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Nicht erst der Tod liess ihn zur Legende werden

Bereits zu Lebzeiten war er die Stimme der Unterdrückten – in vielen Ländern der Welt ist das der jamaikanische Musiker Bob Marley auch noch 30 Jahre nach seinem Tod. Marley starb am 11. Mai 1981 an Krebs.

Südostschweiz
11.05.11 - 02:00 Uhr

Von Uwe Käding

Kingston. – «Jamming», «Get Up, Stand Up», «Stir It Up», «No Wo- man No Cry», «Redemption Song», «War», «No More Trouble» – Bob Marley und seine Wailers schufen zwischen 1967 und 1981 einen bis heute faszinierenden Musikkatalog. Damit nicht genug. «Er ist weit mehr als ein berühmter Musiker, er ist nun ein Philosoph und Prophet», erklärte kürzlich der schottische Filmemacher Kevin Macdonald. Der Regisseur will noch in diesem Jahr einen Film über die Musik-Ikone herausbringen, der schlicht «Marley» heissen soll.

Zwischen Erster und Dritter Welt

Kein anderer Rockmusiker ist zu so einer Ikone der Freiheit geworden wie Marley. Seine Songs trafen in den Elendsvierteln der Entwicklungsländer auf einen anderen Resonanzboden als auf den Tanzflächen der Ersten Welt. Aber dem Reggae-Musiker aus Jamaika gelang der Brückenschlag zwischen diesen Welten. Seine Musik hat sich ihren Weg in alle Winkel der Welt gebahnt. Der Toningenieur Mark Johnson nahm bei seinem 2009 veröffentlichten globalen Strassenmusiker-Projekt «Playing For Change» die Marley-Songs «War/No More Trouble» auf. Überall, wo er hinreiste, war Marley schon da, berichtete er: «In Dharamsala fand ich einen Plattenladen – alles voller tibetischer Musik und in der Mitte: Bob Marley.»

Am 23. September 1980 spielte Marley mit den Wailers in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania sein letztes Konzert. Die 3500 Fans im Stanley Theatre ahnten nicht, dass die Ärzte dem Reggae-Star zwei Wochen zuvor, nachdem er in New York zusammengebrochen war, nur noch zwei Wochen zu leben gegeben hatten. In Pittsburgh trieb Marley die Wailers gegen Ende des Konzerts in einem hohen Tempo durch «Jamming» und «Exodus», sang souverän zur akustischen Gitarre den «Redemption Song» und brachte den Saal am Schluss mit «Get Up, Stand Up» zum Brodeln. Dieser Teil ist auf der zweiten CD des nun als Doppelalbum erschienenen letzten Konzertmitschnitts «Live Forever» zusammengefasst.

Fataler Fussball

Marleys Musik ist mit der Rastafari-Religion verbunden, die sich auf die Bibel beruft und auf eine Rückkehr der Schwarzen nach Afrika hofft. Im November 1980 trat er zum Rastafari-Glauben über und liess sich in der äthiopisch-orthodoxen Kirche in Kingston auf den Namen Berhane Selassie taufen.

Im Dezember 1980 flog er zu einer Krebsbehandlung nach Bayern. Es war zu spät, Marley hatte den Krebs zu lange nicht behandeln lassen. Er soll – so steht es in der offiziellen Biografie – aus einer Zehenverletzung entstanden sein, die sich Marley 1977 beim Fussballspielen zuzog. Er schaffte es nicht mehr von Bayern nach Kingston und starb am 11. Mai 1981 nach einer Zwischenlandung in Miami. Er wurde 36 Jahre alt. In Jamaika erhielt er ein Staatsbegräbnis.

Ungeklärter Mordanschlag

1976 überlebten Marley, seine Frau und sein Manager verletzt einen Mordanschlag in Jamaika. Der Hintergrund wurde nie aufgeklärt. Als Ursache vermutet wurde unter anderem seine Zusage für ein Friedenskonzert in Kingston, das von einer politischen Partei veranstaltet wurde. Marley trat trotz seiner Verletzung auf.

Marley war seit 1966 mit der Sängerin Rita Anderson verheiratet, mit der er vier Kinder hatte, ein weiteres wurde adoptiert. Zwölf uneheliche Kinder anerkannte er. Mehrere seiner Nachkommen sind auch als Musiker erfolgreich.

Weitere Infos auf www.bobmarley.com.

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