Nach Pannenserie: Jetzt kommt ein neuer Kessel
Schifffahrt Das Dampfschiff «Unterwalden» wird repariert. Nach dem Konkurs des Herstellers springt nun eine dänische Firma ein – und verlangt 200?000 Franken.
Schifffahrt Das Dampfschiff «Unterwalden» wird repariert. Nach dem Konkurs des Herstellers springt nun eine dänische Firma ein – und verlangt 200?000 Franken.
«Es ist keine Option, mit dem Kessel weiterzufahren.»
Stefan schulthess, Direktor?Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee
Roger Rüegger
Die beiden Kesselanlagen der Dampfschiffe «Unterwalden» und «Neuchâtel» werden gemäss einer Mitteilung der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) in diesem Winter durch die dänische Firma Scandinavian Boiler Service repariert – beziehungsweise umgebaut. Der Grund: Die beiden Dampfschiffe «Unterwalden» der SGV auf dem Vierwaldstättersee und «Neuchâtel» des Eigentümervereins Trivapor auf dem Neuenburger-, Murten- sowie Bielersee mussten ihren Fahrbetrieb wegen eines defekten Dampfkessels ein oder gar mehrere Male einstellen. Die «Neuchâtel» musste ihre Saison im letzten August nach drei Monaten abbrechen. Das Schiff war zuvor während rund drei Jahren für 12 Millionen Franken revidiert worden.
Heizkessel aus Italien überhitzte
Beide Schiffe sind mit einem Heizkessel der italienischen Firma Garioni Naval ausgestattet. Und beide Dampfschiffe wurden in den letzten Jahren von der Shiptec AG, einer Tochtergesellschaft der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, einer Generalrevision unterzogen – die «Unterwalden» wurde zwischen 2011 und 2009 für rund 10 Millionen Franken saniert. Die Reparaturen beinhalteten damals auch den Ersatz der Kesselanlagen für die Dampferzeugung. Aus verschiedenen «technischen und konstruktiven Gründen» kam es in der Folge aber immer wieder im Fahrbetrieb bei beiden Kesselanlagen zu Schäden im Bereich der hinteren Wendekammer, schreibt die SGV. Die hintere Wendekammer ist für die Umlenkung der heissen Verbrennungsluft zuständig und kann mit einer Abgasleitung verglichen werden.
Braucht neue Isolation
Weil der Kesselhersteller im Herbst Konkurs anmelden musste, kann er die nun nötigen Reparaturen nicht mehr ausführen. Nach einem Auswahlverfahren hat die Shiptec AG in Absprache mit den Verantwortlichen der SGV und des Vereins Trivapor nun den Dänen den Auftrag für die Arbeiten erteilt. «Wir haben viel Energie in die Auswahl gesteckt. Die Firma Scandinavian Boiler Service verfügt über eine grosse Erfahrung im Reparieren von Dampfkesseln unterschiedlichster Art», sagt Stefan Schulthess, Direktor der SGV, auf Anfrage. Die Analyse der Kesselanlagen und der bisher aufgetretenen Schäden sowie das Anstreben einer nachhaltigen Lösung führten zum Entscheid, die Konstruktion der Wendekammern abzuändern. Anstelle der bisher als Isolation verwendeten Schamottsteine werden diese Kammern bei beiden Anlagen nach dem Umbau wassergekühlt ausgeführt sein. Die Kosten für die Arbeiten betragen rund 200?000 Franken pro Schiff und werden von der SGV AG getragen.
Fahrt im April
Die 400?000 Franken sind laut Schulthess gut investiertes Geld. Die «Unterwalden» sei zwar bereits jetzt fahrtauglich, dennoch sei man bestrebt, den Kessel zu optimieren und eine technisch bessere Lösung umzusetzen, sagt er. «Nach den diversen Pannen war es für uns keine Option, mit dem bestehenden Kesselsystem weiterzufahren», so Schulthess weiter.
Das DS «Unterwalden» wird nach erfolgreichem Umbau ab Ende April 2015 auf dem Vierwaldstättersee im Fahrplaneinsatz wieder zur Verfügung stehen. Die «Neuchâtel» wird ab Ende Mai 2015 auf den Seen des Berner und des Neuenburger Juras verkehren.
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