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Niemandsland – eine Lektüre über die Schweizer Bankenbürokratie

Dieser Leserbrief ist nicht gegen die sehr freundlichen, hilfsbereiten und leider aber auch ratlosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von UBS und Credit Suisse in Chur gerichtet.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Ich rege mich auch nicht mehr auf, sondern breche es ganz einfach auf eine kleine lustige Lektüre über das Schweizer Bankensystem herunter.

Im Ausland wohnhaft und für das Eidgenössische Departement für ausländische Angelegenheiten tätig, im Dienste der Eidgenossenschaft also, wollte ich für mich und meine Lebenspartnerin ganz einfach ein Lohnkonto in der Schweiz eröffnen. Erwähnt sei an dieser ­Stelle, dass ich meinen Lohn in der Schweiz erhalte, eine Krankenkasse und auch Konten in der Schweiz ­besitze und auch Steuern zahle. Ich gehöre auch nicht zu denen, welche der Schweiz den Rücken kehrten und «auf und davon» gingen ins Ausland, oder nennen wir es ­Niemandsland, da ich nur mit der Schweiz verwurzelt bin und im Niemandsland lediglich meinen Dienst fürs Vaterland verrichte.

Guten Mutes begab ich mich also in die Credit-Suisse-Niederlassung in Chur. Nach längeren Abklärungen erhielt ich letztlich die ernüchternde Erkenntnis, dass die Eröffnung eines Lohnkontos für mich leider nicht möglich sei, da ich keinen Wohnsitz in der Schweiz hätte. Selbiges bei der UBS in Chur. Beide Banken verwiesen mich zu guter Letzt an die Bankstelle in Zürich, bei welcher dies möglich sein sollte.

Obschon ich lediglich meinen Lohn einer Schweizer Bank zur Verwaltung anvertrauen wollte, stellte ich mir dann doch die Frage, wie denn etwa ein gewisser Herr aus München sein Vermögen im Millionenbereich bei Schweizer Banken hinterlegen konnte? Ohne Schweizerpass, ohne in der Schweiz Bundessteuern zu bezahlen, ohne eine Krankenkasse zu besitzen, ohne im Dienste der Eidgenossenschaft tätig zu sein und nicht zuletzt ohne Wohnsitz in der Schweiz? Die ­Antwort erhielt ich von der CS: Ein Konto zu eröffnen, wäre auch für mich möglich – eben in Zürich – aber mit einer ersten Einlage von mindestens 250 000 Franken. Da ich nicht in derselben Liga spiele, kommt dies für mich nicht infrage.

Etwas vertraut mit den An- und Abmeldemöglichkeiten sollte ich während meines noch laufenden ­Ferienaufenthaltes in meiner Heimat die Option offen lassen, mich in Chur anzumelden, das Konto zu eröffnen und nach Erhalt der Karte meinen Wohnsitz kurzerhand wieder ins Ausland zu verlegen. Ich ­werde dies jedoch nicht tun, denn es wäre ein bürokratischer, Steuergelder verschlingender Aufwand. So ­belasse ich meinen Wohnsitz vorerst im Niemandsland, das Geld unter meinem Kopfkissen aufbewahrt, um dann bei Notwendigkeit wieder eine Schweizer Bank zu retten!

Ich war an besagter Vernissage bis zum Ende, etwa 21.30, Uhr, anwesend. Der «Streit» zwischen Wolfram Frank und Menga Dolf währte nicht länger als circa zehn Minuten. Ich kann bezeugen, dass Frank ­weder ein Bild Dolfs von der Wand gerissen hat, noch irgendjemand bedroht hat und schon gar nicht tätlich wurde.

Ich kenne Wolfram Frank und Menga Dolf seit über 30 Jahren und schätze beide! Es tut mir leid, dass eine ehemalige Liebes- und intensive Arbeitsbeziehung nun zu einem solchen späten, völlig übertriebenen und offenbar kulturpolitisch instrumentalisierten Echo in der «Südostschweiz» führt.

In einem Zeitungsinterview mit Pascal Jenny, Tourismusdirektor von Arosa, gibt dieser zu Protokoll, dass die Loyalität und Begeisterung der Schweizer für die Region Arosa das zentrale Standbein für Arosa sei. Nach der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro ist diese Erkenntnis ein überlebenswichtiger Punkt für Arosa.

Ich selber gehöre auch zu diesen «Begeisterten» – was sich jedoch der Gemeindevorstand mit dem neuen Tourismusgesetz leistet, grenzt an Selbstmord. Ausgerechnet den treuesten der Treuen – welche bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit in ihre Wohnungen nach Arosa kommen – werden in dieser heiklen Zeit mit einer über 80 Prozent teureren Gästetaxe bestraft. Das wird sich mit ­Sicherheit kontraproduktiv aus­wirken. Arosa Kunden werden die Mehrausgaben einfach auf andere Weise einsparen (zum Beispiel weniger Restaurantbesuche/Ski­ausrüstungskauf im Outlet usw.).

Dem Gemeindevorstand und auch Arosa Tourismus möchte ich zurufen: Gehen Sie in diesen schwierigen Zeiten mit ihren treuen Kindern sehr vorsichtig um, sonst verlieren sie diese auch noch.

Ein städtischer Platz ist definiert durch seine Randbebauung. Klare, strenge Baukörper in geschlossener Bauweise begrenzen eine ruhige Fläche. So wird es in Europa seit Jahrhunderten gemacht. Nicht so in Chur. Der Bahnhofplatz ist überstellt mit einer überdimensionierten Verkehrsinfrastruktur, mit Stolperkanten, Treppen und Dächern. Die spitzwinkligen, dunklen Bauten im Osten lassen den Platz hier verlaufen. Und jetzt noch «Capricorn». Zwei selbstgefällige Rundlinge ­anstelle der heutigen Front von «Steinbock» und Axa-Gebäude sollen am Platz zu stehen kommen.

Dass die Investoren einen Wettbewerb durchgeführt haben, ist lobenswert. Sieben Architekturbüros haben ihre Entwürfe eingereicht. Leider wurden die Arbeiten nicht – wie üblich – der Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert. Der Ort und seine Zukunft sind jedoch von grosser Bedeutung im Stadtbild und somit im öffentlichen Interesse. Eine Diskussion über die Gestaltung der Häuserzeile am Bahnhofplatz ist notwendig. Die Verantwortlichen von Stadt und Bauherrschaft werden gebeten, im Interesse eines harmonischen Stadtbildes, diese Diskussion einzuleiten.

Das WEF war ursprünglich zweifellos eine gute Sache. Inzwischen aber kostet die Durchführung Unsummen von Geld. Die einen profitieren, machen riesige Umsätze, ­andere haben das Nachsehen und sind noch gut genug, die Defizite zu tragen. Es ist auch etwas vom Fundament gerutscht, denn vielen geht es ja nur noch um sehen und gesehen werden. Nach Versprechen und Forderungen müssten eben auch die richtigen und nachhaltigen ­Lösungen folgen.

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