«Rütli» soll «traditionell und frech» werden
Rütli Der Kernser Mike McCardell (35) ist ab April neuer Gastgeber auf dem Rütli. Der Halb-Amerikaner mit einheimischen Wurzeln ist mitten in den Vorbereitungen – und muss noch Bücher lesen.
Rütli Der Kernser Mike McCardell (35) ist ab April neuer Gastgeber auf dem Rütli. Der Halb-Amerikaner mit einheimischen Wurzeln ist mitten in den Vorbereitungen – und muss noch Bücher lesen.
Adrian Venetz
Das Restaurant auf dem Rütli ist seit vergangenem November zu, erst am ?2. April beginnt wieder die Saison. Viel läuft derzeit also nicht an diesem geschichtsträchtigen Ort der Eidgenossenschaft – könnte man meinen. Der Kernser Mike McCardell hat dort trotzdem bereits alle Hände voll zu tun. Die Rütli-Delegation der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) – seit 1860 Verwalterin des Rütlis – wählte den 35-Jährigen im Februar 2014 als neuen Pächter des Rütli-Restaurants. Die bisherigen Pächter gingen in den Ruhestand.
Wurzeln liegen auch in Uri
Etwas schmunzeln musste Mike McCardell schon, als die Boulevardmedien damals berichteten, dass das «Rütli» – quasi das Filetstück der Urschweizer Tradition – künftig von einem Amerikaner geführt werde. «Dabei bin ich in Obwalden geboren und aufgewachsen», erzählt McCardell im Gespräch mit unserer Zeitung. Tatsächlich aber besitzt er neben dem schweizerischen auch den amerikanischen Pass. Sein Vater – ehemaliger Englischlehrer am Gymnasium in Sarnen – stammt aus Amerika. McCardells Wurzeln liegen aber auch in Uri. «Meine Urgrossmutter war Urnerin.» Deshalb habe er Anfang 2014 das Urner Korporationsbürgerrecht beantragt «und tatsächlich erhalten», wie er nicht ohne Stolz sagt.
Der gelernte Koch und Hotelier führt derzeit die McCardell Events & Solutions, eine Firma, die sich auf Cateringservice und die Organisation von Events spezialisiert hat. Dieses Kernser Unternehmen bleibe zwar in seiner Hand, erklärt McCardell, bereits am 1. Oktober habe man aber eine neue Geschäftsführung eingestellt.
An den Betrieb herantasten
«Traditionell und frech» wolle er künftig das Rütli-Restaurant führen, sagt Mike McCardell. Ein Kernteam – bestehend aus ihm, seinem Bruder Brian sowie zwei bis drei weiteren Mitarbeitern – wird im Rütli-Restaurant voll beschäftigt sein und während der Saison auch dort wohnen. Bei grösseren Anlässen kann Mike McCardell auf sein weites Netzwerk in der Gastronomieszene zurückgreifen und weitere Hilfskräfte engagieren.
«Wir werden uns an den Betrieb herantasten müssen», so McCardell. Er betont, dass er nicht etwa im Sinn habe, das Rütli-Restaurant völlig auf den Kopf zu stellen. «Wichtig ist mir, dass wir unsere Zutaten aus der Region beziehen», sagt er. «Die Kunden wollen wissen, woher die Lebensmittel stammen.» Den kulinarischen Fokus wird er auch auf die «alte, traditionelle Schweizer Küche» setzen. Zudem soll alles frisch zubereitet werden.
Auch wenn das Restaurant erst im April wieder öffnet, ist Mike McCardell bereits öfter auf dem Rütli anzutreffen. Zu seinen Aufgaben als Pächter gehört es nämlich auch, das ganze Grundstück in Schwung zu halten – immerhin 2,8 Hektaren Landwirtschaftsland, inklusive Ställen, Feuerstellen, Gehwegen, Toiletten. Genügend Platz hat es auch für Tiere. «Wir werden Pfauengeissen und voraussichtlich auch einige Wollschweine halten», sagt Mike McCardell. Zudem wird er künftig auch einige Schottische Hochlandrinder auf den Rütli-Wiesen weiden lassen – die Tiere stammen aus der Herde des elterlichen Betriebs in Kerns.
Hintergrundwissen aneignen
Selbstverständlich muss der neue Pächter des Rütli-Restaurants auch einiges zu erzählen wissen über die Schweizer Eidgenossenschaft, über die Geschichte und die Bedeutung des Rütlis. «Wie die Berge rundherum heissen, weiss ich schon», sagt er schmunzelnd.
Mithilfe von Büchern werde er sich aber noch weiteres Wissen anzueignen haben. «Wenn die vielen Touristen aus dem Ausland Fragen zum Rütli haben, kann ich ihnen natürlich nicht einfach sagen, sie sollen das bei Wikipedia nachlesen», sagt Mike McCardell lachend.
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