Panaritium ist und bleibt ein Problem
Das Panaritium ist eine typische Sommer- erkrankung des Rindviehs, die nicht nur den Bauern, sondern auch den Älplern, die für das Wohl der Tiere zuständig und verantwortlich sind, Sorgen bereitet. Und zwar Sommer für Sommer und das seit Generationen.
Das Panaritium ist eine typische Sommer- erkrankung des Rindviehs, die nicht nur den Bauern, sondern auch den Älplern, die für das Wohl der Tiere zuständig und verantwortlich sind, Sorgen bereitet. Und zwar Sommer für Sommer und das seit Generationen.
Von Edy Walser
Beim Panaritium, auch bekannt unter dem Namen «Stafellähme», handelt es sich um «eine entzündliche Schwellung des Zwischenklauenspaltes, hervorgerufen durch eine bakterielle Infektion». Diese kann sich über den ganzen Klauen ausbreiten und zu Lahmheiten führen, die den betroffenen Tieren den Weidgang erschweren und bei den Milchkühen demzufolge zu erheblichen Ertragseinbussen führen können.
Dass vom Panaritium mehrheitlich die Hinterklauen eines Tieres betroffen werden, ist kein Zufall, sind doch in diesem Bereich die Verletzungsgefahren am grössten, insbesondere auf steinigen Wegen und Weiden. Verletzungen im Klauenbereich sind nach Auskunft von Kantonstierarzt Rolf Hanimann «die idealen Eintrittspforten für die Bakterien», die auf den Alpen – auf den Kuhalpen insbesondere rund um die Melkstände und Schermen – reichlich vorhanden sind. Da diese mit dem Kot (Mist) ausgeschieden werden, spielt es keine Rolle, ob das Wetter extrem heiss und trocken oder nass und kalt ist.
Eine Selbstverständlichkeit
Die wirksamste Behandlung eines lahmen Tieres wäre nach wie vor eine tierärztliche Behandlung vor Ort, dass heisst auf der Alp in einem Klauenstand. Dabei wird der Infektionsherd ermittelt, beseitigt und die Schwellung mit einer entsprechenden Tinktur behandelt und mit einem «Klauenverband» versehen. Diese Behandlungen, die früher eine Selbstverständlichkeit waren, seien heute «Wunschdenken», so Hanimann.
Wunschdenken einerseits aus Gründen des grossen Aufwandes, den eine Klauenstandbehandlung in der Alp verursacht und andererseits, weil infolge der heutigen Freilauf-Haltungsformen ein Teil der Tiere nicht so einfach ans Seil genommen und in den Klauenstand geführt werden kann wie das früher der Fall war.
Die lahmen Tiere müssen aber auf jeden Fall behandelt werden. Das heisst im Klartext, sie müssen mit einem wirksamen Medikament, sei es mit einem Antibiotikum oder mit einem homöopathischen Mittel, versorgt werden. Da das Panaritium durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird, liegt es auf der Hand, dass mehrheitlich Antibiotika eingesetzt werden.
Wenn sich die Tiere nicht auf der Weide behandeln lassen, müssen sie zuerst mit einem Beruhigungsmittel, das mittels eines Blasrohrs oder einer «Narkosewaffe» appliziert wird, sozusagen ausser Gefecht gesetzt werden. In anderen Worten: Es muss zuerst die Möglichkeit zu einer korrekten Untersuchung des Tieres geschaffen werden, damit ihnen das Medikament im Falle einer Infektion auch gespritzt werden kann. In Absprache mit den Tierärzten verfügen die Alpen heute über die notwendigen Medikamente, die von den entsprechend ausgebildeten Älplerinnen und Älplern selber verabreicht werden können.
Werden auf einer Alp Tierarzneimittel verabreicht, so müssen diese Verabreichungen in einem Behandlungsjournal festgehalten werden, mit Datum der Verabreichung, Kennzeichnung der behandelten Tiere, Menge des verabreichten Mittels.
Systematische Pflege
Ein probates Mittel, das sich bei der Bekämpfung des Panaritiums seit Generationen bewährt hat und von Tierärzten und Fachleuten auch heute noch dringend empfohlen wird, ist eine systematische Klauenpflege. Bewährt haben sich auch die Klauenbäder, die beim Alpauftrieb und gegebenenfalls auch während der Alpung angewendet werden. Und zwar auf verschiedenen Alpen und das mit sichtbarem Erfolg.
«Das ändert aber nichts daran: Panaritium ist und bleibt ein Problem für die Alpwirtschaft», erläutert Kantonstierarzt Hanimann weiter.
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