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Nächste Runde im Preiskampf

Konsum Der tiefe Euro?erhöht den Druck auf die Grossverteiler. Sie senken in diesen Tagen die Preise von weiteren Artikeln. Für den?Konsumentenschutz geht?dies aber zu wenig weit.

Südostschweiz
23.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Ernst meier

ernst.meier@zugerzeitung.ch

Nach Obst und Früchten werden weitere Lebensmittel billiger. Coop kommuniziert dies am offensivsten. «Wir senken die Preise von über 1000 Produkten aus dem Euroraum», heisst es in der gestrigen Medienmitteilung. Der Grossverteiler verspricht, dass Poulet, Milchprodukte, Fisch, Backwaren und Blumen günstiger werden. Das betrifft 800 Produkte, deren Preise laut Mitteilung per Montag um 6 bis 21 Prozent sinken. Bei 200?Artikeln aus dem Bereich Früchte und Gemüse hat Coop bereits Anfang Woche die Preise reduziert (wir berichteten am Mittwoch).

Auch Lidl hat gestern zu einer neuen Preisrunde angesetzt: Importprodukte der Warengruppen Glace, Bier, Wurstwaren, Käse, Tiernahrung, Kosmetika und Waschmittel werden zwischen 10 und 24 Prozent billiger. Eher zurückhaltend reagieren Migros, Denner und Aldi. Sie planen zwar ebenfalls weitere Preissenkungen, wollen diese aber erst «in den nächsten Tagen bekannt geben», wie es auf Anfrage heisst.

Medienwirksame ?Preisanpassungen

«Die Detaillisten werden den Konsumentinnen und Konsumenten klarmachen, dass die Währungsgewinne, die mit dem Wegfall des Euro-Mindestkurses entstanden sind, weitergegeben werden», sagt Patricia Feubli, Analystin Detailhandel bei der Credit Suisse. Die Erfahrungen von 2011, als durch den schnellen Wertzerfall des Euro der Einkaufstourismus deutlich anstieg, würden die Detaillisten dazu zwingen, möglichst schnell und medienwirksam Preisreduktionen zu kommunizieren, ist Patricia Feubli überzeugt. Sie glaubt, dass in diesem Jahr die Umsätze der Grossverteiler ennet der Grenze mit Schweizer Einkaufstouristen erneut zulegen werden. «Das Niveau ist mit 10?Milliarden Franken Umsatz bereits sehr hoch. Trotzdem rechne ich mit zusätzlichem Wachstum, wenn der Währungsunterschied anhält.»

Verzögerung bei Marken

Dass die Grossverteiler als erstes Produkte wie Früchte, Gemüse und Fleisch verbilligen, ist kein Zufall. «Es sind jene Produkte, bei denen die Lagerbestände klein sind», sagt Patricia Feubli. Zudem würden oftmals kurzfristige Lieferverträge abgeschlossen. Dies ermögliche ein schnelles Handeln. Komplizierter sei es bei Markenartikeln und Kosmetika. Hier hat zwar Lidl bereits Vergünstigungen angekündigt. So werden Milky Way, Bounty, Mars, Snickers, Whiskas oder Heinz Ketchup zwischen 11 und 20 Prozent billiger. «Diese Preisnachlässe gehören aber eher in die Kategorie ‹Aktionen›», ist Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, überzeugt. Sie kritisiert denn auch die Anpassungen als «gute PR-Aktion und Schaumschlägerei». Die Konsumentenschützerin ist überzeugt: «In Sachen günstigere Lieferantenpreise durch ausländische Markenartikelhersteller in die Schweiz hat sich nichts geändert. Hier hätte schon längst eine Anpassung erfolgen müssen.» Das Beispiel Elektronik würde zeigen, dass die Schweiz nicht zwingend eine Hochpreisinsel sein müsse. «Elektronikprodukte sind bei uns in etwa gleich teuer wie im benachbarten Ausland», sagt Sara Stalder. Für teure Markenartikel in den Schweizer Verkaufsregalen könne man deshalb nicht einfach das hohe Lohn- und Kostenniveau verantwortlich machen.

Druck auf Neuverhandlungen

Die neue Währungssituation wird den Druck auf die ausländischen Lieferanten erhöhen. «Die Schweizer Grossverteiler kaufen vielerorts in Schweizer Franken ein», weiss Patrick Marty, von der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz. Auch bei ausländischen Lieferanten sei dies der Fall. «Entsprechend muss der Lieferant seine Preise anpassen und den Währungsvorteil seinen Schweizer Kunden weitergeben. Und diese werden schliesslich von den Grossverteilern an die Endkonsumenten weitergegeben.» Ob es bei den nächsten Verhandlungen zu Verbilligungen kommt, ist unklar. Die Marktmacht der Schweizer Grossisten dürfte aber mit dem Währungszerfall gestiegen sein, auch wenn es dem Lieferanten überlassen bleibt, die Preise anzupassen. Vor drei Jahren kam es vor, dass Detailhändler vereinzelt Produkte aus dem Regal verbannten, nachdem sie ihre Preisvorstellungen nicht durchsetzen konnten.

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