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Schnee – Fluch oder Segen? ?Das grosse «Schnee-Duell»

region Der Winter hat auch den Kanton Schwyz erreicht. Nicht alle freuts. Schnee-Fans und Schnee-Muffel werfen sich nicht nur Schneebälle an den Kopf, sondern kreuzen auch mit Worten die Klingen. Auch auf der?«Bote»-Redaktion herrscht keine Einigkeit: Kilian Küttel und Sandrine Hedinger im grossen «Schnee-Duell».

Südostschweiz
31.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Endlich ist der Schnee da. Endlich sind die Bäume weiss und es knirscht bei jedem einzelnen Schritt unter den Schuhen. Endlich erfüllen meine dicken Wollschals den Zweck, für den sie eigentlich gedacht sind, und endlich liegt dieser typische Duft in der Luft, der an Kaminfeuer, Käsefondue und Winterwonderland erinnert.

Sobald Frau Holle die ersten Schneeflocken schickt (welche dann aber bitte liegen bleiben, lieber Petrus) und der Winter auch unsere Höhenmeter eingenommen hat, werde ich zum klischeehaften Frauenbild, habe bestimmt schon zehn Bilder gemacht, meine Boots ausgegraben und liege arme- und beinewedelnd als möchtegern-Schneeengel vor der Haustür – wenn auch nur in Gedanken.

Zugegeben, auf Autofahrten im Neuschnee und die Kälte am Morgen könnte ich verzichten. Abgestorbene Zehen und rote Nasen finde ich weder besonders angenehm noch besonders reizvoll – und fürs Protokoll: Das passiert, egal, mit wie vielen Pullovern oder Socken ich mich einpacke. Doch kalt wirds im Winter sowieso, und wenn schon kalt, dann richtig. Dann kratze ich auch gerne zwischendurch die Autoscheiben frei.

Ich mag die Gegensätze des Winters. Von eisig kalt und nass bis zu Sonnenschein und glitzerndem Weiss. Pure Idylle. Am Morgen die Zeitung holen und in all dem frischen Weiss nur die kleinen Pfotenabdrücke meiner Katze vorfinden. Das Wochenende am Samstag um halb 9 auf der Bergstation mit dem Snowboard an den Füssen beginnen, und den Sonntagabend ohne schlechtes Gewissen unter der warmen Decke vor dem Kamin verlümmeln. Und auf dem Weg zum Bäcker, mitten durchs Dorf, erwachen die Erinnerungen: Schneemänner mit Rübennasen, selbstgebaute Iglus und lange tropfende Eiszapfen erinnern an die Zeit, in der Schneeflocken noch mit der Zunge gejagt wurden und die Schneehaufen des Schneepflugs als Schutzburg während einer Schneeballschlacht dienten. Meine winterlich-romantische Stimmung ist komplett.

Sandrine Hedinger

Sonntags arbeiten ist mühsam: Tagsüber lachen einen seine Freunde aus, weil sie ja frei haben. Abends zuvor bleibt man pflichtbewusst zu Hause – und verpasst wie immer die Party des Jahres. Aber wissen Sie, was noch schlimmer ist? Sonntagmorgens aufzustehen und zu sehen, dass es über Nacht geschneit hat – und zwar viel.

Da bleiben einem genau zwei Möglichkeiten: Entweder sein Auto freischaufeln oder auf den öffentlichen Verkehr ausweichen. In beiden Fällen dauert es länger, bis man im Büro ist. In beiden Fällen wird man nass. In beiden Fällen ist es kalt. Und wer ist schuld daran? Richtig, die Holle.

Verstehen Sie mich nicht falsch – ich mag das Weiss. Aber nur dort, wo es hingehört – nämlich auf die Rigi. Schnee im Tal nervt. «Hör auf zu jammern. Eigentlich sollte man noch Schlitteln», meinte meine Mutter, als ich entnervt nach Hause gekommen bin. Ja genau, im Schnee lässt sich ja so viel Lustiges erleben: Schlitten fahren, Schneemänner bauen und Schneeballschlachten fechten. Aber mal ehrlich: Schlitteln ist etwas für Leute, die nicht Skifahren können. Schneemänner sind für Leute, die keine Freunde haben. Und bei Schneeballschlachten treffe ich meine Gegner eh nie (das liegt zwar weniger am Schnee als an mir selber, aber es geht hier ums Prinzip).

Dem Vergleich mit dem Sommer hält der Winter sowieso nicht stand. Es sollte das ganze Jahr über Juli sein: Die Tage sind lang, die Sonne scheint, das Bier ist besonders gut, und abends gibt es regelmässig eine Partie Fussball. Und im Winter? Ab Ende Oktober bin ich zwei Wochen depressiv, weil es um vier Uhr nachmittags dunkel wird. Der Glühwein-Typ bin ich nicht, und Fussball auf rutschigem Untergrund ist zwar lustig, aber nach drei Mundvoll Schnee hab ichs gesehen.

Kommt hinzu: Wer von den «Schnee-im-Tal-Anhängern» denkt bitte an die älteren Menschen unter uns? Für mich ist es schon mühsam genug, von mir zu Hause zur Busstation zu kommen, wenn der Weg gefroren ist. Wie das meine Grossmutter mit ihren 88 Jahren zustande bringt, ist mir schleierhaft. Einen allrad-betriebenen Rollator gibt es meines Wissens nach noch nicht. Sollte der bis ins Jahr 2065 nicht erfunden worden sein, sehe ich auch für mich schwarz. Wahrscheinlich muss ich im hohen Alter auswandern. Vielleicht nach Dubai. Dort ist es schön warm. Skifahren kann ich in der Halle. Und sonntags arbeiten muss ich dann auch nicht mehr.

Kilian Küttel

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