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Lorenzo Polin, ein Künstler auf dem Weg zu seiner Berufung

Viermal haben kürzlich Lorenzo Polin und Laura Zangger im Kulturzentrum La Tuor in Samedan eine schauspielerisch-musikalische Führung präsentiert. Sie machten damit ein Stück Samedaner Geschichte lebendig.

Südostschweiz
20.04.12 - 02:00 Uhr

Von Marina U. Fuchs

Samedan. – Die Leistung des Schauspielers Lorenzo Polin, der auch für Text und Regie verantwortlich zeichnet, die musikalische Darbietung von Laura Zangger und auch der Ort, La Tuor in Samedan, waren eindrücklich. Der ehemalige Wohnsitz einer Adelsfamilie aus dem 13. Jahrhundert, diente später als Gefängnis und das Gericht Sur Funtauna Merla sprach dort Recht. Dann wurde das Gebäude zum Archiv, war Jugendzentrum, bevor es im Dezember 2010 seine Bestimmung als multimediales Kulturzentrum fand. Ziel der Stiftung ist es, die Erhaltung und die Entwicklung des kulturhistorischen und volkskundlichen Erbes der Region Südbünden voranzutreiben und zu leben.

Und genau dort setzt die Arbeit von Lorenzo Polin ein. Er konzipierte eine Zeitreise auf den fünf Etagen des Turms, liess die Vergangenheit aufleben und machte sich Gedanken zur Zukunft.

Bereits in der Schule aufgefallen

Polin wurde 1987 in Samedan geboren, und bereits in seiner Schulzeit an der dortigen Academia Engiadina fiel sein künstlerisches Talent auf. Wie er in einer Schultheateraufführung in Wolfgang Borcherts Drama «Draussen vor der Tür» den Kriegsheimkehrer interpretierte, liess aufhorchen. Kein Wunder, dass er bereits noch vor der Matura bei «Federico» dabei war, einer der frühen Produktionen Giovanni Netzers, dem Gründer und Intendanten des Origen-Kulturfestivals. Nach Abschluss der Schule hiess es dann allerdings erst einmal, Geld verdienen.

Trotzdem liess der Wunsch, Schauspieler zu werden, den jungen Mann nicht los. Polin war bei verschiedenen Laientheater-Aufführungen im Tal dabei, bevor es dann endlich ernst wurde mit der Schauspielschule. In Zürich schloss er die European Film Actor School erfolgreich ab und zeigte anschliessend bei verschiedenen Projekten, was er kann.

Vom Kanton mit einem Preis gewürdigt

Dreieinhalb Monate dauerte die Vorbereitung für die vier Vorstellungen in Samedan. «Die Nachfrage war riesig», sagt Polin. Es scheint deshalb nicht ausgeschlossen, dass die szenischen Führungen wiederholt beziehungsweise fortgesetzt werden. Den Künstler fasziniert gerade diese Form der Kulturvermittlung, diese Kombination von Schauspiel, Musik und Geschichte. Überhaupt begeistern ihn Burgen, Schlösser, Türme, und er kann sich gut vorstellen, auch andere Objekte zu bespielen. Ideen scheint er ohne Ende zu haben, will lebendige Geschichte vermitteln, wobei ihm Authentizität wichtig ist, und er gerade auch bei Kostümen viel Wert auf Details legt. «Mich interessiert die Basis, das Experiment, das Micheinbringen, mich in andere hineinversetzen», erzählt Polin. «Vor allem die Freude an der Arbeit ist für mich die Grundlage.»

Dass sich diese Freude, dieses Engagement auch anderen vermittelt, zeigte die Auszeichnung mit dem Förderungspreis des Kantons Graubünden 2011. Seine eindrücklich und berührend verkörperte Rolle des Hirten in dem Stück «Giacumbert Nau» nach dem gleichnamigen Buch des Bündner Autors Leo Tuor und zahlreiche andere Rollen trugen zu dieser Auszeichnung bei.

Fesselnde Darbietung

Polin hofft, nicht auf ein bestimmtes Rollenfach festgelegt zu werden. Dass er ganz verschiedenartige Charaktere perfekt darstellen kann, zeigte sich im Kulturzentrum La Tuor. In wechselnden Kostümen zog er die rund um ihn stehende Zuschauerschar in seinen Bann, und sie lauschten ihm, fasziniert, fast wie einem Märchenerzähler alter Zeit.

Vorträge mit Musik ergänzt

Oft hatte man als Zuschauer das Gefühl, alles, was Polin erzählte, sei ihm gerade eben erst in den Sinn gekommen, so locker, so stimmig und natürlich kam es daher. Es gelang ihm, die Besucher einzubeziehen, zum Mitmachen zu animieren und dabei seine Vielseitigkeit, sein Talent einzubringen. Texte wechselten sich mit Minneliedern und szenischen Lesungen ab. Polins Begleiterin, Laura Zangger ergänzte seine Vorträge musikalisch und liess staunen, wie virtuos sie Geige, Gitarre und Flöte abwechselnd beherrscht.

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