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Prinz Charles hat seine Gondel an die Werbung verloren

Der bekannteste Feriengast von Klosters ist Prinz Charles. Zu seinen Ehren wurde vor Jahren eine Kabine der Gotschnabahn auf «Prince of Wales» getauft. Die geadelte Gondel gibt es nun nicht mehr; der Schriftzug musste Werbung Platz machen.

Südostschweiz
07.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Béla Zier

Klosters-Serneus. – Als Prinz Charles früher mit seinen inzwischen längst erwachsenen Söhnen Harry und William in Klosters Skiferien verbrachte, war medienmässig die Hölle los. Fotografen aus aller Welt balgten sich um Exklusivbilder und Journalisten suchten sich mit noch so banalen Details in ihrer Berichterstattung zu übertrumpfen. Etwa, ob der englische Thronfolger noch immer seinen alten Skianzug trägt. Das ist lange her.

Wenn sich Prinz Charles heute in Klosters beim Skifahren vergnügt, und das macht er nach wie vor, werden keine offiziellen Medientermine mehr organisiert. An den weltbekannten royalen Stammgast erinnerte dafür stets eine Kabine der Klosterser Gotschnabahn, die den Namen «Prince of Wales» trug. Vor 27 Jahren war die Gondelkabine auf diesen Namen getauft worden, erinnert sich Christian Mathis, ehemaliger Direktor der Gotschnabahn: «Prinz Charles, seine Freunde aus Klosters sowie die örtliche Crème de la Crème waren an dem Anlass anwesend.» Es habe dann auch immer wieder Gäste gegeben, die extra an der Talstation gewartet hätten, damit sie mit der «Prince of Wales» zu Berge fahren konnten. Damit ist es jetzt vorbei.

Werbe-Kabine ein «Schandfleck»

Seit Beginn dieser Wintersaison erinnert nichts mehr an die einstmals rote Kabine mit dem auffälligen Schriftzug «Prince of Wales». Stattdessen wurde der Bergbahn rundherum das Logo einer internationalen Vermögensverwaltungsgesellschaft verpasst. Der «Prince of Wales» musste also Werbung weichen. Das kommt in Klosters nicht sonderlich gut an. Ein langjähriger Feriengast machte seinem Ärger bereits in einem Leserbrief in der «Klosterser Zeitung» Luft und bezeichnete die schwebende Litfasssäule unverblümt als «Schandfleck». Werbung in «diesem Ausmass und für dieses Produkt ist völlig fehl am Platz und gehört sicher nicht zu und auf Gotschna», hielt der frustrierte Stammgast weiter fest.

Bei der Davos Klosters Bergbahnen AG macht man wirtschaftliche Gründe für den Abschied von der «Prince of Wales» geltend. Wie viel mit dieser Werbung verdient wird, dazu wollte sich das Unternehmen auf Anfrage nicht äussern. Es wäre aber nicht ihre einzige Bergbahn, die für Werbezwecke genutzt werde und die daraus anfallenden Einnahmen seien «nicht Nichts».

Wie reagiert der Thronfolger?

«Es ist sicher schöner, wenn man die rote Bahn hat. Das wollen und können wir nicht abstreiten. Wir sind aber nicht nur da, um schön zu sein. Wenn es uns schlecht geht, bringt das der ganzen Destination Davos/Klosters nichts, und das liegt auch nicht im Interesse der Klosterser. Wir stehen in der Pflicht, dass es uns wirtschaftlich gut geht. Das darf man nicht vergessen», teilte Frédéric Petignat, Mediensprecher der Davos Klosters Bergbahnen AG, mit. Ist man der Meinung, dass Prinz Charles dafür Verständnis hat? Petignat: «Das werden wir sehen. Wir schätzen Prinz Charles sehr und würden uns freuen, ihn wieder bei uns begrüssen zu dürfen. Die Platzierung von Werbung ändert natürlich nichts an unserer Wertschätzung gegenüber dem englischen Königshaus.»

Die in Klosters lebende Clair Southwell kennt Prinz Charles seit vielen Jahren und organisierte früher die Medienanlässe für das englische Königshaus in Klosters. «Es ist schade, dass der Name auf der Kabine weg ist. Man versteht schon, dass die Bergbahn das Geld braucht, aber die rote Gondel ‘Prince of Wales’, das war Klosters», sagte Southwell auf Anfrage. Was würde wohl Prinz Charles zum Verschwinden seiner Gondelkabine sagen? Southwell dazu: «Ich denke, dass es für ihn schon ein bisschen eine Überraschung sein wird, wenn er nach Klosters kommt. Er ist sehr wichtig für Klosters.»

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