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Mehr Trauer um den Litas als Freude auf den Euro

Zum Jahreswechsel verabschiedet sich Litauen vom Litas und führt als dritter und letzter baltischer Staat den Euro ein. Die Regierung und Wirtschaft setzen auf die Vorteile der EU-Währung, die Bevölkerung dagegen fürchtet den «Teuro».

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Alexander Welscher (sda)

Vilnius. – Der Euro-Countdown auf der Uhr über dem Eingang der Litauischen Zentralbank in Vilnius nähert sich der Null zum Jahreswechsel ist der Litas Geschichte. Mit dem Silvesterfeuerwerk verabschiedet sich das Land nach gut 20 Jahren von seiner nationalen Währung und führt als 19. EU-Land den Euro ein.

Grünes Licht zum Beitritt Litauens zur Eurozone hatten die EU-Finanzminister im Sommer gegeben. Dabei handelte ist sich bereits um den zweiten Anlauf des grössten der drei baltischen Staaten zur Einführung der Einheitswährung. Ursprünglich wollte das EU- und Nato-Land bereits 2007 den Euro übernehmen, scheiterte damals aber an einer leicht überhöhten Inflation.

Nach einem harten Sparkurs in der Finanzkrise, in der die Wirtschaft 2009 um fast 15 Prozent einbrach, erfüllt Litauen heute problemlos alle Kriterien. Die Ostseerepublik gehört inzwischen wieder zu den wachstumsstärksten Staaten in Europa, leidet aber einerseits unter den Folgen einer starken Auswanderung und andererseits unter einer hohen Arbeitslosigkeit. So ist jeder Vierte 16- bis 24-Jährige ohne Job. Litauen wird zu den ärmsten Ländern der Euro-Zone gehören.

Vorbilder Estland und Lettland

Regierungschef Algirdas Butkevicius sieht im Euro einen Garanten für wirtschaftliche Sicherheit und finanzielle Stabilität. Angesichts der Ereignisse in der Ukraine gilt die Währung für die Ex-Sowjetrepublik zudem als sicherheitsrelevant. Nach einer Analyse der Zentralbank in Vilnius wird sich der Euro positiv auf Handelsbeziehungen, Investitionen und Zinsniveau auswirken – ähnlich wie zuvor in den baltischen Nachbarstaaten. «Estland und Lettland haben von einem höheren Wirtschaftswachstum profitiert», sagt Finanzminister Rimantas Sadzius zu den Erfahrungen der beiden jungen Euro-Mitglieder, die bisher eine positive Bilanz ziehen.

Der stärkste Impuls zum Aufschwung der kleinen und offenen baltischen Volkswirtschaften kam bisher vom Export. Litauen wickelt mehr als 60 Prozent seines Aussenhandels mit dem Ostseeraum ab.

Angst vor steigenden Preisen

Während die litauische Wirtschaft den Euro mehrheitlich begrüsst, ist in der Bevölkerung weniger Begeisterung zu spüren. Viele Litauer fürchten vor allem steigende Preise, dass der Euro also zum «Teuro» wird. Zudem gilt der Litas als Symbol für die Unabhängigkeit. In einer Eurobarometer-Umfrage im September waren 49 Prozent der Litauer gegen und 47 Prozent für den Währungswechsel.

Die Regierung wirbt mit einer Informationskampagne für die europäische Gemeinschaftswährung. Bereits im Dezember brachte die Zentralbank 900 000 Starter-Kits in Umlauf, die je 23 Euromünzen im Wert von 11,58 Euro enthielten. Geprägt wurden sie in der staatlichen Münzanstalt. Die Banknoten für die Euro-Einführung leiht sich Litauen zunächst aus Deutschland.

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