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Lang Lang und Harnoncourt

Das hätte man nun am wenigsten erwartet: Dass Altmeister Nikolaus Harnoncourt sich mit Lang Lang, dem wohl populärsten Superstar der Klassikszene, zusammentut.

Südostschweiz
29.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Werner Pfister

Und das für zwei Klavierkonzerte von Mozart und erst noch zusammen mit den Wiener Philharmonikern. Doch schon von den ersten Takten an wird klar: Beide verstehen sich vorzüglich, beide sind mit einem Feuereifer und vitalen Impetus bei der Sache, dass man sich unwillkürlich fragt, wer eigentlich der Jüngere ist. Harnoncourts Neigung, die Musik mit Affekten aufzuladen, kommt dem Ansatz von Lang Lang ideal entgegen. Umgekehrt strahlt der Ernst von Harnoncourts Musizieren auch auf den jungen Pianisten ab, der sich von allen ihm oft angekreideten, effekthascherisch verspielten Eskapaden fernhält und sozusagen auf Mozart pur setzt.

Mozart: «Klavierkonzerte und Sonaten». Lang Lang (Klavier), Wiener Philharmoniker, Harnoncourt. Sony 88843082522 (2 CDs).

Von Reinmar Wagner

Ganz harmlos kommt diese Graupner-CD daher mit ihrem lapidaren Titel «Trio Sonatas». Aber die barocke Normalbesetzung – zwei Violinen und Cembalo – findet sich nur gerade in zwei der reizvollen Stücke. Alle anderen sind instrumental überaus an-sprechend besetzt, mit Kombinatio- nen von Viola d’Amore, Chalumeau, Traversflöte oder Fagott. Christoph Graupner war Thomasschüler in Leipzig (vor Bachs Zeit). Erste Erfolge feierte er mit Opern in Hamburg. Das hörte der Landgraf von Hessen-Darmstadt und holte ihn 1709 an seinen Hof, wo er bis an sein Lebensende 1760 blieb. Sein Œuvre von über 2000 Werken ist praktisch vollständig erhalten. Die Musiker des finnischen Barockorchesters spielen in einer reduzierten, introvertierten Klanglichkeit, die in den langsamen Sätzen manchmal für ausserordentlich schöne Stimmungen sorgt.

Graupner: «Trio Sonatas». Mitglieder des finnischen Barockorchesters. Ondine ODE 1240-2.

Von Andrea Meuli

Sich in Liebesschmerz verzehrende Heldinnen, heroisch sterbende Königinnen – die italienische Oper des frühen 19. Jahrhunderts ist eine unerschöpfliche Quelle für starke Gefühle und tragische Schicksale. Aus diesem Fundus schöpft das neueste Album der Mezzosopranistin Joyce DiDonato. Riccardo Minasi ist bei diesem Rezital sowohl philologisches Gewissen als auch Dirigent, und das gleichermassen souverän. Mit Drive und Akribie breitet er jenen musikalischen Teppich aus, auf dem sich die Stimme entfalten kann. Und wie sie das tut! Das Recital kommt für die amerikanische Mezzo-Diva zu einem Zeitpunkt, da sie ihrer Stimme alle nur erdenklichen Farben, jede noch so feine gestalterische Nuance entlocken kann und gleichzeitig über eine gestalterische Reife verfügt, die dieses Album allem Nebel des Durchschnitts weit entrückt.

«Stella di Napoli». Opernszenen. Joyce DiDonato (Mezzosopran), Orchestre de l’Opéra de Lyon, Riccardo Minasi. Erato 08256 46365623.

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