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Seuchenalarm in Schweinemastbetrieben

Der Glarner Kantonstierarzt Jakob Hösli war alarmiert. Vergangene Woche ordnete der Veterinär auf einem Glarner Schweinemastbetrieb das sogenannte Nasentupferproben an.

Südostschweiz
23.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Es bestand der Verdacht, dass die Schweine an der Seuche enzootische Pneumonie, eine hochansteckende Lungenentzündung, erkrankt sind.

«Im Falle einer Erkrankung müsste der Betrieb totalsaniert werden», sagte Hösli nach der Probeentnahme. Und das heisst, dass sämtliche Tiere getötet werden müssen. Beim Glarner Schweinemäster wären dies über 1000 Tiere gewesen. Doch alles der Reihe nach.

Ausgelöst wurde der Seuchenalarm im Glarnerland, nachdem in Pius Kamers Schweinezuchtbetrieb in Benken die Seuche ausgebrochen war. Von diesem Betrieb erwarb der Glarner Mäster zuvor Ferkel. Der Verdacht lag schnell auf der Hand: Auch schon bereits verkaufte Schweine aus Kamers Betrieb könnten mit der Seuche infiziert sein. Doch der Glarner Mäster hat sprichwörtlich «Schwein gehabt». Die Proben der Tiere waren negativ. «Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen», sagt er zur «Südostschweiz». Nun bleibt nur noch ein kleines Restrisiko – durch Luftübertragung.

Weniger Schwein gehabt hat Pius Kamer: «Ich musste meine 43 Muttersäue und rund 300 Ferkel töten.» Das sei sehr hart gewesen. «Ich habe oft geweint.» Der Schaden belaufe sich auf 50 000 bis 100 000 Franken. Eine gute Nachricht ist immerhin: Die Schweineseuche ist für Menschen nicht gefährlich.

«Zu Übertragungen der Seuche kommt es vor allem durch den Tierverkehr, aber auch durch die Luft», warnt in einem Merkblatt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Bei nasskaltem Wetter könne so der Erreger über mehrere Kilometer verbreitet werden. Krankheitsanzeichen seien neben vielen weiteren ein trockener, chronischer Husten. Die enzootische Pneumonie der Schweine sei eine zu bekämpfende und somit meldepflichtige Tierseuche, so das BLV weiter. Wer Tiere halte oder betreue, müsse Verdachtsfälle sofort melden.

Im Linthgebiet sei die Seuche vermutlich von Wildschweinen übertragen worden, sagt Kantonstierarzt Hösli. Das glaubt auch Pius Kamer «In der Nähe der Schweinezucht, im Schachenwald, gibt es einen unterirdischen Wildkorridor», sagt er. «Und wenn die Wildschweine das Loch nicht finden, laufen sie an der Autobahn entlang direkt zu meinem Hof.» Da er die Tiere im Freien halte, könnten die Wildschweine mit ihnen leicht in Kontakt geraten.

Während die Schweineseuche geklärt ist, liegt ein anderes Resultat immer noch nicht vor. Unklar bleibt bislang, an welcher Krankheit im Herbst auf einer Elmer Alp 30 Schafe verendet sind. «Wir tappen in diesem Fall noch immer im Dunkeln», bestätigt Kantonstierarzt Hösli. Die Tiere hätten sich ganz plötzlich von ihrer eigentlichen Herde abgesondert und auch sonst keine Fluchtreaktionen mehr gezeigt. Dann hätten sie einen sogenannten Nilpferdkopf und Krusten im Maulbereich bekommen. Daraufhin konnten sie keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Der Tod ist dann innert drei bis vier Tagen eingetreten.

Die Schweinezucht im Glarnerland ist längst nicht mehr so bedeutend wie einst. 1866 gab es noch – für 2013 registrierte das Bundesamt für Statistik (BFS) lediglich noch 33 Betriebe mit Schweinen. Es war sowohl eine rasante als auch kontinuerliche Abnahme zu verzeichnen. Weniger extrem stellt sich das bei der Anzahl Tiere dar. So gibt es 2013 nur noch acht Prozent der 1975 noch existierenden 419 Betriebe. Die Anzahl Schweine hat aber nur um knapp 41 Prozent auf abgenommen. Die Notschlachtung der über 1000 Tiere des Glarner Mäster hätte also den .

Schweizweit sieht es übrigens ähnlich aus. Von den 78 500 Betrieben mit Schweinen im Jahr 1975 gibt es laut BFS 2013 nur noch knapp 11 700. Und die Anzahl Schweine hat von 1, 9 Millionen auf rund . (bel)

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