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Lieber Bär, schlaf gut, schlaf in Frieden

Lieber Bär

Südostschweiz
30.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Fürs neue Jahr wünsche ich Dir alles Gute, ein friedliches Leben in schöner, einsamer Natur. Ich wünsche Dir Menschen, die Dir nicht ans Fell gehen, dieses löchern. Ich wünsche Dir Menschen und eine Gesellschaft, die es gut meinen mit Dir, die Dich schätzen und am Leben lassen.

All jenen, die mehr oder weniger berechtigte Angst vor dem Bär haben, möchte ich im neuen Jahr Vertrauen wünschen. Vertrauen in wen? In Georg Brosi, Bündner Jagdinspektor, und in seine Wildhüter, in die meisten davon. Sie machen einen schlichtweg hervorragenden Job (übrigens, bin weder verwandt, noch befreundet, noch abhängig von diesen). Problembären müssen wir leider als reale Gefahr für Menschen aus dem Verkehr ziehen. Alles andere macht keinen Sinn, keine guten Überlebenschancen für die Wildtiere, schadet einer gesunden Natur. Wobei: Manchmal schwirren mir Gedanken durch den Kopf wie schöne Schmetterlinge auf einer Bergwaldlichtung. Ist es gerecht, wenn immer wieder Bären getötet werden? Wie steht es um uns Menschen, die Zehntausende Schalenwild, Rehkitze, Schafe auf den Alpen, Wiesen und Strassen töten, die verunfallen – und dies pro Jahr. Ich rede hier nicht von sogenannten Nutz- und Wildtieren, die wir aufessen. Ist das Ganze nicht eine schreiende Ungerechtigkeit, ein miserables Täter-Opfer-Verhältnis?

Im neuen Jahr 2015 lade ich alle Tierfreunde und alle mit Sorgen ein, das Problem realistisch und ruhig anzugehen. Die Gedanken gelten auch für die Probleme um die Wölfe. Lasst auch in diesem Bereich Brosi und seine Crew ihre exzellente Arbeit machen, es braucht keine nervöse Aufregung, der politische Rahmen reicht auch, es braucht keine populistischen Politiker. Und: Es ist auch einfach nur polemisch und beleidigend, wenn dauernd geschrieben wird, es seien nur Städter, welche des Bären Freund sind. Des Schreibenden Mutter ist Bündnerin, wir haben Dutzende verwandte Jäger, wir leben seit 30 Jahren wieder in den Alpen.

Urs Trottmann, Scuol

Kennen Sie den Witz vom Jäger, der sich vor Gericht verantworten musste, weil er einen Touristen angeblich kaltblütig abgeschossen hatte? «Nichts dergleichen», beschwerte sich der Waidmann, «der Fremdling war eindeutig gekennzeichnet». Was er damit meine, fragte der Richter. Er habe zweimal mit dem Spiegel nachgesehen, bevor er abgedrückt habe, ausserdem habe man es auch im Zielfernrohr deutlich gesehen. «Was denn?», wollte der Richter ungeduldig wissen. «Euer Ehren, der Mann trug am Schuh deutlich die Aufschrift ‘Reebok’».

Ich hoffe, Ständerat Stefan Engler hat von seiner Liebsten nicht eine Jacke mit dem Label «Wolfskin» geschenkt bekommen, er könnte das Opfer seiner selbst werden.

Theo Hess, Landquart

Zum Leserbrief «Mutloser Bericht zum Schienengüterverkehr» in der Ausgabe vom 24. Dezember.

