Paddy der Papageitaucher ist wieder glücklich zu Hause
Ein Papageitaucher hat sich nach Montreal verirrt. Die abenteuerliche Reise des kleinen Vogels bewegt ganz Kanada. Jetzt ist Paddy wieder nach Hause zurückgekehrt.
Ein Papageitaucher hat sich nach Montreal verirrt. Die abenteuerliche Reise des kleinen Vogels bewegt ganz Kanada. Jetzt ist Paddy wieder nach Hause zurückgekehrt.
Von Jörg Michel
Calgary. – Die Passantin war gerade beim Einkaufen im Zentrum der Millionenmetropole Montreal, als sie eine ungewöhnliche Entdeckung machte: Auf einem Gehsteig mitten in der Innenstadt tappte ein kleiner Vogel mit weissem Brustgefieder, krummem Schnabel und Schwimmhäuten zwischen den Zehen nervös auf und ab. Immer wieder versuchte er abzuheben, aber das Fliegen wollte ihm einfach nicht gelingen. Da schnappte sich die Passantin den Vogel und brachte ihn in ein Tierheim. Dort trauten die Tierpfleger ihren Augen nicht: «Es war ein junger Papageitaucher, ein echter Papageitaucher», berichtete die Leiterin Susan Wylie im kanadischen Fernsehen. Einen solchen Vogel aber hatten sie in Montreal noch nie zuvor gesichtet. Papageitaucher leben normalerweise auf dem offenen Meer und brüten an den felsigen Küsten des Nordatlantiks. Vom dort aus können sie problemlos zum Flug abheben – nicht aber vom Land.
Zusammenstoss mit Schiff?
Doch wie nur kam der kleine Papageitaucher in die Downtown von Montreal? «Wir glauben, dass er auf dem Meer mit einem grossen Frachtschiff zusammengestossen ist, denn er hatte Anzeichen einer Gehirnerschütterung», meinte Wylie nach einer ersten Untersuchung. «Dann ist er wahrscheinlich benommen und als blinder Passagier an Bord des Schiffes durch den Sankt-Lorenz-Strom bis hierher gefahren.» Eine weite Reise: Die Atlantikküste liegt etwa 2500 Kilometer entfernt.
Das Ganze ereignete sich Mitte Dezember. Danach bewegte das Schicksal des possierlichen Jungvogels ganz Kanada. Beinahe täglich schaffte es der Irrflieger in die grossen Abendnachrichten, Kamerateams verfolgten seine Genesung auf Schritt und Tritt. Auch einen Namen haben die Tierschützer dem etwa ein Jahr alten Vogel mittlerweile gegeben: Paddy der Papageitaucher.
Rückreise auf der Hängematte
Zunächst versorgten die Pfleger Paddy zu Hause in einer Badewanne. An Weihnachten dann schickten sie ihn auf die Heimreise: An Bord einer beheizten Frachtmaschine wurde Paddy zurück an die Ostküste bis nach Neufundland geflogen – in einem eigens für ihn angefertigten Spezialcontainer mit einer Art Hängematte gegen den Stress. Als die Mitarbeiter einer Vogelwarte dort den Container öffneten, wirkte Paddy zwar etwas unsicher, war aber bester Gesundheit.
Wieder bei den Artgenossen
In den folgenden Wochen reinigten Vogelkundler Paddys Gefieder und päppelten ihn wieder auf. «Paddy war abgemagert. Die Tortur der lange Reise hatte ihn ganz schön geschwächt», berichtete Stan Tobin von der Vogelwarte in Ship Cove. Doch Paddy zeigte gesunden Appetit und frass etwa zehn Lodden – das ist ein kleiner Fisch – am Tag. Bis er gestärkt war für die letzte Etappe seiner abenteuerlichen Reise.
Diese letzte Reiseetappe fand nun am Wochenende statt: An Bord der «Leonard Cowley», einem Schiff der kanadischen Küstenwache, wurde Paddy zurück aufs Meer gefahren. Vor die Neufundlandbänke etwa 200 Kilometer von der Küste entfernt, in eine Gegend mit warmen Meeresströmungen und zahlreichen Kolonien mit Artgenossen. Dort öffnete der Kapitän seinen Käfig und liess ihn fliegen. Jetzt ist Paddy wieder daheim.
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