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Lottogewinne polieren alles auf

Wer Lotto spielt und einen Volltreffer landet, bei dem gewinnt auch das Steueramt mit. Letztes Jahr war dies extrem beim Kanton sowie in Wollerau, Feusisberg, Ingenbohl und Einsiedeln der Fall.

Südostschweiz
23.03.13 - 01:00 Uhr

Von Josias Clavadetscher

Kanton. – Der Fall ist exemplarisch. Im November 2011 hat ein Zürcher mit seinem Lottozettel den Euro-Milions-Jackpot geknackt: 84 Mio. Franken wurden fällig. Dieser Gewinner blieb allerdings nicht mehr lange im Kanton Zürich wohnhaft und wechselte in den Nachbarkanton Schwyz, in die steuergünstigste Gemeinde der Schweiz: Wollerau. Massgeblich für die Besteuerung ist jeweils der Wohnsitz am 31. Dezember. Dieser Glückspilz hatte also einen Monat lang Zeit, um seinen «Lottogewinn steuerlich zu optimieren». Darum ist dieser Gewinn dann in Wollerau versteuert worden. Und weil die Steuern aus Kapitalabfindungen, Lotterie- und Toto-Gewinnen in den Gemeinderechnungen separat deklariert werden müssen, lässt sich das Lottoglück auch nicht ganz verheimlichen.

Dieser Gewinn wirkte sich deutlich aus. Der Kanton nahm allein aus diesem einen Lottogewinn einen Steuerbetrag von 7,8 Mio. Franken ein. Umgerechnet auf die Steuerbelastung, waren es in Wollerau dann rund 3,9 Mio. Franken, für den Bezirk Höfe etwa 1 Mio. Franken. Tatsächlich hat Wollerau erst vor wenigen Tagen einen um 5,8 Mio. Franken besseren Rechnungsabschluss 2012 gemeldet. Die zusätzlichen Abschreibungen von 2,5 Mio. Franken eingerechnet, sieht die Wollerauer Rechnung sogar 8,3 Mio. Franken besser aus als erwartet.

Dieser Lottogewinn war sicher die grosse Ausnahme. Aber auch in anderen Gemeinden gab es 2012 Glückspilze. Finanzvorsteher Werner Landtwing bestätigte, dass neben Wollerau auch Feusisberg, Ingenbohl und Einsiedeln, logischerweise dann auch die Bezirke Höfe und Schwyz an relativ hohen Lottogewinnen partizipiert haben. Marcel Betschart, Gemeindekassier in Ingenbohl, bestätigte diese Mehreinnahmen. Allerdings sei dieser Betrag bei Weitem nicht vergleichbar mit jenem in Wollerau.

39 Mio. Franken aus Gewinnen

Total hat der Kanton letztes Jahr 19,96 Mio. Franken Steuern aus Lotteriegewinnen eingenommen. Den Volltreffer in Wollerau abgerechnet, entspricht dies, gemessen an einer durchschnittlichen Steuerbelastung, etwa 14 Mio. Franken, die aus Lotteriegewinnen an die Gemeinden, Bezirke und Kirchgemeinden geflossen sind. Total waren es 39 Mio. Das Steuerverfahren für einen Lotteriegewinn verläuft anders als für ordentliche Besteuerungen. Swisslos zahlt dem Glücklichen 65 Prozent der Gewinnsumme aus, der Rest geht an den Bund. Der Gewinner kann dann via seine Steuererklärung 20 Prozent der Gewinnsumme unter dem Titel der Verrechnungssteuer zurückfordern. Die restlichen 15 Prozent werden proportional auf den Kanton, die Gemeinde, den Bezirk und die Kirchgemeinden verteilt.

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Wenn die Finanzdirektorenkonferenz der Kantone schlau wäre, dann hätte sie nebst der Steuerbefreiung <1MioFr sich auf einen Einheitssatz für Gewinne >1MioFr. geeinigt. Zum Beispiel könnte ein Einheitssatz von 20% dazu führen, dass einerseits die Kantone direkt über diese Einnahmen verfügen könnten (keine Rückgabepflicht nach STE) und die mühsamen Wohnortwechsel mit juristischem Geplänkel würden aufhören. Auch Kantone mit höheren Steuerbelastungen würden gleich wie alle anderen profitieren.
Aber eine solche Regelung braucht Weitsicht und Flexibilität - die haben wohl nicht alle ......

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