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Letztes Ostschweizer Geburtshaus schliesst

Das Geburtshaus Graubünden stellt Ende Juli den Betrieb ein. Und das, obwohl es ausgelastet ist und finanziell gut dasteht. Der Grund: Trotz intensiver Suche fand man keine neuen Hebammen.

Südostschweiz
Donnerstag, 18. Juli 2013, 02:00 Uhr

Jenins GR. – Bis hinauf nach Holland habe man nach Geburtshelferinnen gesucht, sagte Christina Isenmann, Geschäftsführerin und Hebamme, zu einem Bericht des «Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden» von Radio SRF. Inserate in sämtlichen Fachzeitschriften, Kontakte mit Berufsverbänden, Suche bei Personalvermittlungen – alles war ohne Erfolg.

An den Anstellungsbedingungen sei es aber nicht gelegen. Zudem gebe es in der Schweiz keinen echten Hebammenmangel.

Zu grosse Verantwortung

Bei Geburtshäusern und kleinen Regionalspitälern sehe es aber anders aus. Da herrsche «faktisch» ein Mangel an Geburtshelferinnen. Als Ursache sieht Isenmann, dass die meisten Hebammen die grosse Verantwortung nicht übernehmen wollten, wenn sie eine Geburt alleine ohne Arzt im Hintergrund betreuten. Zudem scheuten viele die unregelmässigen Arbeitszeiten und häufigen Pikettdienste.

Gleichzeitig ist die Nachfrage nach den Leistungen des Geburtshauses riesig, seit die Kosten dank Aufnahme auf die Bündner Spitalliste Anfang 2012 von Krankenkassen übernommen werden. Mit drei Wochenbettzimmern und einem Geburtszimmer stösst man in Jenins bereits an die Kapazitätsgrenzen.

Hebammen «am Anschlag»

Das Geburtshaus Graubünden kann sein Angebot aber nicht weiter aufrechterhalten. Zwar beschäftigt die privatwirtschaftliche Institution insgesamt 14 Personen, neben Isenmann aber nur noch eine weitere Hebamme. Die zwei Hebammen können den Betrieb mit der 24-Stunden-Bereitschaft nicht länger aufrechterhalten. (sda)

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