Lieb gewonnene musikalische Tradition zum Jahresschluss
Seit fast 30 Jahren begeistert das Sinfonieorchester Engadin am Jahresende sein Publikum. Diesmal werden Beethovens 5. Sinfonie und das 5. Klavierkonzert mit dem Solisten Andreas Haefliger aufgeführt.
Seit fast 30 Jahren begeistert das Sinfonieorchester Engadin am Jahresende sein Publikum. Diesmal werden Beethovens 5. Sinfonie und das 5. Klavierkonzert mit dem Solisten Andreas Haefliger aufgeführt.
Von Marina U. Fuchs
Pontresina. – Das Jahr mit einem der vier Konzerte des Sinfonieorchesters Engadin festlich ausklingen zu lassen – längst ist das für viele Engadiner und Feriengäste zur lieb gewonnenen Tradition geworden. Den Anfang machte die Matinee als kommentiertes Konzert im Kultur- und Kongresszentrum Rondo in Pontresina. Wie immer war der Anlass ausverkauft, schätzen doch viele Besucher die sachkundigen Informationen des Dirigenten Marc Andreae zu den aufgeführten Werken – samt Musikbeispielen.
Beethoven zum 25-Jahr-Jubiläum
Andreae ist fast seit Anfang an bei Sinfonia dabei und begeht dieses Jahr sein 25-Jahr-Jubiläum. Die Konzertreihe selbst wird 2015 ihren 30. Geburtstag feiern. Begründet wurde sie vom langjährigen Konzertmeister Markus Strasser, der 2013 verstorben ist.
Das Programm konzentriert sich dieses Jahr ganz auf Ludwig van Beethoven. Neben der Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 wird das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 aufgeführt. Als Solist wurde der Pianist Andreas Haefliger verpflichtet. Die Musikerfamilien des Dirigenten und des Solisten haben viele gemeinsame Berührungspunkte, kennen sich schon lange. Für Andreae und Haefliger ist es allerdings der erste gemeinsame Auftritt.
Solist mit Bündner Wurzeln
Haefliger wurde 1962 in Berlin geboren, hat aber Bündner Wurzeln. Bereits als 15-Jähriger wurde er an der New Yorker Juilliard School aufgenommen. Er begann seine Karriere in den USA und tritt mittlerweile mit allen wichtigen Orchestern auf, ist Gast bei den grossen Festivals und en- gagiert sich kammermusikalisch. Als Solist konzentriert er sich auf die Gegenüberstellung von Beethovens Klaviersonaten mit denen anderer Komponisten.
Bei dem Konzert im Rondo konnte man hören und spüren, wie anspruchsvoll Beethovens imposantes 5. Klavierkonzert ist, dass es vom Pianisten allerhöchste Konzentration fordert. Haefliger sucht den menschlichen Zugang in seinen Interpretationen, weniger den intellektuellen, und spielt die Musik genau so, wie er sie erlebt.
Die Begleitung durch das Sinfonieorchester Engadin war überaus eindrücklich. Die Musikerinnen und Musiker spielen über das Jahr in internationalen Orchestern und reservieren sich jeweils die letzten Tage des Jahres fürs Engadin. Alle verbindet eine langjährige Freundschaft; dieser besondere Bezug vermittelt sich auch den Zuhörern. Haefliger begeisterte nach Beethoven mit einer ganz speziellen langen und höchst virtuos gespielten Zugabe. Selbst die meisten Orchestermusiker kannten das Stück nicht, und einige folgten dem Vortrag mit buchstäblich offenem Mund. Es war die Vogelpredigt von Friedrich Liszt, die überraschte und entzückte.
Ein «politisches Manifest»
Noch vor der Pause führte Andreae, der schon nahezu alle grossen Orchester dirigiert hat und bei vielen Festivals weltweit dabei ist, in seine Interpretation der 5. Sinfonie ein. Für ihn ist sie weniger «Schicksalssymphonie» als ein politisches Manifest, ein Aufstand gegen die Diktatur Napo- leons. Er sieht im grandiosen Anfang Gefängnisgitter, den Wille zur Befreiung, es geht für ihn um den Weg vom Dunkel ins Licht, der in einer Siegesfreude gipfelt, die immer stärker wird.
Nach der mit Bravorufen und tosendem Applaus belohnten, beglückenden und berührenden Aufführung hätte sich mancher eine Zugabe gewünscht. Aber was sollte danach noch kommen können?
Weitere Aufführungen von Sinfonia 2014 finden heute, 29. Dezember, um 20.45 Uhr in der Aula Schulhaus Sils und morgen 30. Dezember, um 20.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Celerina statt. Restkarten gibts an der Abendkasse, bei den Tourist Informationen und unter www.ticketcorner.ch.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.