsten und wieder nach Hause geschickt, um meine Kleider vom Vorabend holen zu gehen.» Erst viel später – gemäss Staatsanwaltschaft – seien ihr Blut und Urin abgenommen worden. Also etwa 19 Stunden nach deren möglichen Verabreichung.

Nur vage äussert sich Sonja Metzger, Leiterin Marketing des Zuger Kantonsspitals, zu diesen Vorwürfen wie auch zu weiteren Fragen: «Wir können zum konkreten Fall keine Stellung nehmen, weil das Arztgeheimnis gilt. Die einzige Person, die uns im konkreten Fall vom Arztgeheimnis entbinden könnte, ist Jolanda Spiess-Hegglin.»

Das Spital äusserst sich darum auch nicht zur Frage, ob bei der Untersuchung Anzeichen für eine Gewalttat gefunden worden sind, oder ob solche ausgeschlossen werden können. Es schweigt auch zum Ablauf der Untersuchung.

Charly Keiser

Gespannt wurde auf die Untersuchungsergebnisse der Urin- und Blutproben von Jolanda Spiess-Hegglin gewartet, die der Co-Präsidentin der Alternativen-die Grünen am 21.?Dezember im Zuger Kantonsspital abgenommen worden waren (siehe Box). Gestern nun haben die Zuger Strafverfolgungsbehörden mitgeteilt, dass im Blut und im Urin der Zuger Politikerin keine Spuren von K.-o.-Tropfen nachgewiesen werden konnten.

Sie sei von der Staatsanwaltschaft Zug über das Ergebnis informiert worden, schreibt Spiess in ihrer gestrigen Medienmitteilung und fügt an: «Ich bin darüber nicht überrascht.» Wie in den letzten Tagen und Wochen in verschiedenen Presseartikeln recherchiert worden sei, könne der Nachweis von K.-o.-Tropfen nur erbracht werden, wenn innerhalb von wenigen Stunden nach der Verabreichung ein Test gemacht werde. «Konkret ist die Rede von 6 bis 8?Stunden im Blut, 10 bis 12?Stunden im Urin.» Ihr seien die Proben aber erst am Sonntagnachmittag – gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft?– um 18.50?Uhr entnommen worden. «Mutmasslich also etwa 19 Stunden nach Verabreichung.» Unverständlich seien für sie in diesem Zusammenhang die Vorgänge im Kantonsspital Zug, schreibt Spiess weiter, gegen das sie massive Vorwürfe richtet (siehe Box).

Untersuchungen laufen

Was sich zwischen Spiess-Hegglin und dem Zuger SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann an der Zuger Landammannfeier vom 20.?Dezember genau zugetragen hat, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen. Marcel Schlatter, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden: «In den kommenden Tagen folgen Befragungen und verschiedene Abklärungen.» Dazu gehört auch eine Haaranalyse, wie gestern Abend das Onlineportal von «20?Minuten» vermeldete. So habe Jolanda Spiess-Hegglin einen Tag nach der Blut- und Urinabgabe im Spital noch eine Haaranalyse machen lassen. Sollten in besagter Nacht K.-o.-Tropfen im Spiel gewesen sein, sind die Chancen offenbar intakt, dass dies im Haar nachgewiesen werden könnte.

Dass K.-o.-Tropfen oder eine ähnliche Substanz im Spiel gewesen sein müssen, sei für Spiess-Hegglin nach wie vor klar: «Die Umstände meines Erwachens am Sonntagmorgen – ohne jedes Anzeichen einer Alkoholvergiftung am Vorabend und die Erinnerung an das, was ich bis zum Beginn der Erinnerungslücke nur getrunken hatte – lassen für mich keinen anderen Schluss zu.» Warum sie denn erst um 11 Uhr ins Spital gegangen sei? Patrick Senn, der Spiess in Mediensachen berät, sagt, Spiess sei am Sonntag um zirka 8 Uhr erwacht, habe sich zunächst mit ihrem Mann ausgetauscht und um etwa 9 Uhr mit dem Spital telefoniert. «Dort hat man ihr gesagt, sie solle vorbeikommen, und sie hat sich anschliessend, nachdem der Tagesablauf und die Obhut für die drei Kinder organisiert waren, auf den Weg ins Spital gemacht, wo sie kurz vor 11 Uhr eingetroffen ist.»

Hürlimann gibt sich zuversichtlich

Aufgrund der Neuigkeit meldete sich gestern mit Markus Hürlimann auch der zweite Beteiligte zu Wort. Er verwahrt sich erneut gegen die Vorwürfe, die gegen ihn im Raum stehen, und betont, er habe stets gesagt, dass er weder irgendwie mit K.-o.-Tropfen zu tun noch sonst wie strafbare Handlungen vorgenommen habe.

Da die Staatsanwaltschaft bestätigt hat, dass im Blut von Jolanda Spiess-Hegglin weder K.-o.-Tropfen noch andere Substanzen gefunden worden sind, ist Hürlimann zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe gegen ihn rasch klären werden. Der 40-Jährige weist darauf hin, dass er aufgrund unzutreffender Punkte vorverurteilt worden sei, was die neuesten Erkenntnisse des Vorverfahrens eindrücklich zeigen würden. Aktuell laufe lediglich ein Vorverfahren gegen ihn, fügt Hürlimann an und betont: «Ich möchte an diesem Punkt auf die Unschuldsvermutung hinweisen.»

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