Sennentuntschi findet nach Irrweg doch noch nach Hause
Statt den neuesten Streifen ihres Regisseurs Michael Steiner gucken die Kinogänger in Rapperswil-Jona zurzeit in die Röhre. Sie warten immer noch auf das Sennentuntschi. Warum?
Statt den neuesten Streifen ihres Regisseurs Michael Steiner gucken die Kinogänger in Rapperswil-Jona zurzeit in die Röhre. Sie warten immer noch auf das Sennentuntschi. Warum?
Von Adrian Huber
Rapperswil-Jona. – Landauf, landab flimmert – nach langer Leidenszeit – das Sennentuntschi über die Kinoleinwände. Pünktlich zum Filmstart vor zwei Wochen lief der Streifen auch im Uzner Kino Rex an. Doch weder im Schlosskino noch im Kino Leuzinger ist das Sennentuntschi derzeit anzutreffen. Schwer verständlich, ist doch dessen Regisseur Michael Steiner in Rapperswil-Jona aufgewachsen. Hängt dieses Versäumnis etwa mit dem Besitzerwechsel der beiden Kinos zusammen?Am 1. September ist die neue Firma Kinoevent GmbH ins Handelsregister aufgenommen worden. Deren Geschäftsleiter, Christian Meier aus Rapperswil-Jona, ist ausserdem Vorstandsmitglied der Freien Evangelischen Kirche im Prisma, die an der Glärnischstrasse ansässig ist – nur einen Steinwurf vom Kino Leuzinger entfernt. Per 1. Januar übernimmt er die beiden Rapperswiler Kinos von Marianne Hegi, welche diese seit über 30 Jahren geführt hat.
Verwirrung herrschte
«Klar, ich möchte 'Sennentuntschi' bringen, schliesslich kenne ich Herrn Steiner persönlich. Eigentlich müsste der Film auch bei uns schon seit zwei Wochen laufen», kann Hegi ihre Enttäuschung nicht verhehlen. Warum er noch nicht läuft, wollte sie partout nicht erklären.Allerdings herrschte gestern Morgen noch etwas Verwirrung bezüglich der Zuständigkeit bei der Program-mation. Hegi konnte nicht sagen, ob beziehungsweise wann das Sennentuntschi nach Rapperswil kommt. Ebenso wenig, wer denn überhaupt dafür verantwortlich sei. Sie verwies auf den Nachmittag, dann wisse sie wahrscheinlich mehr.Laut Selbstbeschrieb der Produktionsfirma tritt in «Sennentunschi» ans Licht, «was besser im Verborgenen geblieben wäre. Eine Tragödie aus Lust, Wahnsinn und Mord ergiesst sich über eine scheinbar heile Welt. Es ist der Anfang eines Alptraums aus frömmlerischem Wahnsinn, Heuchelei, Missbrauch und Dämonenglauben, der die Menschen weit mehr verlieren lässt als ihren Glauben.» Die Kirche – im Film die katholische – kommt bei «Sennentuntschi» ziemlich unter die Räder. Steiners neuestes Werk ist nichts für Zartbesaitete.
Mainstream ist Pflicht
«Bis zum 1. Januar ist Frau Hegi für die Programme verantwortlich», antwortet Meier, auf die Frage, ob seine christliche Gesinnug etwas damit zu tun habe, dass «Sennentuntschi» in Rapperswil nicht läuft. Zudem sei seine Übernahme der beiden Kinos eine rein geschäftliche Angelegenheit und habe nichts mit seinem Engagement als Vorstand der Kirche zu tun.«Von meiner Seite ist nichts gegen die Vorführung des Films einzuwenden, da ich ihn gar noch nicht gesehen habe.» Schliesslich könne er seine Kinos dereinst nicht wirtschaftlich betreiben, wenn er den Mainstream nicht zeige.
Startrun verpasst
Blieb Steiners Streifen also beim Filmverleih hängen? – «Im Gegenteil», sagt Marcel Dinten von Walt Disney Schweiz, welche die Kinofilmrechte an «Sennentuntschi» hält. «In Rapperswil sollen sie 'Sennentuntschi' spielen, nicht immer diesen 'Brutzel Willi'», flachst er.Kurze Zeit später nimmt das Warten des Rapperswiler Kinopublikums ein Ende, und Marianne Hegi erklärt: «Ab nächsten Donnerstag, 18.30 Uhr, zeigen wir 'Sennentuntschi' im Leuzinger.» Noch bis am 1. Januar sei sie für die Programmation verantwortlich. Bleibt aber immer noch die Frage, warum die Rapperswiler Kinos den Startrun auf «Sennentuntschi» ungenutzt verstreichen liessen – zumal der Filmverleih jeweils frühestens ab der fünften Spielwoche den Preis reduziert, wie Dinten erklärt.
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