Repower kann sich damit nicht reinwaschen
Der sich abzeichnende Ausstieg Repowers aus dem Kohleabenteuer im deutschen Brunsbüttel ist nicht nur für Klimaaktivisten eine gute Nachricht, sondern auch für die Bündner Steuerzahler, die mit 46 Prozent am Bündner Energieriesen beteiligt sind.
Der sich abzeichnende Ausstieg Repowers aus dem Kohleabenteuer im deutschen Brunsbüttel ist nicht nur für Klimaaktivisten eine gute Nachricht, sondern auch für die Bündner Steuerzahler, die mit 46 Prozent am Bündner Energieriesen beteiligt sind.
Von Stefan Bisculm
Denn die finanziellen Risiken eines neuen Kohlekraftwerks im aktuellen Marktumfeld sind beträchtlich. Politik und Justiz werden nicht müde, den Energieunternehmen, die am Bau eines Kohlekraftwerks festhalten, Steine in den Weg zu legen. Der Rückzug hat sich also abgezeichnet.
Marktwirtschaftliche Gründe waren für Repower für diesen Schritt ausschlaggebend und nicht die Sorge um die Umwelt. Die Repower-Führungsriege ist nach wie vor der Ansicht, dass Europa aus Kapazitätsgründen eine neue Generation von Kohlekraftwerken braucht, bevor die Energiewende geschafft werden kann. Umweltschützer und auch weniger klimasensible Bürger wollen aber auf eine umweltverträglichere Stromproduktion nicht 40 Jahre lang warten, was ungefähr der Laufzeit eines Kohlekraftwerks entspricht.
Mit grossem Engagement setzen sich deshalb Umweltschützer und die politische Linke gegen die Kohlepläne von Repower zur Wehr. Unabhängig davon, ob sie damit die Unternehmensstrategie beeinflussen können, ist klar, dass ihre Angriffe dem Bündner Energieriesen zusetzen. Das grüne Mäntelchen, das sich Repower in der Öffentlichkeit mit dem Ökostromlabel Pure Power gerne überstreift, ist längst russgeschwärzt, der Imageschaden gross. Und er wird noch grösser, wenn Repower sich nicht auch noch aus dem Kohlekraftwerkprojekt im italienischen Saline Joniche zurückzieht. Provinz- und Regionalparlament in Kalabrien haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Die politischen Verbündeten von Repower sitzen in Rom. Man stelle sich einmal den umgekehrten Fall vor: Ein italienisches Unternehmen, dessen grösster Aktionär eine italienische Provinz ist, plant in Domat/Ems ein Kohlekraftwerk. Das Bündner Kantonsparlament lehnt dies zwar entschieden ab, doch Bern verhandelt einfach weiter. Empörend wäre das.
sbisculm@suedostschweiz.ch
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