Murmeliweg löst heute den Schmugglerpfad ab
Juf ist eine Walsersiedlung. Seit dem 13. Jahrhundert wurde das Tal vom Oberwallis her über die Berge besiedelt. «Das heutige Juf ist als erstes bewohnt worden», erzählt Dorli Menn, die für Touristen manchmal Führungen durch Juf veranstaltet und deshalb viel über die Geschichte von Dorf und Tal weiss.
Juf ist eine Walsersiedlung. Seit dem 13. Jahrhundert wurde das Tal vom Oberwallis her über die Berge besiedelt. «Das heutige Juf ist als erstes bewohnt worden», erzählt Dorli Menn, die für Touristen manchmal Führungen durch Juf veranstaltet und deshalb viel über die Geschichte von Dorf und Tal weiss.
Vorher lebten Romanen in diesem Gebiet. Es sei unklar, ob diese vertrieben wurden, ob sie von selbst gegangen oder ausgestorben sind. Etwas von ihnen ist aber zurückgeblieben: zahlreiche Orts- und Flurnamen. So kommt Juf vom romanischen «giuf», was «Joch» bedeutet, «also eine Art Übergang meint», erklärt die Jufnerin. Das Avers sei eine sprachliche Enklave, ähnlich dem Bosco Gurin: Rundherum spricht alles Italienisch oder Romanisch.
Weil der Vieh- und Warenhandel früher über die Pässe Richtung Bergell, Chiavenna und Italien abgewickelt wurde, boomte damals der Schmuggel. Eingeführt wurden Mehl, Reis, Teigwaren oder Spinnstoff, ausgeschmuggelt Holzsachen, Käse, Salz und Schokolade. 1867 wurde auf Wunsch der Averser in Avers Cröt ein Nebenzollamt eingerichtet. «Einige haben dann verzollt, andere immer noch geschmuggelt», schildert Menn. Das Nebenzollamt sei dann mit der gesamtschweizerischen Zollrevision aufgehoben worden. Das Zollhäuschen wird heute als Ferienhaus benutzt.
Eine Strasse bis nach Juf existiert seit 1895. Die neue – also heutige – Strasse folgte 1960 im Zusammenhang mit dem Bau des Kraftwerks Hinterrhein. «Der Ausbau der Strasse war ein Bestandteil des Vertrages – für uns war das ein Segen», erinnert sich Menn.
Dorli Menns Vater war der Erste, der ab 1948 das ganze Jahr über so hoch oben wohnte. Früher sind die Bewohner über den Winter nicht in Juf geblieben. Im Herbst packten sie jeweils ihren Hausrat, trieben das Vieh zusammen und zogen weiter nach unten. Der 89-jährige Vater Menn erinnert sich: «Das Umziehen mitsamt Vieh, Ziegen, Schafen und Hühnern war mühsam.» Seither wird Juf ganzjährig bewohnt und ist heute auch bei Touristen beliebt. Einige kaufen selbst alte Ställe, die sie renovieren und als Ferienhäuser nutzen. Ihnen wird auch einiges geboten. Neben einem kleinen Skilift bei Avers Cresta, unzähligen Wanderwegen und Bergseen gibt es auch einen Murmeltier-Lehrpfad bei Avers Juppa. (sm)
Infos unter: www.gemeindeavers.ch oder www.viamala.ch
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