Shiffrin in ihrer eigenen Welt
Ski alpin Mikaela Shiffrin gewann den Slalom in Zagreb mit 1,68 Sekunden vor der Österreicherin Kathrin Zettel. Die Schwyzerin Wendy Holdener erlitt einen Rückschlag.
Ski alpin Mikaela Shiffrin gewann den Slalom in Zagreb mit 1,68 Sekunden vor der Österreicherin Kathrin Zettel. Die Schwyzerin Wendy Holdener erlitt einen Rückschlag.
si. Im Riesenslalom hatte es für Mikaela Shiffrin gleich im ersten Anlauf geklappt. Im Oktober gewann sie gemeinsam mit der Österreicherin Anna Fenninger den Prolog in Sölden und siegte so zum ersten Mal in ihrer zweiten Disziplin. In ihrem Kerngeschäft aber, dem Slalom, bekundete die Amerikanerin unerwartet Anlaufschwierigkeiten. Nach drei Rennen stand sie noch ohne Podestplatz da. Die scheinbar Unbezwingbare schwächelte, machte Fehler. Das Wunderkind zeigte menschliche Züge. Mikaela Shiffrins Ergebnisse waren mit den Rängen 11 in Levi, 5 in Aspen und 4 in Are so schlecht zwar nicht. Doch an eine, die sich schon als Teenager Olympiasiegerin und Weltmeisterin nennen darf, werden andere Anforderungen gestellt.
Wieder Spass – und neues Material
Diesen hochgestellten Vorgaben wird Mikaela Shiffrin mittlerweile wieder vollauf gerecht. Zwei Tage vor dem Jahreswechsel war sie in Kühtai schon eine Klasse für sich gewesen und hatte die Ersatz-Prüfung für Semmering mit zweimal Laufbestzeit und acht Zehnteln Vorsprung für sich entschieden. «Ich hatte mich selber zu sehr unter Druck gesetzt und zu viel von mir erwartet. Ich musste wieder den Spass an der Sache in den Vordergrund stellen», sagte sie Ende Dezember im Ötztal. Mit dem Spass allein wars aber nicht getan. Zurück in die Erfolgsspur fand Mikaela Shiffrin auch in Zusammenarbeit mit ihrem Ausrüster Atomic. Die an Ski und Skischuh vorgenommenen Anpassungen zeitigten die erhoffte Wirkung.
Mit dem wiedergefundenen Vertrauen ins Material kehrte selbstredend auch die ungebrochene Zuversicht in die eigene Stärke zurück. Mikaela Shiffrin ist im Slalom wieder auf jenem Level unterwegs, der ihr im vergangenen Winter neben dem Gewinn von olympischem Gold fünf Siege im Weltcup ermöglicht hat – oder sogar noch stärker. Mit so grosser Marge wie jetzt in Zagreb hatte sie jedenfalls im Weltcup noch nie gewonnen.
Mikaela Shiffrin war im ersten Weltcup-Rennen des neuen Jahres in einer eigenen Liga unterwegs. Auf dem schwierigen Gelände auf dem Sljeme in Zagreb sorgte Mikaela Shiffrin von Anfang an für klare Verhältnisse. Auf einem Terrain mit Laufzeiten von rund einer Minute, auf dem schon am Morgen ein Drittel der Fahrerinnen ausgeschieden war und auch acht der 30 Finalistinnen an der Aufgabe scheiterten, fühlte sich die Amerikanerin vollends in ihrem Element.
Die Weichen zu einem weiteren Vollerfolg im Weltcup, dem insgesamt zwölften und dem elften in einem Slalom, stellte Mikaela Shiffrin schon im ersten Durchgang, in dem sie ihre Gegnerinnen um mindestens acht Zehntel hinter sich liess. Und am Nachmittag setzte sie noch einen drauf. Erneut war sie die Schnellste, sodass der Abstand auf die zweitplatzierte Österreicherin Kathrin Zettel auf über das Doppelte anwuchs. Die drittklassierte Norwegerin Nina Löseth, die im Weltcup zum ersten Mal den ersten drei angehört, lag schon 2,79 Sekunden zurück.
Wendy Holdeners früher Fehler
Die Unteribergerin Wendy Holdener musste schon nach wenigen Fahrsekunden zur Kenntnis nehmen, dass ein ähnlich gutes Ergebnis wie in Kühtai nicht möglich sein wird. Nach einem zeitraubenden Fehler im obersten Teil des ersten Durchgangs war die Chance vertan, bei erster Gelegenheit die Bestätigung für den dritten Platz im Ötztal zu liefern. Die Nummer 1 in der Schweizer Equipe fand sich im Schlussklassement auf Platz 17 wieder.
Bestklassierte der drei Schweizerinnen war Michelle Gisin als Elfte. Sie bewegte sich damit rangmässig auf dem Niveau ihrer Auftritte in den vorangegangenen vier Weltcup-Slaloms des Winters. Ihre vierte Klassierung in den ersten zehn in der laufenden Saison verpasste die Engelbergerin um einen Zehntel. Allerdings betrug ihr Rückstand auf Mikaela Shiffrin in der Endabrechnung über fünf Sekunden.
Um eine Enttäuschung reicher ist Denise Feierabend. Die ebenfalls aus Engelberg stammende Athletin büsste über fünf Sekunden auf Mikaela Shiffrin ein und verpasste die Qualifikation für den zweiten Lauf klar. Denise Feierabend wirkt nach wie vor verunsichert. Ihre Fahrten sind mehrheitlich ein Krampf. Selbstvertrauen und Lockerheit fehlen. Dazu gesellt sich der Selektionsdruck im Hinblick auf die Weltmeisterschaften vom Februar in Beaver Creek. Denise Feierabend, in diesem Winter noch nie unter den ersten 20 klassiert, bleibt noch eine einzige Möglichkeit, sich für die Teilnahme an den Titelkämpfen in Colorado zu empfehlen – am übernächsten Dienstag im Nacht-Slalom in Flachau.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.