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So baue ich eine gute Triste

Im neuesten Faszikel des Dicziunari Rumantsch Grischun (DRG) wird erklärt, wie eine stabile, feste Triste gebaut wird – ein Blick in das Wörterbuch, das die romanische Sprache seit ihren ersten schriftlichen Werken dokumentiert.

Südostschweiz
14.10.14 - 02:00 Uhr

Heuschober oder Triste heisst auf Romanisch «Meida». Und eine Triste ist ein im Freien pyramidenartig um eine hohe Stange aufgeschichteter, festgetretener Wildheuhaufen, der das Heu vor Nässe und Fäulnis für die Zeit von der Ernte bis zum Transport ins Tal im Herbst oder zu Winterbeginn schützen soll. Ausserdem gibt es auch Tristen zur Fütterung des Wildes. Diese kurze, präzise Beschreibung eines Heuschobers steht gleich am Anfang des entsprechenden Artikels im neuesten DRG-Faszikel 180 und 181, der alles, was auf Romanisch seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert worden ist, von «Medi» bis «Melistuc» zusammenfasst (siehe Kasten).

Das Besondere an den Artikeln des Dicziunari Rumantsch Grischun sind nicht nur genaue Beschreibungen, sondern auch die vielen Belege aus literarischen Wer-ken, regionale Dialekt-Eigenheiten, Sprichwörter, Volkskundliches, Historisches und vieles mehr. Beim Wort «Meida» sind es vor allem auch ganz praktische Dinge, die auf rund dreieinhalb Seiten beschrieben werden. Zum Beispiel, wie man einen Heuschober richtig baut.

Zwei Männer, zwei Tage

Eine Triste kann mehrere Klafter Heu umfassen. In Lumbrein gibt es Belege, die von zwei bis fünf Klafter umfassenden Heuhaufen erzählen, in Trun hat die Triste manchmal fast schon den Umfang eines «ladretsch», also eines ganzen Heustocks. Um eine Triste zu bauen, brauchen zwei Männer schon mal zwei ganze Tage, wenn viel Wildheu gemäht wurde. Wichtig für den Standort der Triste ist, dass das sogenannte Bett unter einem Felsvorsprung oder auf einer Anhöhe steht, um sie vor Lawinen zu schützen.

Zunächst wird eine Unterlage aus Tannenästen und Alpenerlen vorgeformt, darauf wird das Heu gleichmässig ausgelegt und kraftvoll eingestampft. So lange, bis es zwei Männer braucht, um die Triste fertig zu schichten: Den einen oben, den anderen unten, um das Heu hochzureichen. Die Triste wird an der Spitze abgerundet und mit einem Heutuch überdeckt, damit weder Regen- noch Schneewasser an den Seiten abfliessen kann und nicht in das Heu dringt.

In Samnaun wurden die Heuschober zwischen vier grossen Pfählen aufgeschichtet und mit einem Holzdach überdeckt. Dort wurden sie «Schupfa» oder «Schupfn» genannt.

Heute werden Tristen selten mehr errichtet – dasselbe gilt für Magerheuschober. Diese wurden zur Wildtierfütterung vor allem in den 1990er-Jahren gebaut. Mit dem Mähen von nicht mehr bewirtschafteten Wiesen ernteten die Jäger Magerheu und schichteten die Triste vor Ort auf. Die Schober sollten dem Wild in harten Wintern über die Runden helfen.

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