×

Nepp im Nest – wie der Kuckuck andere arbeiten lässt

Kinder zu versorgen, kann ziemlich anstrengend sein. Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester und spart sich damit die lästige Brutpflege.

Südostschweiz
29.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Mike Nilles

Sein Balzruf ist sein Name. Er kündigt meistens den bevorstehenden Frühling an. Die meisten haben ihn schon gehört. Doch die wenigsten wissen, wie er aussieht. Die Rede ist vom Kuckuck. Er gehört zu den bekanntesten Vögeln in Europa. 2001 war er sogar Vogel des Jahres in der Schweiz. Berüchtigt ist vor allem sein unsoziales Verhalten. Er legt seine Eier in fremde Nester und lässt andere Vögel die Nachkommen ausbrüten und versorgen.

Geschickter Tausch

Dazu geht die Kuckucksdame ziemlich listig vor. Sie sucht sich meistens die Vogelart aus, von der sie selbst grossgezogen wurde. Sie späht das Nest aus und wartet, bis die Vogelmutter ausgeflogen ist. Dann wird schnell ein Ei dazugelegt. Vor dem Weiterflug wirft sie noch ein bis zwei Eier aus dem Nest. Denn manche Vögel können zählen und würden den Betrug nach ihrer Rückkehr bemerken. Das Kuckucksei ähnelt den anderen Eiern ausserordentlich gut. Oft ist es etwas grösser. Aber viele Vögel merken von dem Tausch nichts und brüten zufrieden alle Eier aus. Meistens schlüpft das Kuckuckskind zuerst. Es benimmt sich sofort wie ein Scheusal. In den ersten Lebenstagen rollt es alle anderen Eier aus dem Nest. Auch schon geschlüpfte Küken werden unsanft an den Rand gedrängt und rausgeschmissen. Das ist nicht gerade nett, aber sinnvoll.

Nahrung im Überfluss

Jetzt kann sich die Stiefmutter auf ein einziges Tier konzentrieren. So erhält das Kuckuckskind Nahrung im Überfluss und kann in kurzer Zeit grösser als seine Gastmutter werden. Selbst dann bemerkt die betrogene Mama nichts von der Fälschung. Denn der Brutpflegereflex wird durch bestimmte Merkmale wie das «Sperren» ausgelöst. Das bedeutet, dass junge Vögel ihre Schnäbel weit aufsperren. Sieht die Mutter einen offenen Schnabel, steckt sie etwas Leckeres rein, ganz gleich, wie gross das Küken ist.

Kein Bösewicht

Ist der Kuckuck nun ein Bösewicht? Natürlich nicht. Ein Tier unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse. Es handelt nach seinem Instinkt, der angeboren ist. Ausserdem sind durch diesen «Brutparasitismus» andere Vogelarten nicht gefährdet. Der Kuckuck legt in maximal 3 Prozent aller Nester einer Art sein Ei. Davon stirbt diese Art nicht aus. Eher ist der Kuckuck selbst bedroht. Seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts gehen die Bestände zurück. Ein Grund ist der Klimawandel, der stetig weiter voranschreitet. Der Frühling beginnt immer früher. Wenn der Kuckuck aus seinem Winterquartier in Südafrika zurückkehrt, haben viele seiner Wirtsvögel schon Nachwuchs bekommen. Dann ist es einfach zu spät, um noch ein Kuckucksei dazwischenzuschmuggeln.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR