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Projekt fördert Kastanienhaine

Gersau Im Gebiet Rotschuo soll ein neuer Kastanienhain entstehen. Dank der Aufhebung der Kastanien-Quarantäne kann ein Verbundprojekt fortgeführt werden.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Gersaufd. Das Verbundprojekt Kastanienhaine Zentralschweiz restauriert Hainrelikte und begründet neue Kastanienhaine. Es will damit die einst in der Region verankerte Kastanienkultur wieder aufleben lassen. In einer ersten Projektphase wurden zwischen 2008 und 2011 total 14 Kastanienhaine restauriert oder neu begründet, darunter einer am Arther Rufiberg und einer im Ingenbohler Chilewald. In einer zweiten Phase von 2012 bis 2015 will das Verbundprojekt auf zwei bis drei Hektaren Land an drei bis fünf Standorten in der Zentralschweiz weitere Kastanienhaine begründen. Horw und Erstfeld stehen bereits als weitere Standorte fest. Zudem sollen die Haine aus der ersten Projektphase konsolidiert werden. Getragen wird das Projekt von der seit 2000 bestehenden Interessengemeinschaft «Pro Kastanie Zentralschweiz».

Fabian Duss

Das Verbundprojekt Kastanienhaine Zentralschweiz hat in Gersau einen Standort für einen neuen Kastanienhain gefunden. Oberhalb des Hotels Rotschuo sollen bereits nächsten Frühling auf rund 1,5 Hektaren Land 100 veredelte Edelkastanienbäume gepflanzt werden. Bestehende Obstbäume und andere wertvolle Baumarten bleiben erhalten und werden in den Kastanienhain integriert, wie Projektleiter Patricio Borter erklärt.

Der Umsetzungsentscheid fällt Ende Januar, sobald die entsprechende Detailplanung vorliegt und Finanzierungsfragen geklärt sind.

Quarantäne wurde aufgehoben

Ähnliche Projekte wurden in den vergangenen Jahren bereits in Arth und Ingenbohl umgesetzt. Aufgrund einer Quarantäne-Verfügung kam das Verbundprojekt 2011 aber ins Stocken: Zwecks Überwachung und Bekämpfung der Gallwespe, eines Schädlings, durften in den betroffenen Gebieten keine Edelkastanienbäume mehr verschoben werden.

Als Folge blieb der Küssnachter Baumschulist Toni Sidler, von dem das Verbundprojekt Jungpflanzen einheimischer Kastaniensorten bezieht, auf seinen Edelkastanien sitzen. Dadurch wurde auch die Erweiterung des Kastanienhains Chilewald in Ingenbohl aufwändiger.

Entsprechend erfreut reagierten Baumschulist Sidler und Projektleiter Borter, als das Bundesamt für Umwelt Mitte Oktober die Kastanien-Quarantäne aufhob. «Endlich können wir mit unserem Projekt fortfahren», so Patricio Borter. Man habe lange auf den Entscheid gewartet.

Noch diesen Herbst konnten im Chilewald 20 schlecht gewachsene Bäume durch veredelte Pflanzen ersetzt werden. In Weggis wurde der bestehende Kastanienhain Tanzenberg um 36 Bäume erweitert.

Künftig andere Bekämpfung

Dass die Kastanien-Quarantäne aufgehoben wurde, bedeutet aber keineswegs, dass die Gallwespe sich aus der Region oder gar der Schweiz verabschiedet oder sich die von ihr ausgehende Gefahr verringert hätte.

«Der Schadmechanismus gilt fortan keineswegs als ungefährlich, aber man bekämpft ihn jetzt mit anderen Mitteln», erklärt Therese Plüss vom Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst. Grund für die Aufhebung des Verschiebungsverbots sei letztlich, dass es zunehmend schwieriger geworden sei, Quarantänegebiete abzugrenzen und dort Massnahmen durchzusetzen.

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