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Private Platzierung verläuft trotz Interesse harzig

In der Waadt nehmen bald die ersten Privatleute, die sich auf einen Appell der Flüchtlingshilfe hin gemeldet haben, Vertriebene bei sich zu Hause auf.

Südostschweiz
06.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Antonio Fumagalli

Bern. – Am Anfang stand ein Interview, das Beat Meiner im Herbst 2013 der Zeitung «Blick» gegeben hat. Meiner, Generalsekretär der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SHF), appellierte angesichts eines besonders tragischen Flüchtlingsdramas, das sich kurz zuvor im Mittelmeer ereignet hatte, an die Solidarität der Schweizer Bevölkerung. «Die private Unterbringung von Flüchtlingen ist eine sehr direkte und menschliche Form der Hilfe», sagte er.

Der Aufruf, der gar nicht als solcher geplant gewesen war, verlief nicht ohne Widerhall: Gemäss Angaben der SHF meldeten sich bislang über 200 Privatleute. Sie alle erklärten sich bereit, Flüchtlinge bei sich zu Hause unterzubringen. In aufwendiger Einzelarbeit überprüft die SHF nun die Unterkünfte der potenziellen Gastgeber auf ihre Tauglichkeit zur Aufnahme von Flüchtlingen.

Ein grosszügiges Zuhause allein reicht jedoch nicht aus, um Flüchtlinge bei sich aufnehmen zu können – mindestens so wichtig ist die persönliche Eignung. «Es ist sicher nicht einfach, mit fremden Leuten zusammen zu leben», sagt Meiner. «Sowohl die Gastgeber als auch die Flüchtlinge sollten deshalb genau wissen, worauf sie sich einlassen.» Dass sich Personen aus finanziellem Interesse melden könnten, schliesst Meiner aus – dafür seien die Entschädigungen von den Behörden zu niedrig.

Trotz des verhältnismässig grossen Interesses konnten im Rahmen der jüngsten Flüchtlingshilfe-Initiative bisher keine Vertriebenen bei Privatleuten untergebracht werden. Das wird sich aber bald ändern: Am weitesten fortgeschritten ist das Projekt im Kanton Waadt. «Es wird in den nächsten Tagen und Wochen zu Begegnungen zwischen Flüchtlingen und evaluierten Gastgebern kommen. Dabei soll festgestellt werden, ob die Parteien zusammenpassen», bestätigt Meiner.

Dass die Platzierung derart schleppend verläuft, erklärt sich die SHF mit den umfassenden Abklärungen, die vor einer Platzierung getroffen werden müssen. Denn ohne die Einwilligung der Kantone läuft nichts. Diese sind grundsätzlich frei, über die Modelle der Betreuung von Flüchtlingen zu entscheiden. Wie das Staatssekretariat für Migration auf Anfrage schreibt, wirft die Unterbringung bei Privatpersonen «beispielsweise die Frage auf, wer die Verantwortung trägt für das Wohl der Asylsuchenden oder für die Einschulung der Kinder».

Ohne den Rückhalt der kantonalen Behörden kann die Flüchtlingshilfe keine Vertriebenen platzieren – denn funktioniert das Zusammenleben nicht, müssen diese eine andere Unterkunft bereithalten. So geschehen in Zürich im Rahmen einer privaten Initiative. Ein Gastgeber zeigte sich überaus irritiert darüber, dass sich die Mutter einer syrischen Familie jeweils sofort verschleierte, wenn er den Raum betrat. «Wir versuchen deshalb, bereits im Vorfeld auf solche kulturellen Unterschiede aufmerksam zu machen», erklärt Meiner weiter.

Trotz des harzigen Starts: Von einem Misserfolg ihres Projekts will die Flüchtlingshilfe nicht sprechen. Man sei sich der Schwierigkeiten bewusst gewesen, so Meiner. Eine erste Bilanz will man Ende Jahr ziehen – Ziel sind «schweizweit bis dann mindestens 30 Platzierungen».

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