×

Miserable Luft im Muotatal

Muotathal Gar nichts mit gesunder Winterluft. Nirgends in der Schweiz ist die Luft stärker mit krebserregenden Partikeln belastet als im Muotatal. Der besorgte Gemeinderat appelliert an die Bevölkerung.

Südostschweiz
30.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

«Es gibt immer wieder Unverbesserliche.»

Franz Föhn, Gemeindepräsident

Josias Clavadetscher

An der Gemeindeversammlung vom April 2012 staunte die Muotathaler Bürgerschaft tüchtig. Messungen hatten gezeigt, dass die Luftqualität in der Gemeinde während der Heizperiode mit jener in stark belasteten Städten vergleichbar ist. Der Gemeinderat gelangte mit einem Appell an die Bevölkerung, beim Betrieb von Heizungen den Schadstoffausstoss zu reduzieren. Es sind Merkblätter herausgegeben worden, und gleichzeitig mit der Kontrolle durch die Kaminfeger wurde Information betrieben.

Jetzt liegen neue Messungen vor. Das Ergebnis ist verheerend. In einem Rundschreiben geben die Umweltschutzkommission und der Gemeinderat bekannt, dass die Feinstaubkonzentration ähnlich gross ist wie in den verkehrsreichen Ballungsräumen. Muotathal, Basel, Zürich und Lausanne erreichen die gleichen Werte. Aber es ist noch schlimmer. Es wird aufgezeigt, dass «im schweizweiten Vergleich die in Muotathal gemessenen PAK-Belastungen am höchsten sind». PAK sind polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, also eine giftige, krebserregende Substanz, wie sie auch im Zigarettenrauch vorkommt. Dass Muotathal den vierfachen Wert von Basel oder den fast fünffachen von Zürich erreicht, gibt sehr zu denken. Entsprechend ist der Gemeinderat beunruhigt. Im Rundschreiben an alle Haushaltungen wird betont, dass diese Ergebnisse bedenklich seien. «Die Luftqualität im Muotatal ist in den Wintermonaten während den Heizperioden sehr schlecht», betont die Umweltkommission. Es wird sogar die Schlussfolgerung gezogen, dass langfristig die Gesundheit der Bevölkerung und des Viehs gefährdet sei.

Gründe sind bekannt

Warum dies so ist, diese Gründe sind bekannt. Es hat damit zu tun, dass im Muotatal viele Kleinheizungen betrieben werden, die ineffizient und oft falsch bedient werden, oder die nicht geeignetes Material verbrennen. Dazu kommen die Topografie und die Meteorologie, die sich ungünstig auswirken. Das Muotatal funktioniert als eine Art Kessel, in den im Winter nur wenig Sonne scheint und in dem damit die Thermik ausbleibt. Bei Inversionslagen, wenn es in oberen Luftschichten wärmer ist als unten, bleibt die belastete Luft so regelrecht im Thal hängen.

Warnung an Güsel-Verbrenner

Gemeindepräsident Franz Föhn bestätigt, dass es immer noch Uneinsichtige gibt, welche sogar Kehricht verbrennen. Die Umweltkommission macht deutlich, dass Heizungen korrekt angefeuert werden müssen, damit Gase und Partikel vollständig verbrennen. Und vor allem dürfe man nur naturbelassenes Holz verbrennen, das mindestens ein Jahr lang trocken gelagert worden sei. «Keine Zeitungen, Karton Kisten, Harassen, Plastik oder irgendwelche andere Stoffe», wird betont, und vor allem «kei Güsel verbränne». Einiges ist allerdings auch besser geworden, vor allem weil Neubauten heute meist an die bestehenden vier Fernwärmenetze anschliessen.

Umweltsünder melden

Noch einmal setzt die Gemeinde auf Information und Appelle. Ebenfalls habe man schon verschiedene Haushaltungen angeschrieben und teils ermahnt, bestätigte der Umweltbeauftragte Edgar Betschart. Auch werden die Einwohner aufgerufen, Umweltsünder zu melden. Wobei man sich bewusst sei, dass niemand gerne Polizist spielen wolle. Bussen sind bisher noch keine ausgefällt worden. Die Gemeinde wollte noch nicht derart rigoros einfahren und setzte auf Aufklärung und Information. Gemeindepräsident Föhn schliesst aber nicht aus, dass Umweltbussen «irgendwann ein Thema werden». Denn schliesslich habe «jeder Bürger Anrecht auf gesunde Luft».

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR