Schweizergardist packt aus: «Kardinäle wollten Sex mit mir»
Ein attraktiver junger Schweizer wurde mehrfach von katholischen Würdenträgern im Vatikan sexuell belästigt. Der ehemalige Gardist gibt an, dass er Objekt der Begierde einer ganzen Reihe von Gottesleuten geworden sei.
Ein attraktiver junger Schweizer wurde mehrfach von katholischen Würdenträgern im Vatikan sexuell belästigt. Der ehemalige Gardist gibt an, dass er Objekt der Begierde einer ganzen Reihe von Gottesleuten geworden sei.
Ex-Gardist wurde im Vatikan mehrfach von Geistlichen sexuell belästigt. Die Schweizergarde verweigerte Unterstützung.
Von Henry Habegger und Beat Kraushaar
Dazu gehört auch ein hoher Kleriker, der im Innern des Machtzentrums des Vatikans sass. Detailliert schildert der Ex-Gardist gegenüber der «Schweiz am Sonntag», wie er nach dem Ausgang in Rom um Mitternacht von der Person auf sein Handy angerufen wurde und ihn auf sein Zimmer einlud. Die Person wird von Insidern in direkten Zusammenhang mit dem ominösen Schwulen-Netzwerk gebracht und logierte im Papstpalast, in der Nähe des Heiligen Vaters.
Laut dem Ex-Gardisten, der Anonymität verlangte und wieder in der Schweiz lebt, war das kein Einzelfall. In seiner Dienstzeit habe er von bis zu 20 Geistlichen unzweideutige Angebote erhalten. Avancen machten ihm Bischöfe, Priester und Pater. «Auch von Kardinälen habe ich Sexangebote erhalten.» Bei einem Nachtessen mit einem Priester habe dieser ihm gesagt, dass er «das Dessert» sei. Kirchenleute hätten auch versucht, ihn mit Alkohol gefügig zu machen. «Einmal stand beim Posten eine Whiskey-Flasche für mich, zusammen mit der Visitenkarte eines Bischofs», sagt der Mann.
<strong>Auch ein Mitarbeiter</strong> des Staatssekretariats des Heiligen Stuhls soll gar handgreifliche Annäherungsversuche unternommen haben – der Mann wurde später auf einen anderen Posten versetzt. Berichte, wonach offenbar quasi unter den Augen des alten Papstes unzüchtiges Treiben möglich war, werfen Fragen auf. Und sie dürften in Rom gerade jetzt ungelegen kommen: Denn am 27. April wird Johannes Paul II. heilig gesprochen.
Vatikan-Insider halten seine Schilderungen für glaubwürdig. In der Garde selbst erhielt er nach eigenen Aussagen keine Unterstützung, als er die sexuellen Vorfälle seinen Vorgesetzten meldete. Man unterstellte ihm, er habe da etwas falsch verstanden.
Die Medienstelle der Schweizergardisten im Vatikan äussert sich zu den Vorwürfen des Ex-Gardisten. «Das gerüchteweise thematisierte ‹Homosexuellen-Netzwerk› stellt für die päpstliche Schweizergarde kein Problem dar», sagt Sprecher Urs Breitenmoser. Laut ihm orientierten sich die jungen Schweizer, die sich für zwei Jahre Dienst verpflichten, stark an militärischen und religiösen Werten. «Für sie stehen ganz andere Themen im Zentrum ihrer Kameradschaft und Freizeitbeschäftigung», sagt Breitenmoser.
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