Mit dem Hundetaxi ins Engadin
Auch Hund braucht mal Ferien. Am besten dann, wenn die Besitzer ohne ihn ans Meer fahren wollen. Doch der Vierbeiner soll nicht einfach in irgendein Tierheim. Dank dem Hundetaxi kann er in seine gewohnte Tierpension verreisen.
Auch Hund braucht mal Ferien. Am besten dann, wenn die Besitzer ohne ihn ans Meer fahren wollen. Doch der Vierbeiner soll nicht einfach in irgendein Tierheim. Dank dem Hundetaxi kann er in seine gewohnte Tierpension verreisen.
Das Hundetaxi der «Pensiun da Chans» holt und bringt seine vierbeinigen Gäste von Zürich nach Ramosch in die Ferien.
Merlyn, Zayjumi, Gypsie und Remus, die vier Hunde aus Zürich, können es kaum erwarten, nach der gut zweistündigen Autofahrt ihre Ferienkameraden kennenzulernen. Routiniert nimmt Elvira Conradin – die ausgebildete Tierpflegerin – einen nach dem anderen aus der Grossraumlimousine und verteilt sie umgehend in ihre Zwinger, wo sie von den bereits anwesenden vierbeinigen Feriengästen lautstark begrüsst werden. Kein Knurren, kein aggressives Verhalten, erstaunlich bei so vielen Hunden. «Die meisten unserer Ferienhunde kennen wir schon seit Jahren. Sie sind regelmässige Gäste, die meist zur selben Zeit kommen. Darum wissen wir auch genau, wer mit wem gut funktioniert. Und wenn mal einer Neuer dazukommt, probieren wir einfach aus», sagt Belinda Conradin, die Betriebsinhaberin und Stiftungspräsidentin des Tierheims Plan da Muglin.
<strong>Mit dem Ferientierheim</strong> Plan da Muglin hat sich Conradin einen Herzenswunsch erfüllt. «Die Ferienpension und die Stiftung für heimatlose Katzen und Hunde sind zu meinem Lebenswerk geworden», erzählt die Hundefachfrau. Vor gut 17 Jahren eröffnete Conradin in Ramosch ihr Ferienheim für Hunde und Katzen. Der befreundete Zürcher Tierarzt und Konzeptpate des Tierheims Dieter Fröhlich rührte für Conradin die Werbetrommel. Erst mit der Idee des Taxiservices füllte sich die Tierpension mit den haarigen Gästen aus dem Unterland. «Ohne das Hundetaxi hätte ich hier im Unterengadin nicht überleben können. Die Einheimischen geben ihre Hunde eher einem Nachbarn oder gehen selten in die Ferien», so Conradin.
<strong>Zweimal in der Woche,</strong> am Freitag und am Montag, fährt das Hundetaxi von Ramosch nach Zürich und bringt und holt die Ferienhunde auf der Strecke direkt zum und vom Besitzer. In Zürich sind es ausgewählte Sammeltreffpunkte, wo mehrere Hunde gleichzeitig zusteigen können. «Wir achten sehr darauf, dass ein Hund nicht länger als nötig im Auto sein muss. Darum wählen wir auch immer die Strecke durch den Vereinatunnel, im Winter wie im Sommer», erklärt Conradin. Die Kosten einer Fahrt von 135 Franken pro Hund stehen für die Hundebesitzer nicht im Vordergrund. Massgebend ist der professionelle und liebevolle Umgang mit dem vierbeinigen Familienmitglied. «Hundebesitzer können aufgrund des Verhaltens und des Aussehens ganz genau abschätzen, ob es ihr Hund im Ferienheim gut hatte oder nicht», weiss Conradin. Jeder Hund wird gewaschen und gepflegt und mit einem Bettmümpfeli zurückgebracht. «Immer wieder sagen mir die Kunden, wie toll ihr Hund nach den Ferien aussehe und wie aufgestellt er sei. Oder sie fragen was ich mit dem Hund gemacht habe, weil er besser folge als vorher und auf Abruf kommt.» Das käme nicht von ungefähr. «Ich habe zwölf Angestellte, die sich mit dem Tierpflegeberuf befassen. Bei uns arbeiten keine Aushilfen und keine Laien. Ich arbeite ausschliesslich mit Fachpersonal», sagt Conradin.
<strong>Die meisten Hundebesitzer</strong> waren noch nie persönlich in der Tierpension Plan da Muglin und das, obwohl Conradin Neukunden empfiehlt, sich vorher ein Bild des Tierheims zu machen.
«Die meisten sagen, nein das sei nicht nötig. Unsere Bekannten sind von Ihrer Tierpension begeistert. Kommen Sie unseren Hund doch einfach abholen.» So und ähnlich hörten sich die Aussagen der Neukunden an, erzählt die Hundetrainerin. Der grösste Teil sind Stammkunden die ihre Vierbeiner mehrmals im Jahr und meist zur selben Zeit in die Ferien nach Ramosch schicken. «Der Taxiservice wird sehr geschätzt. Ich habe eine riesige Gästeliste», schmunzelt Conradin.
<strong>Auf dieser Gästeliste</strong> sind auch illustre Namen zu finden. Persönlichkeiten aus der Welt der Wirtschaft, Politik und Unterhaltung, vertrauen ihre Lieblinge der erfahrenen Führung im Tierferienheim an. Darunter der Komiker Claudio Zuccolini, der seine französische Bulldogge Ivo ein- bis zweimal im Jahr nach Ramosch in die Ferien schickt. «Lange Autofahrten in den Süden möchte ich meinem Hund nicht zumuten. Ausserdem erträgt er die Hitze nicht gut, und da ist die Lage im Unterengadin natürlich ideal für ihn.» Freunde seiner Familie hätten von dem Tierferienheim Plan da Muglin geschwärmt, und seit gut vier Jahren ist Zuccolinis Vierbeiner regelmässiger Gast dort. «Ich glaube, Ivo gefällt es sehr gut bei Belinda Conradin. Bis jetzt hat er sich noch nie beschwert», witzelt der Comedian.
<strong>Pro Ferienhund und Tag</strong> verlangt Conradin einen Solidaritätsbeitrag von zwei Franken für ihre Tierwaisenheim-Stiftung. Rund 25 Waisenhunde leben zusammen mit den Ferienhunden in Ramosch, bis Conradin ein neues Zuhause für sie gefunden hat. «Es kommt vor, dass der Besitzer eines Hundes, der vorher jahrelang bei uns in den Ferien war, zu uns kommt und uns bittet, einen neuen guten Platz für seinen Hund zu suchen. Diese Hunde nehmen wir zu uns ins Tierwaisenheim, bis wir einen neuen Besitzer gefunden haben», erklärt Conradin. Aber auch sogenannt problematische Hunde nimmt Conradin auf. «Wir versuchen diese Hunde hier mit Geduld und Schulung wieder zu sozialisieren, sodass wir auch für sie neue gute Plätze finden.» Für die Waisenhunde sei der Kontakt zu den Ferienhunden eine Bereicherung.
Mehr Infos unter www.plandamuglin.ch
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