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Plastiksäcke – die Mode der Zukunft?

arbeit Ein Kleidungsstück, lediglich aus Recyclingmaterial: Mit Bügeleisen und Plastiksäcken bewaffnet, machte sich Viviane Widmer ans Werk und schnitt drauflos.

Südostschweiz
30.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Sandrine Hedinger

Aus Alt mach Neu: Viviane Widmer strahlt, wenn sie von ihrer Fachmaturitätsarbeit als Schülerin des Theresianums Ingenbohl erzählt. «Kleider machen heute!», so der Titel ihrer Arbeit. Darin stellt sie sich die Frage: Wie kann man ein Kleidungsstück ausschliesslich aus Recyclingmaterialien herstellen? Ihre Bedingungen waren, möglichst keine neuen Materialien zu verwenden und nicht zu nähen. Nach einigem Rumprobieren stand für sie fest, dass sie einen Poncho aus gebrauchten Plastiksäcken herstellen will. «Zuerst wollte ich noch Futtersäcke dafür verwenden, aber deren Duft war so … na ja. Er hat mich auf jeden Fall wieder von dieser Idee abgebracht», lacht sie.

Kapuze als Herausforderung

Sodann machte sie sich an die Arbeit, beschaffte sich gebrauchte Plastiksäcke in Geschäften, druckte sich ein Schnittmuster aus, passte jenes an und schnitt die Grundgrösse für ihren Poncho zu. «Der Poncho besteht aus zwei Schichten: einer Grundgrösse und einer zweiten Schicht für die Stärke, die Farbe und das Muster», erklärt die 18-Jährige. Damit die einzelnen Stücke aus Plastik auch zusammenhielten, behalf sie sich mit dem Bügeleisen und verwendete Backpapier als Schutz. Ganz so einfach war das allerdings nicht: «Ich wagte mich nicht von Anfang an ans Original und fertigte deshalb zuerst einen Prototyp an. Da habe ich zu Beginn schon mal ein Loch reingebrannt», gibt sie zu.

Mehrere Stunden hat sie mit dem Bügeleisen in der Hand verbracht, einige Stellen hielten schnell, andere waren schwieriger. So zum Beispiel die Kapuze. Diese war die grösste Herausforderung und gleichzeitig auch der lustigste Teil der Arbeit. «Den Halsausschnitt des Ponchos hatte ich schon, und die Kapuze musste einfach noch irgendwie dran», lacht Viviane Widmer. «Ich habe dann das Backpapier reingedrückt und versucht, nichts zu schmelzen, die Naht gleichzeitig flach aufeinanderzudrücken und irgendwie den nötigen Halt zu erreichen.» Manchmal sei es ein bisschen ein «Knorz» gewesen, doch «irgendwie hat es dann doch geklappt».

Mode aus Recycling-Materialien

Das Schönste an der Arbeit ist für sie das fertige Produkt. «Der Poncho ist im Endeffekt wirklich so herausgekommen, wie ich ihn mir vorgestellt habe», erzählt Viviane Widmer weiter. Ob sie ihn auch im Alltag anziehen würde? Sie lacht: «Wenn ich nichts anderes hätte und es draussen regnet, dann würde ich ihn anziehen», fügt aber sofort an: «Nein, nein, so schlimm ist es nicht.» Sehr farbig sei er, und aufgrund des Materials etwas «gstabig», doch das Ergebnis lässt sich sehen.

Im Theorieteil ihrer Arbeit hat sie sich hauptsächlich mit Recycling und der Mode der Gegenwart und der Zukunft beschäftigt. «Dazu habe ich mich auch umgehört, und die Mehrheit der Befragten stellt sich die Mode der Zukunft leuchtend und abstrakt vor.» Sie selbst vermutet, dass recycelte Materialien zukünftig vermehrt für Mode zum Einsatz kommen. «Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass sich Plastiksäcke als Grundmaterial ernsthaft durchsetzen werden.»

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