«P26-Widerstand musste geheim bleiben»
Kanton Er war damals in das System des geheimen Widerstands eingebaut: Alfred Segessenmann gehörte zur P26, die als «Geheimarmee» einen Skandal ausgelöst hat.
Kanton Er war damals in das System des geheimen Widerstands eingebaut: Alfred Segessenmann gehörte zur P26, die als «Geheimarmee» einen Skandal ausgelöst hat.
josias clavadetscher
Er tritt ruhig auf, überlegt, bescheiden und ist für seine 86 Jahre ausgesprochen fit: Alfred Segessenmann. Als Bauernsohn in Yverdon aufgewachsen, zweisprachig, schlug er eine militärische Laufbahn ein und wurde Instruktions-Offizier bei den Dragonern und ab 1974 bei den Leichten Truppen in Schwyz. Und Segessenmann war Mitglied der geheimen Widerstandsorganisation P26, als Ausbildner für Funker. Jetzt hat er erstmals an einem Vortrag darüber gesprochen. Bis vor Kurzem war alles noch geheim.
Die P26 ist als eine Nachfolgeorganisation der «Aktion nationaler Widerstand», die 1940 aus begreiflichen Gründen ins Leben gerufen worden ist, entstanden. In den 50er-Jahren wurde daraus ein «Spezialdienst», in den 60er- Jahren die Organisation UNA, ab 1978 dann die P26. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges hatte sie den Auftrag, im Falle einer Besetzung der Schweiz und dem Wechsel des Bundesrats ins Exil in Irland den Widerstand vor Ort zu führen. Dazu wurden Depots mit Pistolen, Maschinenpistolen, Sprengstoff, Gold, Funkgeräten und Kartenmaterial angelegt. Organisiert war die P26 in 40 aktiven und 40 schlafenden Zellen. Aktiv dabei waren zuletzt 320 Personen.
EMD-Chef wusste nichts davon
Als der Fall Kopp und die Fichenaffäre aufflogen, stiess die Puk des Parlaments auf einem Nebengeleise auch auf diese P26. Der Skandal war perfekt. Auch die Mitglieder der Organisation seien damals ob der Enttarnung «sehr erschrocken», sagte Segessenmann. Die P26 konnte sich zwar auf einen Auftrag des Bundesrats berufen, aber die demokratische Legitimation und logischerweise auch die Kontrolle fehlten. Segessenmann betont dazu, dass eine geheime Widerstandsorganisation ja nur auf diesem Weg aufgebaut werden konnte. Mit Kenntnis des Parlaments wäre sie nicht mehr geheim gewesen. Allerdings hatte 1990 auch der Bundesrat keine Kenntnis davon, nicht einmal EMD-Chef Kaspar Villiger. Gemäss Segessenmann wussten einzig fünf Parlamentarier und von den Bundesräten Jean-Pascal Delamuraz und Alphons Egli davon, weil sie selber Mitglieder gewesen sind. Nach der Enttarnung der P26 wurde sie umgehend aufgelöst. Sie musste sich Vorwürfe als «Geheimarmee» gefallen lassen, die angeblich auch einen Putsch hätte ausführen können. Wie die Kommandostrukturen und Kompetenzen genau ausgesehen haben, das ist bis heute nicht bekannt. Die Akten bleiben bis 2041 unter Verschluss, aus Datenschutzgründen, weil nicht die Mitglieder aller Zellen mit der Veröffentlichung einverstanden sind. Die damaligen Mitglieder haben heute jedoch Redeerlaubnis. Da allerdings die einzelnen Zellen alle streng voneinander abgeschirmt gewesen waren, kann so auch kein Überblick entstehen.
Kanton hat P26er verdankt
Alfred Segessenmann allerdings bestätigt, dass die Regierungen von Uri und Schwyz vor einigen Monaten den damaligen P26-Mitgliedern dieser beiden Kantone an einer Feier im Landratssaal in Altdorf die erbrachten Leistungen verdankt haben. Auch weiss Segessenmann, dass die Zelle in Schwyz vor Ort durch den damaligen Juristen, Küssnachter Bezirks- und Kantonsrat Edwin Simon organisiert und geführt worden ist und in Schwyz Albert Marty zur P26 gehört hat.
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