Auch wir vom Transportgewerbe sind enttäuscht, insbesondere von Bundesrat Adolf Ogi, welcher damals die Neat ohne Kostenbeteiligung (20 oder mehr Milliarden Franken) der angrenzenden Länder gestartet hat. Seine Begründung: Wer bezahlt, befiehlt! Bezahlen muss nun das Volk, etwa 500 Franken für jeden Transitlastwagen auf der Schiene. Früher hat die Schweiz die Passstrassen hoch und teuer vermarktet. Da aber der Transitvertrag mit freier Wahl der Verkehrsmittel etc. mit der EU schon vor der Abstimmung der Alpen-Initiative abgeschlossen war, ist es kaum noch möglich, die Alpen-Initiative (650 000 LKW/Jahr) durchzusetzen, ohne den EU-Vertrag zu künden. Darum ist es ein Witz, dass solche Abstimmungen, welche konträr zu laufenden Verträgen abgeschlossen wurden, überhaupt zur Abstimmung kommen. Wir machen uns ja so nur lächerlich!

Und dann noch ein Tipp: Die Alpen-Initiative würde sich besser um eine EU-Initiative kümmern, welche dafür sorgt, dass Produkte (zum Beispiel Kartoffel = Pommes), welche zur Veredelung Tausende von Kilometern hin und her gekarrt werden, um einen minimalen Gewinn zu erzielen, verboten würden. So wären auch weniger LKW auf der Transitachse!

Hans Fischer, Ehrenpräsident Nutzfahrzeugverband Astag Graubünden, Chur

Sehr geehrter Herr Nationalrat Luzi Stamm

Es ist Ihr gutes Recht, Ihrer Überzeugung Ausdruck zu verschaffen und sich vehement gegen eine finanzielle Entschädigung an ehemalige Verdingkinder zu wehren. So in der Sendung «Arena» von SRF zum Thema Wiedergutmachungs-Initiative. Ob Sie mit Ihrer harten Opposition bei Zuschauern auf Verständnis oder auf Zustimmung gestossen sind, bezweifle ich. Vielmehr scheint mir, dass Sie, vor allem mit Ihren zynischen Bemerkungen zu den Voten der übrigen Podiumsteilnehmer, sowohl Ihrer Partei als auch sich selbst einen Bärendienst erwiesen haben. Als ehemaliges, sowohl körperlich wie seelisch misshandeltes Verdingkind und damals administrativ Versorgter, fühle ich mich kompetent, mich zu diesem Thema zu äussern.

Dass unzählige bereits verstorbene und viele heute noch unter uns weilende Verdingkinder enorme psychische und physische Schmerzen erdulden mussten, lässt sich nicht leugnen und wird heute gottlob auch nicht mehr in Abrede gestellt. In diesem Sinne ist es wohl angebracht, dass sich Volk und Regierung für dieses grosse Unrecht, soweit überhaupt noch möglich, bei den Betroffenen entschuldigen. Es ehrt die Initianten der Volksinitiative, dass sie in diesem Sinne versuchen, geschehenes Unrecht wenigstens teilweise wieder gutzumachen.

Stossend finde ich Ihre Einstellung, dass jene Verdingkinder, die heute in soliden Verhältnissen leben, keine Entschädigung erhalten sollen. Haben Sie persönlich dazu beigetragen, dass diese den Turnaround geschafft haben? Tatsache ist, dass ein Grossteil der Unterdrückten sich aus eigener Kraft aus dem Dunkel hochgearbeitet hat und heute in der Gesellschaft geschätzt und geachtet ist. Weil ihnen das gelungen ist, sollen diese Mitbürger leer ausgehen, eigentlich bestraft werden, das meinen Sie doch, wenn Sie ihnen eine Wiedergutmachung verweigern möchten? Finden Sie es vielleicht auch richtig, dass mir damals der gesamte Lohn von der Schulentlassung bis zu meiner Volljährigkeit nie ausbezahlt, sondern von meinem Vormund ungestraft verprasst wurde? Dieses sowie der Umstand, dass mir die gewünschte Lehre als Feinmechaniker grundlos verweigert wurde, war eine grosse Ungerechtigkeit. Und so kommt mir Ihr Ansinnen wie eine erneute Strafe vor.

Sehr geehrter Herr Stamm, ich wünsche Ihnen schöne Stunden und etwas Zeit, diese Problematik nochmals in Ruhe zu überdenken.

Dölf Bachmann, Igis

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