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Nella Martinetti: «Mein Leben endet mit einer Schlagzeile»

Nella Martinetti lebte in der Öffentlichkeit. Sie sprach mit den Medien nicht nur über ihre Höhen, sondern auch ihre Tiefen. Tabletten- und Alkoholsucht. Krebs. Jetzt hat die Jonerin ihren Kampf gegen ihre Krankheit verloren.

Südostschweiz
31.07.11 - 02:00 Uhr

Von Willi Meissner

Rapperswil-Jona. – Mit ihrem Bastelbuch für Kinder sorgte die Joner Schlagersängerin Nella Martinetti für strahlende Kinderaugen. Im Dezember bastelte sie zusammen mit den Kindern im Joner Hummelbergkindergarten. Es war einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte.

In der Nacht auf Samstag starb die 65-jährige Schlagersängerin aus Jona im Spital Männedorf ZH. Friedlich. «Nella musste nicht leiden, sondern hat einfach aufgehört zu atmen», sagt Martinettis beste Freundin Marianne Schneebeli dem Schweizer Fernsehen. Schneebeli, Mitbewohnerin und gute Freundin, wich der gebürtigen Tessinerin bis zuletzt nicht von der Seite.

Chemotherapie selbst abgebrochen

Acht Monate gaben die Ärzte Martinetti nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs im September 2009. Zwei Jahre kämpfte die Schlagersängerin schliesslich gegen die Krankheit an. Zusätzlich belastet von ihrem Weichteilrheuma. Die Schmerzen sah man Martinetti bei ihren Auftritten an.

Martinetti beschäftigte sich vor den Augen der Öffentlichkeit mit ihrem Tod. Ebenso, wie sie es schon mit ihrer Tabletten- und Alkoholsucht getan hatte. Immer wieder landete sie auf der Titelseite verschiedener Boulevard-Zeitschriften. «Mein Leben besteht aus Schlagzeilen, eine Katastrophe», sagte sie einmal und weiter, dass es auch mit einer Schlagzeile enden würde.

Im Juni entschloss sie sich, die Chemotherapie gegen den Krebs auf eigene Verantwortung abzubrechen. Auch ihre Beerdigung plante sie bereits. Im Gegensatz zu ihrem bewegten Leben im Rampenlicht soll die aber im kleinen Rahmen in Brissago, ihrem Geburtsort, stattfinden.

Rapperswil-Jona plant Würdigung

Nach einer Ausbildung zur Kindergärtnerin konzentrierte sich die junge Martinetti auf die Musik. Sie sang vor allem Schlager. Grossen Erfolg hatte sie mit Tessiner Volksliedern. Mit «Bella Musica» errang sie 1986 beim ersten Grand Prix der Volksmusik einen Sieg für Text, Komposition und Interpretation.

Ihr Wohnort Rapperswil-Jona verliert mit Nella Martinetti eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten. Deshalb plant die Stadt, ihr Leben zu würdigen.

«Mit ihrer herzlichen Art ist Nella Martinetti in der Bevölkerung aufgefallen», sagt Stadtpräsidentin ad interim Marianne Aguilera. Man habe immer gemerkt, dass sie Tessinerin sei. Am Dienstag werde der Stadtrat eine Würdigung besprechen.

«Viele Menschen haben Anteil an dem schweren Schicksal von Martinetti genommen», sagt Aguilera. Sie sei jemand gewesen, mit dem sich viele identifizieren konnten. Weil sie die Freude und das Leid ihres Lebens nie verschwiegen habe.

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